Die wechselvolle und spannende Geschichte eines Dichtrings

Jetzt kommt eine Überraschung - ein Dichtsystem, das nicht in meiner anfänglichen Recherche enthalten ist, mit ganz eigenartigen Nummern:

Verschleißring ohne Drall mit 140 mm Durchmesser (statt 136 mm wie bisher bekannt), 21 mm dick, 435 337 12 51
(Es soll auch 437 337 04 51 mit 137 mm geben.)

Wellendichtring braun mit Mercedesstern, mit Dichtlippe und zwei Abweisern, kein Labyrinth, mit Drall rechts UND Drall links, 140 * 165 * 9,5/12, 016 997 75 47
(Hierbei sind die Axialnut in der Radnabe und die 6 Ablaufbohrungen ohne Funktion.)

Sie wurden als Ersatzteile in einen 411 rechts eingebaut, sind 30.000 km gelaufen und noch absolut dicht. Zwischen den beiden Abweisern ist trockener Rost. Der äußere Abweiser ist stark verschlissen.
 

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Es bleibt weiter spannend. Ein Verschleißring 416 337 00 51 wurde gefunden. Er ist bei 135,7 mm Durchmesser nur 19 mm dick. Dafür hat er eine 2 mm dicke Distanzscheibe, die wohl aus einer Serienfertigung stammt.

Welche Dichtung hiermit kombiniert war, lässt sich leider nicht mehr nachvollziehen. Jedenfalls handelt es sich um einen Verschleißring für links, der aber - nachweislich durch eine UNIMOG-Fachwerkstatt - rechts eingebaut gewesen war.

Er ist etwa 15.000 km gelaufen und wahrscheinlich wegen des falschen Dralls undicht geworden. Die Lauffläche lässt sich leider nicht mehr analysieren, das sie bereits nachgearbeitet wurde.

Vergleich im Foto: Links Verschleißring 21 mm dick, rechts 19 mm dick mit Distanzscheibe 2mm dick.
 

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Hallo Christoph,
wo in etwa sitzt bzw. Presst an deiner Skizze der O-Ring der Radnabe?
Gruss
Torsten
 
Hallo Torsten,

mit dem O-Ring meinst Du vermutlich die Spiralfeder, welche die Dichtlippe und damit die Dichtkante auf den Verschleißring drückt. Sie ist notwendig, weil das Elastomer schnell seine Vorspannung verliert. Eine Stahlfeder hält die Spannung deutlich länger aufrecht.

Die Vorspannung ist gerade so groß, dass im Stillstand keine Leckage auftritt und im Lauf der Verschleiß so gering wie möglich ist.
 

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Liebe Unimog-Freunde,

nachdem wir nun genügend Verschleißringe und den tatsächlichen Verschleiß darauf gesehen haben - alle gezeigten Beispiele stammen übrigens von nur zwei 411 aus 1965, die nur ein halbes Jahr auseinander liegen - kommen wir zum Dichtring selber.

Bei einem neuen Wellendichtring ist die Dichtkante einer Dichtlippe eine nur wenige 1/10 mm breite "Kante". Durch die Reibung, die trotz aller hydrodynamischen Effekte da ist, ergibt sich zwangsläufig ein Verschleiß. Dieser findet so lange statt bis Verschleißring und Elastomer so weit abgetragen sind, dass - hauptsächlich statisch - die Vorspannung der Dichtlippe nicht mehr ausreicht um im Stillstand abzudichten.

Die Verschleißgrenze lässt sich nicht genau ermitteln, da hier zu viele Parameter beteiligt sind. Aber zum Beispiel eine "Eingrabung" um 0,3 mm (im Durchmesser) in den Verschleißring und eine 2 mm breite "Dichtkante" können noch ein dichtes System bilden.

Das erste Foto zeigt den Dichtring (rechts) mit auf 2 mm verbreiterter "Dichtkante" (links). Rechts davon der Abweiser.
Das Foto darunter zeigt den zugehörigen Verschleißring mit 0,3 mm "Eingrabung" (im Durchmesser) an der Dichtkante.

Aber wie gesagt: Immer noch dicht!
 

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Hallo Christoph,
du hast recht mit O-Rng habe ich mich falsch ausgedrückt.
zum erläutern ein Foto.

