Zwölf Jahre später – neue Erkenntnisse zu Opas unbekanntem Traktor
Hallo zusammen,
nach rund zwölf Jahren möchte ich meine damalige Anfrage noch einmal aufgreifen. Die Suche nach dem unbekannten Traktor meines Großvaters hat mich bis heute nicht losgelassen.
Zunächst nochmals vielen Dank für eure damaligen Hinweise und die intensive Diskussion. Besonders interessant war die Spur zum Deuliwag, die ihr anhand der Vorderachskonstruktion und weiterer Merkmale verfolgt hattet.
Inzwischen beschäftige ich mich wieder intensiv mit unserer Familiengeschichte und konnte einige neue Informationen zusammentragen.
Was inzwischen bekannt ist:
Der Traktor gehörte meinem Großvater Willi, der im Saarland eine Mühle betrieb.
Nach den Erinnerungen meines Vaters wurde der Schlepper hauptsächlich als Zugfahrzeug eingesetzt, unter anderem für den Transport von Deputatkohle von Reden nach Marpingen.
Die Anschaffung dürfte bereits vor 1940 erfolgt sein. Diese zeitliche Einordnung hat sich durch weitere Hinweise inzwischen deutlich erhärtet.
Mein Vater erinnert sich außerdem daran, dass der Traktor einen Deutz-Motor besessen haben soll. Ob dieser Motor zur ursprünglichen Ausstattung gehörte, ist allerdings unbekannt.
Neue Ansätze bei der Identifizierung:
In den vergangenen Wochen habe ich verschiedene Vorkriegsschlepper miteinander verglichen.
Dabei ist insbesondere der
Deutz F2M315 in den Mittelpunkt meiner Recherche gerückt. Auch den F2M414 habe ich untersucht.
Ein weiterer interessanter Kandidat ist der frühe
Fendt Dieselross F22 mit Deutz-Motor.
Ein Heimatforscher berichtete, dass es sich bei dem Traktor um einen Fendt gehandelt haben soll. Beim Vergleich sind mir tatsächlich einige Ähnlichkeiten aufgefallen, unter anderem bei der Position des Tankdeckels.
Allerdings scheint die Vorderachse nicht vollständig übereinzustimmen.
Bei den mir bekannten Fendt F22 ist die Vorderachse kurz vor den Achsschenkeln nach unten gekröpft. Auf unserem historischen Foto scheint sie anders ausgeführt zu sein.
Die Frage möglicher Umbauten möchte ich inzwischen wieder völlig offen betrachten.
Damals hatten wir unter anderem einen Holzgasumbau beziehungsweise einen späteren Rückbau diskutiert.
Bis heute gibt es dafür jedoch keinen eindeutigen Beleg.
Ebenso könnte der Traktor nach einem technischen Defekt verändert oder mit anderen Bauteilen instand gesetzt worden sein.
Es ist aber genauso möglich, dass wir einen weitgehend originalen Schlepper sehen.
Ich möchte deshalb vermeiden, die Identifizierung von einer bisher unbewiesenen Umbauannahme abhängig zu machen.
Meine Fragen an euch:
- Wie beurteilt ihr mit den heutigen Erkenntnissen die damalige Vermutung, dass es sich um einen Deuliwag handeln könnte?
- Welche Merkmale sprechen für oder gegen einen Deutz F2M315?
- Könnte ein früher Fendt F22 mit Deutz-Motor infrage kommen? Gab es unterschiedliche Vorderachsausführungen?
- Welche Bedeutung würdet ihr dem dreieckigen Vorderachsträger, der Form der Vorderachse und der Anordnung der Scheinwerfer beimessen?
- Erkennt jemand Hinweise auf nachträgliche Veränderungen, oder könnte die Konstruktion durchaus original sein?
Vielleicht hat inzwischen jemand Vergleichsfotos oder technische Unterlagen entdeckt, die uns damals noch nicht zur Verfügung standen.
Das historische Familienfoto füge ich nochmals bei.
Die Recherche gehört mittlerweile zu einer umfangreichen Familienchronik, in der ich die Geschichte unserer Traktoren und Maschinen dokumentiere.
Einige unserer historischen Geschichten und Restaurierungsprojekte zeige ich inzwischen auch auf Instagram unter
@technik.generationen.
Vielleicht schaffen wir es gemeinsam, dieses mittlerweile zwölf Jahre alte Rätsel doch noch zu lösen.
Ich freue mich sehr über eure Einschätzungen, insbesondere auch über kritische Gegenargumente zu meinen bisherigen Vermutungen.
Vielen Dank und Grüße
Torsten