Einspritzpumpen beim 421 mit Schmieröl-Überlaufbogen

gerlchen

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15. Jan. 2014
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Hallo zusammen,

da die Einspritzpumpe immer wieder Thema ist, ich im Forum zu diesem speziellen Punkt aber noch keine Erklärung gefunden habe, möchte ich dies hier in einem eigenen Thema öffnen.
In der Betriebsanleitung scheint es einen Widerspruch zwischen Bild und Beschreibung zu geben (Ausgabe Februar 1966, Nachdruck). Hierzu ist nachfolgend das Bild aus der Bedienungsanleitung eingestellt.





In der Beschreibung heißt es, „Regelmäßig ist die Ölstandschraube an der Pumpenseite..... zu entfernen und das überflüssige Kraftstoff-Ölgemisch abzulassen. Frisches Motorenöl am Filterstutzen einfüllen bis aller obenauf schwimmender Kraftstoff abgeflossen ist, dann Öffnung wieder verschließen“[/i]

Schaut man aber auf das Bild, sieht man anstelle einer Ölstandsschraube einen Überlaufbogen. Diesen sieht man im Reparaturhandbuch nicht mehr und dürfte auch in den Unimogmotoren nicht verwendet worden sein, daher die Beschreibung mit Ölstandsschraube. Solche Überlaufbögen gab es aber an den Einspritzpumpen bei den Diesel-Pkw der 200/8 bis 240/8 Serien. Sie sind „offen“ ohne irgendwelche Rückschlagventile oder sonstigen Verschlüssen, so dass eine Dieselansammlung, die sich mit der Zeit im Ölreservoir bildet, jederzeit drucklos nach oben entweichen kann. Da Diesel leichter als Motoröl ist und oben schwimmt, kann dieser entweichen und das Motoröl bleibt drinnen. Es galt dann, bei jedem Motorölwechsel über den roten Deckel an der Einspritzpumpe solange Motoröl nachzufüllen, bis der Diesel aus dem Überlaufbogen restlos abgetropft ist und nur noch das zähflüssigere Motoröl nachkommt, ohne dass hierzu irgendwelche Ölstandsschrauben geöffnet und wieder angezogen werden müssen. Somit konnte der Ölstand auch nie eine gewisse Höhe überschreiten. Anscheinend ging man davon aus, dass sich auch bei relativ gut erhaltenen Einspritzpumpen mit der Zeit Diesel im Ölreservoir ansammelt.

In meinem Unimogmotor, OM 616 (240-er) war an der Einspritzpumpe auch nur die Ölstandsschraube. Nach dem sich dann irgendwann eine größere Dieselmenge im Ölreservoir angesammelt hatte - vielleicht doch durch Verschleiß - ist mir nach steilen Bergauffahrten nach einer Weile vermutlich etwas Diesel-Öl-Gemisch in andere Bereiche der Pumpe eingedrungen, so dass der Motor dann Vollgas lief und sich auch nicht mehr abstellen ließ, höchstens durch Gang einlegen und Abwürgen. Dies ging ein paar Sekunden so lange, bis sich der Diesel im Ölreservoir soweit abgesenkt hatte, dass der Motor dann selbst abgestellt hat. Nachdem dies immer wieder einmal vorkam, habe ich anstelle einer Ölstandsschraube so einen Überlaufbogen eingeschraubt, den ich noch von einer alten PKW-Einspritzpumpe hatte. Seitdem habe ich keinerlei Probleme mehr. Auch ein Starten nach mehreren Monaten Standzeit funktioniert problemlos. Mit nur einer Ölstandsschraube müsste der sich mit der Zeit ansammelnde Diesel irgendwann über den roten Einfülldeckel entweichen, wenn dieser ab einer gewissen Füllstandshöhe nicht in andere Bereiche der ESP gelangt und dann in den Motor zur Verbrennung gepumpt wird.

Vielleicht kann hier im Forum jemand erklären, warum solche Überlaufbögen in den Mogs nicht verwendet werden? Liegt es vielleicht daran, dass man den Mog in anderen Steigbereichen bewegen kann, als es mit den seinerzeitigen Straßen-PKW´s möglich war, die mit solchen Motoren fuhren? Auch diesbezüglich hatte ich noch keine Schwierigkeiten gehabt.

