Die Faszination Unimog - Was macht sie aus ?

Andreas_Bucher

New member
02. Sep. 2002
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Hallo,

machen wir mal eine kleine Umfage zum Wochenende - Ursprung stammt von hier: http://www.unimog-community.de/index.php?name=PNphpBB2&file=viewtopic&p=72622#72622

Dir "Faszination Unimog" - was macht sie aus ? Woher kommt sie ?

Also, zum einen würde ich sagen: Vorsicht ! Als Beteiligter - oder in manchen Fällen gar Mog-Süchtiger - verliert man gerne etwas den Blick für die Totale ! Es gibt durchaus auch andere Faszinationen - (normale) Autos, Frauen, Briefmarken ... aber lassen wir das :-) Das verblaßt alles neben unseren Unimogs.

Nun aber zurück zur Frage: Warum gerade der Unimog ? Generell habe ich den Eindruck, daß alte Traktoren gerade eine gewaltiges Comback erleben, geradezu einen Boom ! Auf fast jedem Feldweg kann man Sonntags bei schönem Wetter einen alten traktor mit einem (meist) jungen Fahrer betrachten. Ist der Unimog nur ein Unteraspekt davon, oder muß man die "Faszination Unimog" unabhängig betrachten ? Wäre der Mog auch so interessant, wenn es die Traktoren nicht wären ?
Warscheinlich ja, denn die Leute, die sich für den Unimog interessieren, benutzen die anderen Traktoren ja ohnehin nur als schlechtes Beispiel...
Jedenfalls denke ich, daß sich die eingefleischten "Unimogler" keinen traktor kaufen würden, währen die Leute, die sich für alte Technik aus der Zeit interessieren, sicher zwischen beidem wählen werden.

Ein weitere Punkt ist sicher auch die Verfügbarkeit: Mogs werden noch gebaut und neu gekauft oder durch andere Fahrzeuge ersetzt, dadurch fallen aktuell noch Gebrachtfahrzeuge an. Auch die Ausmusterungsaktionen von Armee und div. Firmen spielt sicher eine große Rolle.

Einen Eindruck habe ich auf jeden Fall: "Faszinationen" entstehen meistens bei Dingen, die zu der Zeit, als sie aktuell waren, schlecht gingen, schlecht verfügbar oder einfach teuer waren.

Oder aber Sachen, die so geläufig sind, daß man sie zu ihrer zeit einfach weggeworfen hat - und plötzlich waren keine mehr da !

Beispiele gefällig ? Bitte:
Starship Enterprise wurde nach wenigen Folgen abgesetzt - heute fahren die Leute drauf ab.
Raumschiff Orion wurde ausgelacht - das Comeback kam im Rahmen der SciFi-Euphorie
Warum ist man von einem "alten" Porsche 911 fasziniert - klar, wer hätte "damals" nicht auch gerne einen gehabt ?
Was macht das Flair einer GM Corvette aus ? Sie wurde in den 50ern in minimalsten Stückzahlen gebaut, war technologisch und leistungsmäßig ihrer Zeit um Jahre HINTERHER (das gab sich erst ender der 60er) und ist nach wie vor kein richtiger wirtschaflicher Erfolg, wurde aber teuer verkauft - woran erinnert uns das ?
Wie war das mit dem Ford Model T oder dem VW Käfer - Millionen wurden verkauft, wie viele existieren heute noch davon ?
Warum Sammeln die Leute heute alte C64, Amiga, Atari, oder gar VAX oder IBM Computer ?
Was macht die Faszination an Musicboxen oder Pinballs aus ?
Problemlos könnte man genug weitere Beispiele aufführen !

Zusammengefaßt kann man also sagen: Die Anziehungskraft, also die
Faszination, kann verschiedene Ursachen haben:

Nostalgie:
- Hatte man als Kind selber, möchte man wieder
- Konnte man früher nie haben/sich nie leisten, jetzt schon
- Wollte man schon immer haben
- Elitesache - konnte/kann sich nicht jeder leisten

Auffallen/Show:
- War damals/ist heute selten
- Fällt einfach auf !
- Einfach nur "Wow - das ist es !"

Verbreitung
- Hatte mal "jeder"
- War absolut "minimal", alles was darüber hinausging mußte man selber machen. Dadurch entstand kreativer Spielraum !

Nutzwert:
- Ist praktisch !
- Muß man haben ...
- Kann alles

- etc.

So, nach langer Vorrede - was macht also die Faszination unserer Mogs aus ?

Unterscheiden sollte man sicher nach Größenordnung, also ca. 411 / 421 / 406 / neuere, und natürlich nach Nutzungsprofil, also Sammler/Restaurateur, Hobby-/Gelegenheitsnutzer, und tägl. Einsatz.

