Hallo Norbert,
es geht hier nicht darum wer über welches Wissen verfügt, da hast du etwas mißverstanden. Jeder kann es eigenverantwortlich so machen, wie er möchte. Allerdings sollten wir ihm alle Aspekte aufzeigen, die für eine Entscheidung wichtig sind.
Schaut man sich mal ein Spannungs-Dehnungs-Diagramm an, wird man sehen, dass eine Zugprobe, die mit einer Zugktaft beaufschlagt wird sich längt.
[Um das Spannungsdehnungsdiagramm vom Querschnitt der Probe unabhängig zu machen, wird nicht Kraft und Länge angegeben, sondern Dehnung (gedehnte Länge bezogen auf die Ursprungslänge in % und die Spannung, die der Kraft pro Fläche entspricht (N/mm²).]
Im ersten Bereich steigt die Kurve linear an. Sie folgt der Hookeschen Geraden und wird als elastische Dehnung verstanden. Sie bildet sich vollkommen zurück, wenn die Kraft nicht mehr vorhanden ist.
[Ihr schließt sich die Streckgrenze mit der Lüdersdehnung an, was im Moment aber zu vernachlässigen ist. Nicht alle Werkstoffe haben diese ausgebildete Lüdersdehnung (Wandern von Versetzungen).]
Dem Abschnitt folgt die plastische Verformung. Einmal eingetreten, bleibt sie bestehen (Gesamtdehnung - elastische Dehnung = plastische Dehnung), auch wenn die Kraft wieder verschwunden ist. [Nach dem Überschreiten der Zugfestigkeit Rm schnürt sich die Probe ein und verringert ihren Querschnitt.]
Je nach Festigkeit des Werkstoffs sind die Verhältnisse unterschiedlich.
Wenn Werkstoffe versagen (Bruch) dann kann dieses mit "Ankündigung" erfolgen (duktiles Werkstoffverhalten mit Verformung) oder spröde (Schlagartig ohne große Verformung). Je nach dem, wie die Ferstigkeit im Werkstoff gesteigert wird (bei Stahl 5 Methoden) stellt sich ein anderes Verhalten ein. Grobes Korn bei der Stahlstruktur bricht zum Beispiel spröder als Feinkorn. Das Zulegieren von Kohlenstoff ist die kostengünstigste Methode, die Festigkeit zu steigern.
Kommen wir zu den Schrauben zurück: Eine Schraubverbindung basiert auf der elastrischen Vorspannkraft. Plastisch verformte Schrauben längen sich und ändern die Gewindesteigung. Sie sind also Schrott! Daher muss man schon darauf achten,in welchem Bereich man arbeitet. Schraubenverbindungen werden in der Regel so ausgelegt, dass ihr Formschluss nicht berücksichtigt wird. Über das Drehmoment wird eine Vorspannkraft auf die Schraube aufgebracht. Diese hält über die Gewindereibung die Bauteile zusammen.
Auf den Schrauben ist eine Bezeichnung angegeben. Diese lässt auf die Festigkeit schließen. Die erste Ziffer ist die Zugfestigkeit Rm (siehe Spannungs-Dehnungs-Diagramm) und die zweite gibt die Streckgrenze Re an. Beispiel 8.8 entspricht 800N/mm² Rm und 640N/mm² Re. Da man diese Angaben der Schraube auf den Durchmesser der Schraube beziehen muss, nimmt das erforderliche Drehmoment mit dem Gewindedurchmesser zu. Hierzu gibt es Anzugstabellen in Abhängigkeit der Festigkeit und der Gewindegröße.
Und so schließt sich der Kreis. Eine höherfeste Schraube benötigt ein höheres Anzugsmoment bei gleichen Gewindeabmessungen. Wenn dann bei dem Innengewinde allerdings schon die Streckgrenze überschritten ist, verformt es sich plastisch. Das bedeutet, die Schraubenverbindung ist zerstört.
Und jetzt darf jeder eigenverantwortlich entscheiden, was er tut.
Gruß
Markus