Mit Grüßen aus den Allgäuer Bergen

Andi
 

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Hallo Andi
gerlchen schrieb:
Da Diesel leichter als Motoröl ist und oben schwimmt, kann dieser entweichen und das Motoröl bleibt drinnen.
die Nockenwelle dreht sich mit halber Motordrehzahl im Öl, ich glaube kaum, dass der Diesel davon unbeeindruckt auf dem Öl schwimmt. Der Kraftstoff ist Lecköl der Pumpenelemente und tropft von "oben" auf die Nockenwelle.
Mit der Zeit steigt der Spiegel immer höher an und verdünnt das Öl permanent, bei der Überlaufentlüftung läuft das dann über, irgenwann ist fast nur noch reiner Diesel im Nocknwellenraum. Deshalb soll bei der Wartung dieses Gemisch durch frisches Öl ersetzt werden.
Da die Brühe ungehindert über das Überlaufröhrechen in die Umwelt tropft, wurde das abgeschafft.
Das dumme an der Geschichte ist halt, dass sich nach wie vor niemand um die Pumpe kümmert.
Später wurden die Einspritzpumpen an die Motorschmierung angeschlossen, es wird immr ein wenig Öl nachgefördert und läuft am Pumpenantrieb wieder in das Steuergehäuse zurück, erkennbar am Ölschlauch vom Filter zur Einspritzpumpe.
 
Hallo Helmut,

danke für Deine schnelle Antwort.

Ob das Weglassen des Überlaufröhrchens wirklich umwelthygienischer ist, würde ich persönlich in Frage stellen.
Bei gleichbleibender Unterlassung der notwendigen Wartungs- bzw. Ölwechselarbeiten an der ESP findet nur eine zeitliche Verlagerung statt und das stetig ansteigende Öl-Dieselgemisch anstelle durch das fehlende Überlaufröhrchen später an dem Einfülldeckel raussuppt.

Mit Grüßen aus den Allgäuer Bergen
Andi
 
Hallo Andi
gerlchen schrieb:
Ob das Weglassen des Überlaufröhrchens wirklich umwelthygienischer ist, würde ich persönlich in Frage stellen.
mir stelklt sich diese Frage nicht, für meine Begriffe ist das schon ein Vorteil, wenn die Brühe von hundertausenden von Autos nicht mehr auf die Straße tropft.
gerlchen schrieb:
Bei gleichbleibender Unterlassung der notwendigen Wartungs- bzw. Ölwechselarbeiten an der ESP findet nur eine zeitliche Verlagerung statt und das stetig ansteigende Öl-Dieselgemisch anstelle durch das fehlende Überlaufröhrchen später an dem Einfülldeckel raussuppt.
Denksportaufgabe, wo läuft die Brühe beim 411er bzw PKW mit pneumatischem Regler hin?
 
Liebe Unimog-Freunde,

kann man nicht jede Einspitzpumpe nachträglich an den Motoröl-Schmierkreislauf anschließen?
(Habe ich jetzt nicht selber recherchiert.)
 
Hallo,
ich tu mich mit der Wartung der Einspritzpumpe auch schwer, vor allem weil es schwierig ist (zumindest für mich) die einzelnen Elemente wie Ölstandsschraube, Überlaufbogen usw. zu identifizeren.
Vielleicht kann mal jemand diese Teile auf dem Bild markieren?
 
Hallo zusammen,
danke allen für die Zuschriften.

Zunächst noch mal ein Bild mit den Markierungen.



Will man der Umwelthygiene gerecht werden, wäre es ja beispielsweise möglich, den Überlaufbogen mit einem Rücklaufschlauch an den Dieseltank zu verlängern. Vielleicht müsste man nur von Zeit zu Zeit den Rücklauf-Schlauch durchspülen um eine Austrocknung mit Zuharzung zu vermeiden, weil wahrscheinlich doch nicht so viel aussuppt, dass es ständig feucht bleibt.

Bei Deiner Denksportaufgabe, Helmut, muß ich leider passen, weil ich mich nicht so gut mit den 411-ern und ESP´s im allgemeinen auskenne. Ich dachte nur, dass die späten 411-er und frühen 421-er mit dem gleichen Motoren bestückt wurden und somit auch eine ziemlich gleiche ESP haben müssten?