Wedi_Radnabe_01.jpg

So wird die Radnabe auf den "O-Ring" gepresst.

Wedi_Radnabe_02.jpg

Gruss
Torsten
 
Hallo Torsten,

Deine Fotos zeigen den Spezial-Wellendichtring 416 331 12 58 für links bzw. 416 331 13 58 für rechts (seit 1972).

Im Einbauzustand laufen 3 Kanten (1 Dichtkante, 2 Abweiser) auf dem Verschleißring, 2 weitere Kanten haben keinen Kontakt, auch nicht zur Nabe hin, jedenfalls beim 411.

Im Vergleich zum vorherigen Stand wurde bei der neuen Lösung von 1972 auch noch der Drall vom Verschleißring auf den Spezial-Wellendichtring verlegt und statt des sehr groben Labyrinths gibt es nun drei Schmutzabweiser, von denen die zwei äußeren wieder ein Labyrinth bilden. Das Dichtsystem hat entsprechend folgende Elemente:

1. Dichtlippe (mit Feder vorgespannt)
2. Drall auf Spezial-Wellendichtring
3. Schmutzabweiser
4. Zweiter Schmutzabweiser
5. Dritter Schmutzabweiser
6. Vierter Schmutzabweiser
7. Ablaufbohrungen (6 Stück)

Zwischen dem vierten Schmutzabweiser (6) und der Radnabe ist etwa 1 mm Spalt.
 

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Nochmal der direkte Vergleich:

Bei der alten Lösung konnte Leckage zwischen dem (aufgenieteten!) Stahlblechring (4) und dem eigentlichen Dichtring herunterlaufen und direkt ins Innere der Bremstrommel gelangen.

Bei der neuen Lösung wird eine eventuell auftretende Leckage sicherer in die Axialnut der Nabe gebracht und kann dort nach außen ablaufen ohne die Bremstrommel zu gefährden.
 

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Hallo Christoph,
wie gross
ist der Spalt zwischen Verschleisring und Radnabe?
Gruss
Torsten
 
Hallo Torsten,

die Radnabe wird doch mit den 10 Schrauben fest mit dem Verschleißring verflanscht - jedenfalls beim 411.

Ist das auf Deinen Fotos eine Scheibenbremse? Da könnte ich mir vorstellen, dass Kante 5 und/oder 6 an der Radnabe - auf einer entsprechenden Oberfläche - Kontakt haben und gleiten. Da sollten keine Ablaufbohrungen sein wie beim 411, weil die nur auf die andere Seite der Scheibe führten. Auf den bisherigen Fotos ist das für mich aber nicht zu erkennen.
 
Hallo Christoph,
meine Fotos stammen von den Uniknick XX18 -Achsen also Trommelbremse.
Vorn haben die Radnaben das von dir beschriebene, aufgenietete Blech und es war der "alte braune Dichtring -die Nummer müsste ich nachschauen- verbaut.
Hinten war die neuere Variante Radnaben und Dichtringe verbaut.
Gruss
Torsten
 
Hallo Torsten,

die Achsen vom 421 sind das bei Dir also. Lässt sich feststellen, aus welchen unterschiedlichen Baumustern? Du kannst ja noch mal bessere Fotos von den verschiedenen Radnaben machen.

Aber eigentlich geht's hier ja um den 411.

Machen wir mal weiter mit den seit 1972 lieferbaren Wellendichtringen
416 331 12 58 für links und 416 331 13 58 für rechts.

Im Foto ist der als feine Rippen direkt neben der Dichtkante ausgeführte Drall deutlich zu erkennen. Auch dass es ein linker ist. :wink:
 

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Liebe Unimog-Freunde,

nochmal zum Vergleich ein Vor-vor-Läufer des aktuell erhältlichen Wellendichtrings ohne Drall und mit dem Metallring als Abweiser. "Aufgenietet" war eine falsche Angabe von mir. Es handelt sich stattdessen um 8 Punktschweißungen durch den Dichtungswerkstoff bis zum Verstärkungsring hindurch.