Was macht also für euch die Faszination am Mog aus ?

mfg,
Andreas
 
Moin Andreas,

da ja keiner für die Mehr- oder Minderheit sprechen kann, hier mal meine Sicht der Dinge zu den "kleinen Typen" (bis U411):

Ich fahre einen U401 von 1954, der von Zeit zu Zeit noch eingesetzt wird, aber seit dem Umzug nach München nur noch in der Stadt und auf Treffen bewegt wird. LEIDER!

Wieso gekauft???

Nach den Oldtimertreckern (zwar ganz schön, aber laaaaaaaaaaaaangsam), sind wir ca. 1996 auf einen 411er gestoßen, der bis 1998 restauriert wurde und seitdem auch im Einsatz ist: für Arbeit und Vergnügen.

Als dann Geld und Gelegenheit passten, habe ich im letzten Winter zugeschlagen, denn es war genau der Typ, den ich wollte:

- alter Kühlergrill
- 20"-Felgen
- Herlzlochfelgen
- guter Originalzustand
- gute Ausstattung

Soviel zur Optik: ein Unimog ist einfach schön, mache Frauen sagen auch putzig oder süß und knuffig.

Das Argument: "So einen hatten wir DAMALS auch" zieht bei mir mit 24 Lenzen nicht...

Den Fahrspaß muß ich hier wohl niemandem beschreiben, gerade bei diesem Wetter: grandios!
Hier kann wohl kaum ein Trecker mithalten: zu langsam, zu unkomfortabel (ungefedert), Schlechtwettertauglichkeit eingeschränkt, wohin mit Beifahrer/in?

Frei von jeglicher Bevormundung durch Elektronik oder Assistenzsysteme zu fahren (jaja, sehr sinnvoll, ESP hat wohl auch mir schon mal den Hals gerettet), ungefiltert die Untermotorisierung spüren, Zwischengas und zünftige Bedienkräfte sind für den automotivierten Fahrer ein unvergleichliches Erlebnis.

Auch in der Stadt ist der Mog nicht absolut fehl am Platze - Wenn man es sich nur lange genug einredet :wink: :
- Des Nachts ist die Schranke vom Parkplatz am Badesee schon geschlossen? Wo der PKW auf den Morgen warten müßte, fährt der Mog durch Graben und Feld!
- Baustelle und kilometerlange Umleitung? Der Mog fährt auch über die Baustelle mit Schotterbergen!

Die für einige Unimogbesitzer wichtigen Argumente:

- Alle Leute gucken!
- Prestigeobjekt auf dem Oldtimertreffen (vgl. großer Glühkopfbulldog)
- 1A Schnittenmobil
- Neid erzeugen

zählen für mich kein Stück, denn ich habe den Unimog, damit er MIR gefällt und nicht ich dadurch anderen Leuten.

Der technische Aspekt ist sicherlich auch interessant, aber nicht ausschlaggebend: bei der Vorstellung war der Unimog hochmodern, bei Produktionsende veraltet.

Die ausschließliche Hingabe für den Unimog kann ich nicht bestätigen: ich besitze noch einen 1941er Schlüter DZM 25 und auch viele andere Unimogfahrer aus meinem Bekanntenkreis haben noch anderes Ackergerät.

Eine gewisse Irrationalität kann man wohl keinem Absprechen, der einen Unimog restauriert: viel mehr Aufwand als beim Schlepper, weitaus höhere Kosten, unzählige Flüche... :roll:

Es gibt wohl unzählige verschiedene Gründe, wieso ein jeder Unimogfahrer diesem Gefährt erlegen ist, doch wie sagte einer, der sich besser damit auskennt:

"Wichtig ist, was hinten dabei rauskommt!"

Und das ist ein tolles Gefährt, mit dem man alleine aber auch in der netten Gemeinde von Unimogfahrern viel Spaß haben kann.

Ein weiterer Aspekt, der anscheinend auch gerade von DC stark vernachlässigt wird, ist die Markenbindung des Mogs zum Stern:

Nachdem wir uns den Unimog zugelegt haben, wechselten auch wir von den Ringen zum Stern;
Ein Blick in die Runde beim Unimogtreffen in Ampfing: viele neue BMW (nähe zu den Werken), vor allem aber unzählige Mercedes-PKW von den Unimog-Besitzern: zahlreiche ML und auch G, unter C-Klasse mit großem Motor lief fast nichts, so ging es bis zum S600.
Der Mog ist also nicht unbedingt das perfekte Hobby für Schmalhans...