Bei einem nachträglichen Anschluß an den Motorölkreislauf wie von Dir, Christoph, angeregt, was ich sehr gut fände, würden sich für mich auf die Schnelle folgende Fragen ergeben:
Wenn nur durch einen Verbindungschlauch ständig Motoröl-Öl in die ESP nachgefördert wird, stellt sich mir die Frage nach einer Begrenzung?
- Geht es durch Gegendruck, dass irgendwann nicht mehr nachgefördert werden kann, oder beispielsweise durch ein
Schwimmerventil in der Steuerkammer? -
- Vielleicht liegen die Schmierölhöhen von Motor und ESP auf gleichem Niveau, so dass sich eine automatische
Niveauhöhenregulierung ergibt, ohne notwendigen Förderdruck zwischen Motor und ESP?
- Wie wird das Diesel-Lecköl vom Motoröl abgesondert, weil dieses Gemisch ja nicht in den Motorölkreislauf zurück
gelangen sollte, oder gelangt dieses von der Steuerkammer in die Druckkammer, von wo es dann in den Motor zur
Verbrennung gelangt?
- Der Schmierkreislauf der alten ESP´s erfolgt ja mit reinem Motoröl, das frei von Ruß- und sonstigen
Verbrennungsrückständen ist. Vertragen die alten ESP´s dann ein entsprechend verunreinigtes Motoröl?

Viele Fragen, aber vielleicht ist es ja doch ganz einfach zulösen.

Mit Grüßen aus den Allgäuer Bergen
Andi
 

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Hallo Andi,

wegen anderer Prioritäten hier zunächst ein paar Gedanken, die uns vielleicht weiter führen.

Danach sollte ein Anschluss an die Motorschmierung unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein. Eventuell genügt es, dort wo das Überlaufrohr oder Sauschwänzle eingeschraubt ist, das Motoröl nach dem Filter einzuleiten, mit einer Düse im Durchfluss begrenzt. Der Ablauf in die Ölwanne erfolgt dann über die Betätigungsmechanik der Kraftstoffpumpe (oder auf anderem Wege) in die Ölwanne zurück. Den Belüftungsfilter kann man durch einen Stopfen ersetzen.

So sieht es jedenfalls beim OM636 mit fliehkraftgeregelter Einspritzpumpe aus.
 

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Hallo Andi
der Rücklauf in den Tank ist eine ganz neue Variante, einfache wäre eine Dose unter den Ringelschwanz. Dann hast du auch einen Überblick, ab wann die Pumpe von ist.
Bei Umlaufgeschmierten Pumpen laüft das Öl durch eine Überlaufbohrung am Antieb ins Steuergehäuse, hatte ich aber schon geschrieben. Die Versorgung erfolgt vom Filter, da dürfte keine großen Rußpartikel vorhanden sein. Dass die Pumpen das abkönnen ist in der Realität ja millionenfach bewiesen.
Eine Separierung erfolgt nicht, die Leckkraftstoffmenge im gesamten Motorölvolumen ist homöopatisch zu betrachten.
Die Kraftstoffpumpe sitzt beim 421 am Spritzversteller und hat keine Verbindung zum Ölraum der Einspritzpumpe.
411 hatte OM636 bis zum Schluss, 421 hatte zu Beginn den OM621. Das sind vollkommen verschiendene Motorkonzepte, bis auf den Kraftstoff haben die nichts gemeinsam. Auch andere Einspritzpumpentypen.
 
Hallo zusammen,

danke für die ausführlichen Hinweise.

So ein Anschluß an eine Motorschmierung ist mir derzeit doch zu zeitaufwendig und risikoreich, ich es daher bei der derzeitigen Lösung mit dem Sauschwänzle belasse.

Mit diesem läßt sich der Wartungsaufwand nach meiner Meinung erleichtern, indem man nicht immer an den Schrauben rumpfrimeln muß. Mit einer darunter anbringbaren Auffangdose verhindert man ja entsprechende Verunreinigungen durch austretendes Ölgemisch.

In diesem Sinne mit Grüßen aus den verschneiten Allgäuer Bergen
Andi