Durch die Breite der Kanten deutlich sichtbar der Verschleiß an diesem Dichtring. Die Beschädigungen an der auf etwa 2 mm verbreiterten Dichtkante (rechts) stammen allerdings vom Ausbau. Das Dichtsystem war zuvor noch dicht gewesen.
 

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Liebe Unimog-Freunde,

um das Dichtsystem wieder zu beleben sind nun ein neuer Spezial-Wellendichtring und die Nacharbeit des Verschleißrings von Nöten.

Während sich der Dichtring einfach kaufen lässt muss die neue Oberfläche des Verschleißrings erst geschaffen werden. Ihre erforderliche Qualität wird wie folgt beschrieben:

Verschleißring U411
Durchmesser neu 136,0 mm
Kleinster zul. Durchmesser 135,5 mm
Breite 21 mm
Oberfläche drallfrei:
Rt 2,5 .. 3,0 µ
Traganteil >50%!
Rz 1 .. 4 µ
Ra 0,2 .. 0,8 µ
Rmax 6 µ

Zu glatte Wellenoberflächen (Ra < 0,2 μm) können zu Funktionsstörungen führen. Die Schmiermittelzufuhr zur Dichtkante wird gestört, der hydrodynamische Schmierfilm unter der Dichtkante reißt ab und thermische Schädigungen an der Dichtkante sind die Folge.

Zu raue Wellenoberflächen führen zu schnellem frühzeitigen Verschleiß der Dichtkante.

Aus beiden Fehlerarten resultiert eine starke Leckage.
 

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Hallo Christoph,
danke für dei Oberflächendaten.
Ich hehe davon aus, dass diese auch beim 406 (Uniknick) passen.
Gruss
Torsten
 
Hallo Torsten,

es ist davon auszugehen, dass es dem Dicht- und auch dem Verschleißring egal ist in welchem Fahrzeug oder in welcher Achse sie ihre Arbeit verrichten.

Jedenfalls gehören rechts in Fahrtrichtung die rechten und links die linken Spezial-Wellendichtringe hin. Auch bei der zur Vorderachse gewordenen Hinterachse. Aber das hast Du ja schon verstanden, wie ich gesehen habe.
 
Liebe Unimog-Freunde,

die Sache wird immer verwirrender. Denn manche eingegossenen Teilnummern der Verschleißringe stimmen nicht mit deren Ausführung überein und sie sind zudem auf der falschen Seite eingebaut gewesen.

Jüngstes Beispiel von einem rechten Vorgelege: Dichtring ohne Drall, Verschleißring 136,0 mm Durchmesser (wurde also noch nicht nachgearbeitet) ohne Drall aber mit Teilnummer 406 337 11 51, die eigentlich einen linken Verschleißring mit Drall bedeutet.

Das lässt vermuten, dass Gussteile mit der selben Nummer schon bei der Herstellung unterschiedlich geschliffen wurden. Und beim Einbau wurde dann oft nochmals alles durcheinandergewürfelt.

Noch ein Beispiel verkehrten Einbaus auf der linken Seite: Verschleißring links 406 337 11 51 135,6 mm Durchmesser mit Drall (wurde also schon einmal mit Drall nachgearbeitet) kombiniert mit Spezial-Wellendichtring rechts.

Bis jetzt habe ich auch drei verschiedene Hersteller von Verschleißringen gefunden.
 
Hallo Christoph,

habe heute das Vorgelege meines 411 Bj. 1974 (kurze Achsrohrseite) zerlegt. Der Verschleißring ist 136mm, darunter ein Ring mit größerem Durchmesser. Der RWD ist von Kaco sieht aber recht einfach aus. Farbe grünlich, 136 x 165 x 13 S3. Er hat nur eine Dichtlippe ohne erkennbaren Drall und eine Staublippe, das wars. Das andere Vorgelege ist die Tage dran.

Gruß,
Markus
 
Hallo Markus,

alles was ich zu diesem Thema herausgefunden habe, ist hier gepostet.

"Darunter ein Ring mir größerem Durchmesser". Ist der 2 mm dick?

Kannst Du Dich sonst irgendwie in meine Ergebnisse einordnen?
 
Hallo,

der Ring ist 140mm im Durchmesser und 2mm dick, der Verschleißring ist 136mm im Durchmesser.

Gruß,
Markus
 

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