Ganz nebenbei munkelt man aber, daß auch noch einige ihr Geld mir dem Unimog verdienen :wink:

Soviel von meinem Senf dazu!

Munter bleiben!

Andreas
 

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Hallo Andreas,

Du hast es wirklich schon super aufgelistetet,

es kommen vielleicht noch folgende Aspekte hinzu:

evtl. unter dem Oberbegriff Nostalgie:
- die Erhaltung historisch bedeutsamer Dinge
- der Umgang mit Technik zum Anfassen, im Gegensatz zu der elektonischen Welt heute

aber auch
die Faszination Technik
- wie wurde auf Problemstellungen reagiert, wie wurde etwas technisch gelöst.
- welche eigenen technischen Fähigkeiten kann ich am Objekt umsetzen
- oder welche Fähigkeiten muß(kann) ich mir aneignen

nicht zu vergessen, die Wertanlage
- bei dem gegenwärtigen Hype auf Oltimer allgemein erfahren ja alte Schätze eine gewaltige Wertsteigerung

Bei mir war es eine Mischung von verschiedenen Dingen, die zur Entscheidung für einen Unimog geführt haben:
da war die Nostalgie:
-an diesem Gerät kann man noch schrauben, ohne allzuviele Spezialgeräte und Kenntnisse
- das Gerät hat Fähigkeiten die unser Schlepper konkret nicht hat (Allrad)
- er war und ist Kult, daß er von verschiedenen Leuten kritisiert wird, juckt nicht wirklich, zu allen Zeiten haben sich die Bauern immer gegenseitig gehänselt, und sind immer ihrer Marke treu geblieben.
Zitat:"haste schon mal mit dem gepflügt, das kannste vergessen" begegne ich: "haste auf deinen schon mal 40Zentner Kartoffeln geladen, ohne Anhänger?" ist meißt Funkstille
Aber wenn man damit über die Straße fährt ist es doch ein Hingucker, das toppt da gerade mal der Lanz Bulldog mit seinem spektakulären Sound
- meiner ist so alt, daß er keine komplizierte Elektronik hat, so daß man sie noch selber hinkriegt.


So das waren einige Gedanke zu der Faszination Unimog, sicher kommen noch ein paar dazu

Grüße aus dem Sauerland,
Euer Theo
 
Hallo MOGler,

für mich persönlich ist das vorliegende Thema eher ein psychologisches. Nachdem ich nun schon mehr als 50 Jahre lang auf dieser Welt, aber erst seit ein paar Monaten Unimogbesitzer bin, versuche ich mal nachzuvollziehen, wie es dazu kam.

Zu meinen frühesten Kindheitserinnerungen gehört, daß ein Nachbarsjunge einen Modell-Unimog von Steiff besaß, um den ich ihn maßlos beneidete.
8 Jahre meiner Kindheit verbrachte ich in Gaggenau und beobachtete MOGs im Werk, auf dem Sauberg und in der Murg. Nachts träumte ich, zumindest ein Gokart, Tretcar o.ä. zu besitzen.
Diese Träume gingen aber nicht Erfüllung.
Kontinuierlich sammelte ich jedoch Dinge für eine - teilweise historische - Werkstatteinrichtung, so daß ich mit dem Führerschein in der Tasche in der Lage war, mir für 30 DM eine BMW R24 und für 60 DM einen VW Käfer zuzulegen und beide Fahrzeuge mit wenig Geld, aber um so mehr Arbeit flott zu machen.
Während des Studiums habe ich dann noch Geld verdient mit dem Reparaturschweißen an Käfern, VW-Bussen, 2CVs, R4 usw.. Nach dem Studium, mit Beruf und Familie war dann erst mal Schluß damit, und ehrlich gesagt hatte ich die Schnautze voll vom Rost und Dreck.
Folge dieser Aversion war dann u.a., daß ich vorzugsweise Fahrzeuge mit Kunststoffkarosserie gefahren habe (Renault Espace). Bis auf Ölwechsel und manchmal einen Kundendienst am Auto meiner Frau war das Thema Kfz-Technik für mich erledigt.
Erst vor ein paar Jahren, nach einer schwierigen Zeit und nachdem die Kinder nicht mehr so viel von ihren Eltern wissen wollten, ging es los.
Ein neues Hobby mußte her, als Gegenpol zur einseitigen beruflichen Tätigkeit: Ständig unter Druck und verkrampft am Schreibtisch, jedenfalls zunehmend fremdbestimmt durch sich globalisierendes Management, und immer in Abhängigkeit von einer undurchschaubaren und unstabilen Computertechnik. Also etwas solides, wofür die Voraussetzungen gegeben waren und was möglichst viele positive Aspekte verband.
Die Idee war spontan da: Ein Glühkopfbulldog mußte her, und wenn schon denn schon: Der Größte - wegen dem Sound. Die Technik ist einfach, Maschinenpark, technische Kenntnisse und Erfahrungen sowie Platz in Form einer riesigen Doppelgarage und einer Scheune in landwirtschaftlicher Umgebung waren vorhanden. Das Hobby versprach Vergnügen beim Restaurieren und Fahren sowie eine reelle Geldanlage mit eigener Wertschöpfungsmöglichkeit.
Inzwischen ist das Bulldogfahren für mich jedes mal wie ein kleiner Urlaub und die meisten Passanten (im ländlichen Raum) grüßen uns freundlich.
Die Alltagstauglichkeit des Bulldogs ist natürlich sehr eingeschränkt und so wanderten die Gedanken weiter in Richtung anderer Traktoren. Der Unimog lag zunächst in weiter Ferne. Er erschien mir zu teuer, zu komplex und einfach zu riskant, wenn ich ihn mit meinem Glühkopf verglich. Andererseits ließ er mir keine Ruhe und die Kindheitserinnerungen wurden immer gegenwärtiger.
Beim Blättern in der Schlepperpost fiel mir dann eine Anzeige auf, die ich zunächst zögerlich verfolgte. Meine Frau war natürlich auch nicht begeistert von dem neuen Ansinnen. Aber da hatte mich der Virus schon erwischt. Wenige Tage später war der Unimog angesehen, eingehend (mit einem Kfz-Meister) geprüft und stand schließlich zugelassen in meiner Scheune. Eine schlüssige Entwicklung - oder?

