Fremdluftversorgung Unimog für Feuerwehr

ebnerjoh

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17. Sep. 2026
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Metnitz
Member of the Unimog Museum Association
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I am a dealer
No
Unimog 1 Typ
219
Unimog 1 Baujahr
2021
Hallo!

Ich darf mich kurz vorstellen, ich bin Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr und wir besitzen einen U219. Ansonsten hört meine Expertise zum Unimog schon wieder auf :-)

Bei uns werden alle luftgebremsten Einsatzfahrzeuge mit Fremdluft versorgt (10 bar Kompressor), damit wir im Einsatzfall sofort ausfahren können.
Das hat bis zur Anschaffung des U219 gut funktioniert.

Das Problem ist, dass der Unimog einen höheren Betriebsdruck hat und scheinbar auch das Überströmventil des ersten Luftzylinders auch erst sehr spät aufmacht (ich glaube 8 bar?).
Zum Vergleich - ein Atego macht schon bei 6 bar auf.

Nun passiert es immer wieder einmal, dass die Bremskreise abfallen, der Kompressor aber nicht anspringt, wegen der Spreizung. Dann kann es passieren, dass der erste Luftzylinder irgendwo bei 7 bar steht, aber der zweite Zylinder nicht mehr gefüllt wird.

Man muss auch berücksichtigen, dass im Feuerwehrtechnischen Aufbau auch einige Luftzylinder verbaut sind (am Arbeitskreis) und da eine kleine Undichtheut auch nicht ausgeschlossen ist, vor allem nach einigen Jahren).

Hat dazu wer Erfahrung und kann uns Tipps geben?
Eventuell einen 15 Bar Kompressor, den man mit der Spreizung zwischen 9 und 12 bar einstellt und für die anderen Fahrzeuge einen Druckminderer verbaut?

Viele Grüße
Johannes
 
Hallo Johannes,
ich denke mit Luftzylinder meinst du die einzelnen Druckluftkreise im Fahrzeug. Bis wie viel Bar wird denn die Anlage gefüllt, wenn der Unimog läuft? Und wo genau ist der Fremdluftanschluss im Druckluftsystem vom Mog eingebaut?
Bevor wir unser Auto an die Fremdluft anschließen treten wir ein paar mal kräftig die Bremse, damit die Kessel ziemlich leer sind. Dann füllt der Kompressor die Anlage auf sein Niveau auf.

Gruß Alex
 
Hallo,

zu dem Unimog U219 spezifisch kann ich dir wenig sagen.
Wie du bereits richtig erkannt hast, sind bei den LKW über das Schutzventil verschiedene Kreise vorhanden. Bei einem 4 Kreisschutzventil öffnen zuerst die Betriebsbremsen, dann die Handbremse und anschließend oder fast gleichzeitig die Nebenverbraucher.

Dann solltest du dir erstmal genau sicher sein, welche Drücke du jetzt wo überhaupt Einstellen willst. Bei vielen typischen LKW werden die Betriebsbremskreise bei circa 6 bar freigegeben und die Feststellbremse und Nebenverbraucher ein halbes bar später. Das mag bei manchen Fahrzeugen, wie dem Unimog höher liegen. Informationen dazu sollten sich in den Anleitungen oder zumindest für den Mindestbetriebsdruck auf den Manometern im Fahrzeug.

Die Drücke solltest du natürlich bereitsellen.
Eine Option ist: Kann dein Kompressor den benötigten Betriebsdruck für den Unimog erreichen? Wenn ja, scheinst du ja das Problem zu haben, dass der Druck zu stark abfällt, bevor der Kompressor wieder nachfüllt - also ist wäre Hysterese zu groß. Theoretisch kannst du, solange du innerhalb der Betriebsparameter bleibst einen anderen Druckschalter verbauen, der eine geringe Hysterese besitzt. Das hat aber zwei Probleme: Zum einen änderst du den Kompressor ab. Da mag nie was passieren, aber damit ist der Hersteller aus der Haftung raus und du drin. Zum Anderen: Druckluft mit höheren Drücken zu erzeugen ist energieintensiver, z. B. durch mehr Wärme die erzeugt wird und dann verfliegt. Diese Mehrkosten sind dann für den Unimog nötig, aber wenn du eh wieder für die anderen Fahrzeuge Druckminderer verbaust, vermeidbar. Über das Jahr ist ja doch schon einiges an Druckluftverbrauch vorhanden. Zudem läuft der Kompressor bei einer geringeren Hysterese häufiger, da er ja schneller nachpumpt. Das minimiert das Arbeitsklima im Feuerwehrhaus, manchmal beschweren sich auch die Nachbarn.

