Hallo Christoph,
der 314 mit Zweizylinder-Deutz-Motor aus den frühen 1980ern gehört einem Unimog-Freund in meiner Nachbarschaft. Er hat ihn erst kürzlich erworben von einem Kieswerk, wo er hauptsächlich den Hof kehren durfte. Zu dem bisher schon fast kompletten Zubehör ist neulich noch ein originaler Zweischalengreifer mit Rotator hinzugekommen.
Ich hingegen darf mich um ihn kümmern, wenn er Mucken macht. Besonders natürlich die Hydraulik betreffend. Und davon ist viel drin. Hydrostatischer Antrieb mit Inchpedal, Hubgerüst mit hydraulischem Schnellwechsler und Allradlenkung mit Kreis- und Querfahrt (Hundegang) sowie Vorderachslenkung. Letztere habe ich zwar hydraulisch verstanden aber mechanisch noch nicht. Die ist wirklich eine Meisterleistung Deutscher Ingenieurskunst.
Ein Defekt war bereits, dass sich das Fahrzeug sporadisch nicht oder zu langsam vor- oder rückwärts bewegen ließ. Systematische Fehlersuche war somit nicht möglich. Mit grenzenlosem Optimismus wurde daraufhin die Linde Verstellpumpe auf der Unterseite geöffnet und augenscheinlich begutachtet und die Einzelteile befummelt. Unglaublich aber wahr: Der Fehler war sofort offensichtlich. Der sogenannte Pilot, ein internes Ventil, das für das Verstellen des Fördervolumens der Pumpe zuständig ist, war verschlissen und sein Kolben konnte sich leicht im Gehäuse verhaken.
Bei Linde gab es, zwar für teures Geld, noch einen neuen Piloten. Und schon fuhr das Vehikel wieder einwandfrei.
Zur Maschine liegen eine Bedienungsanleitung, eine Ersatzteilliste sowie elektrische und hydraulische Schaltpläne vor. Sonst wäre die Reparatur sicher nicht möglich gewesen. Und mein Freund war ganz schön mutig gewesen sich sowas anzulachen, ohne Hydraulikkenntnisse und bevor er mich kennenlernte. Ich, selbst als Hydrauliker, hätte mich nicht getraut so eine komplexe alte Maschine zu kaufen.
Inzwischen mache ich schon international Trouble Shooting und habe an anderen 314 per Ferndiagnose Fehler am Inchpedal und an den Lenkzylindern gefunden. Damit bin ich wieder in meinem Metier.
Auf dem Foto (Heckgewicht abgenommen) im Heck des 315 der Fahrmotor, der elektrohydraulisch im Schluckvolumen zweistufig verstellt werden kann, entsprechend zwei Gängen. Mit der Motordrehzahl und dem Inchpedal kann die Geschwindigkeit zusätzlich stufenlos verstellt werden.