Wenn ich früher gewußt hätte, welches Vergnügen das Fahren und Arbeiten mit dem 411er macht, ich hätte ihn schon eher gehabt.
Und bislang ist er auch nicht mal annähernd so teuer gekommen wie der Bulldog.

Fazit: Ich fahre Unimog weil
eine Prägung aus der Kindheit vorliegt
die besten Voraussetzungen zur Haltung und Instandsetzung vorliegen
die Beschäftigung mit ihm und Nutzung mir großes Vergnügen bereiten
das Geld für ihn nicht rausgeworfen ist
kurzum
der Unimog ist ein wesentlicher Teil meines privaten Lebensinhalts geworden.

So jetzt wißt Ihr es. Ich bin gespannt, welche Geschichten hier noch erscheinen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Christoph
 
Also ich habe diesen "Traktor-Boom" auch schon beobachtet, vorallem bei den Preisen für die ältesten verotteten Schlepper. Ich denke dieser Boom ist auf kleine Dinge wie Heizölpreis zurückzuführen, das Öl wird immer teuerer, Holzöfen immer billiger und viele stellen dann fest, "halt mal der opa hat doch da und da noch en acker...und da und da noch ein stück wald" und plötzlich merkt man das man damit geld sparen könnte...

aber des hauptsächliche grund ist wahrscheinlich dass viele der derzeit 35-40-50 jährigen in ihrer kindheit an solchen Schleppern geschraubt haben, oder beim Bauer neben an, selber dann in den Ferien Traktor gefahren sind, und dann bekommen sie selbst kinder und wollen plötzlich (für ihre Frauen meist unverständlich) einen schlepper........... wenn der vater mit dem sohne.....50er 60er jahre schöne zeit usw. (man erinnert sich ja nach einigen jahren eh nur an schöne, ist ja auch gut so)

aber das was ich jetzt sage kann für mich mit 16 jahren nicht gelten ich habe ja nie in gagenau den unimogs zu geschaut und diese ur-unimog zeit miterlebt, aber trotzdem wollte ich statt einem aprilla roller lieber einen mog, ehrlich gesagt ich verstehe es nicht so ganz

bei uns in der feuerwehr haben wir ein U1300L TLF, hat schon einige jährchen auf dem buckel, die ausrüsstung ist nicht nach den derzeitigen anforderungen, kann sie auch gar nicht da alles total verbaut ist, auf der einsatzfahrt wird man vom 13t schweren LF überhohlt, als 2. Beifahrer bekommt man jedesman wenns in den 7. gang geht den Schalthebel ans knie, aber trotzdem will jeder mit dem TLF fahren, ich kann es euch nicht erklären,.... leute die ein Auto haben nur um damit zu fahren, die nicht viel von Unimog wissen, die nach einigen Jahren in der FW erstmals feststellen das der Unimog von Mercedes ist sagen trotzdem "Er gefällt mir, den geben wir nich her oder?"

Gruß Max