Die andere Option ist, wie bereits von dir erwähnt: Du kaufst einen zweiten, kleinen Kompressor für den Unimog. stellst den irgendwo direkt neben den Unimog. Sparst dir dabei also entweder mehrere Druckminderer vor jedem anderen Fahrzeug. Oder einen Druckminderer zu verwenden vor den Leitungen zu allen anderen Fahrzeugen und neue Leitungen zu dem Unimog zu verlegen. Zusätzlich auch die Mehrkosten Druckluft mit höherem Druck für die anderen Fahrzeuge zu produzieren. D.h. ein zweiter Kompressor kann auf lange Sicht rentabel sein.


Als letzte Option kommt eine sehr pragmatische:
Ja, der Unimog hat vielleicht einen höheren Betriebsdruck. Aber muss er wirklich auf dem Betriebsdruck da stehen? Ich kenne eure Dynamik beim Ausrücken nicht. aber oft vergeht zwischen Maschinist sitzt auf dem Fahrzeug und Losfahren doch 20-30 Sekunden. Schlüssel an und Vollgas mag das Fahrzeug ja eh nicht. Macht es überhaupt einen relevanten Unterschied, wenn der Unimog nicht den vollen Betriebsdruck hat? Kann er sich nicht selbst den Druck aufbauen, bis ihr losgefahren seid? Verliert ihr dadurch überhaupt relevante Zeit?
Ja, das ist weniger cool und abgerundet. Hat aber einen ganz anderen Vorteil: Wie du selber gemerkt hast verliert gerade der Aufbau Druckluft. Wenn der auf Grund des Schutzventiles gar nicht mit Luft versorgt wird, wird da keine Luft verbraucht und euer Kompressor läuft weniger oft. Zusätzlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Fahrzeuge, bzw die Druckluftkomponenten am Aufbau wesentlich stärker altern, wenn sie 24/7 mit Druck beaufschlagt sind. So z. B. ein knapp 40 Jahre altes TLF, Merecedes Fahrgestell, Ziegler Aufbau. War die ersten 35 Jahre nie an Fremdluft, hat nicht mal einen Anschluss dafür gehabt. Irgendwann gab es schon gelegentlich Probleme, dass Kunststoffschläuche vom Ziegler Aufbau kaputt gingen. Aber das war selten. Dann wurde das Fahrzeug für Fremdluft vorgesehen und daran angeschlossen. Bei fast jedem zweiten Einsatz viel das Fahrzeug aus, weil eine Luftleitung zur Pumpe oder gar die Pneumatikventile undicht oder kaputt waren. Deshalb wurde es wieder ohne Fremdluft abgestellt und die Probleme sind drastisch zurück gegangen. Dort musste man feststellen, dass man nicht wirklich langsamer ausrückt, wenn das Fahrzeug kurz Luft pumpen muss, aber man rückt wesentlich zuverlässiger aus.

Der Kompromiss dazu ist dann natürlich: Fahrzeuge nur auf einem geringen Druck fremdversorgen und das letzte Stück, bis die Bremsen und Nebenverbraucher freigegeben werden, macht das Fahrzeug bei Bedarf selbst. Eine noch modernere Version wäre natürlich ein Kompressor für die Fremdversorgung, der sich erst bei der Alarmierung einschaltet.


Grüße
Sebastian
 
Hallo Johannes,

Wir haben in der Wehr einen 43 Jahre alten 1300L als TLF. Der erste, der im Einsatzfall ins Feuerwehrhaus kommt, startet ihn, bevor er sich umzieht. Das passt zeitlich gut (ca. 2 Minuten). Habe es bisher noch nicht erlebt, dass wir im komplett besetzten Fahrzeug auf Luft warten mussten.

Schöne Grüße,

Robert
 
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