Hydraulik-Rücklauffilter 411/421 Neukonstruktion

OPTI-MOG

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09. Jan. 2005
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Liebe Unimog-Freunde,

schon länger ist klar, dass Rücklauffilter im Handel waren/sind, die eine Fehlkonstruktion darstellen. Sie haben einen viel zu hohen Durchströmungswiderstand. Ursache dessen ist, dass zwischen zwei Lochblechzylindern das eigentliche Filtergewebe eingespannt ist. Damit verringert sich der freie Querschnitt des Filtergewebes, den das Öl durchdringen kann, auf ein Minimum.

Alleine bei Verwendung von Hydrauliköl HLP46 bei Temperaturen knapp oberhalb von 0°C kann es zum Platzen des Filters in Form von Absprengen des unteren Topfes kommen, wie es heute wieder bestätigend festgestellt werden konnte.

Leider ist mir derzeit keine Bezugsquelle eines geeigneten Filters bekannt.
 

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Liebe Unimog-Freunde,

die Folgen, die ein geplatzter Rücklauffilter (im angehängten Foto: links original, schlecht gewartet; rechts untaugliche Nachfertigung) haben kann, sind gravierend.

Aktuelles Beispiel:

https://youtu.be/JXGWzfeB0lk

Der Rücklauffilter im Hydrauliköltank war offenbar schon längere Zeit unwirksam. Ein Teil des abgelassenen Hydrauliköls wurde analysiert - mit dem gezeigten erschütternden Ergebnis.

Die beiden Pumpen des Unimog sehen entsprechend aus und sind bis zur Unbrauchbarkeit verschlissen.
 

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Liebe Unimog-Freunde,

so sieht - wie zu erwarten - die geschädigte Westinghouse Zahnradpumpe für die Krafthydraulik innen aus.

Anhand dieser Ansichten ist folgendes zu erkennen:
1. Die Pumpe hat viel Schmutz umgewälzt
2. Ihre Lager sind eingelaufen, Zahnräder und Gehäuse sind verschlissen (Folge von 1.)
3. Die Pumpe hat mal geklemmt, sichtbar am Ausbruch der Nut für die Kupplungskugel (Folge von 1.)
4. Es war Wasser im Öl (Roststellen)
5. Sie wurde schon einmal geöffnet und dabei ziemlich grob behandelt
6. Ihr volumetrischer Wirkungsgrad liegt deutlich unter 50% und sie erreicht bei weitem nicht mehr ihren Nenndruck von 150 bar
 

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Liebe Unimog-Freunde,

hier haben wir nochmal den direkten Vergleich:
Links der originale Filter, bei dem mangels Wartung das Filtergewebe riss,
rechts die Fehlkonstruktion, wo schon aufgrund des konstruktionsbedingten extrem hohen Durchflusswiederstandes sich zunächst die Stirnfläche des unteren Bechers wölbte und er schließlich ganz abriss.

Schon mit dem unbewaffneten Auge sieht man links den verlustarmen Durchfluss, rechts sieht man trotz intensiver Reinigung nur schwarz.
 

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Hallo Christoph,
Du schreibst von mangelnder Wartung des Filters und den daraus resultierenden Folgen.
Bitte informiere, ob für die Wartung des Filters Auswaschen mit Benzin ausreichend ist und in welchen Abständen die von Dir empfohlene Wartung erfolgen soll.
Gruß
Wolfgang
 
Hallo Wolfgang,

... wie im Betriebshandbuch geschrieben, was ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen kann, nur hält sich leider fast niemand daran, siehe Anhang.

Die von mir bisher entdeckten kaputten Filter waren meist schon jahrelang defekt. Der Anteil kaputter Pumpen (95%?) ist da nicht verwunderlich.
 

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Liebe Unimog-Freunde,

das Gewebe zwischen den beiden Lochblechzylindern in diesem Filter, vor dem nicht genug gewarnt werden kann, ist grundsätzlich schon völlig ungeeignet für diesen Anwendungsfall als Rücklauffilter.

Da kann man gar nicht durchgucken. Die Filterfeinheit mag vielleicht bei 5 Mikrometer oder geringer liegen. Doch da geht das Öl nur mit immensem Staudruck durch. Wie es die Schadensfälle durch Bersten ja zu Genüge bestätigen.

Vollkommen unverständlich, wie es zu der Ausführung kommen konnte!
 

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Lieber Christoph

Vielen Dank für die ausgezeichnete Recherche!
Das ist ein wirklich wichtiges Thema.
Ich bin eventuell auch davon betroffen (411.112)
Hast du einen passenden Filter , den du uns empfehlen könntest.
Was sollen wir tun?

Beste Grüße
Lars Butendeich
 
Lieber Lars,

vielen Dank für die Blumen.

Ich hatte schon länger den Verdacht, dass hier enormer Handlungsbedarf besteht. Denn ein "ordentlicher" intakter Filter ist mir ganz ganz selten begegnet.

Da ich bei mir die originale Hydraulikanlage durch ein elektrisches Kastenaggregat ersetzt hatte und die Lenkhilfe (robuste Pumpe, kein Schmutzeintrag) mit einem von mir im Lochblechzylinder neu aufgebauten Filter zufriedenstellend läuft, habe ich das Thema bewusst weit von mir geschoben. Denn der dreilagige Neuaufbau des Filters ist eine Viecherei.

Eine moderne Ersatzlösung mit Filterpatrone muss erst konstruiert werden. Die Rücklauf-Filterpatronen werden nämlich stets von außen nach innen durchströmt, müssen deshalb in ein becherförmiges Gehäuse mit Auslauf nach unten gesetzt werden. Darüber hinaus wird ein Diffusor benötigt, damit das Öl nach dem Austritt aus dem Filter nicht gleich wieder im Saugtrakt der Pumpe(n) landet.

Soweit die Theorie zu einem modernen Filter.

Zudem ist der Einbaudurchmesser für den Becher auf 68 mm begrenzt. Dafür gibt es nichts fix und fertig zu kaufen. Selbst ein etwa passendes Filterelement müsste modifiziert werden.

Man kann sicherlich mit hohem Aufwand einen Prototypen bauen. Wenn der funktioniert, braucht man noch jemanden, der den Filter in Kleinserie produziert. Doch gibt es genügend Kunden, denen der Filter schätzungsweise 250 bis 300 € wert ist?
 
Hallo Christoph,

besten Dank für Deinen Hinweis im Netz. Bei meiner Veränderung der Hydraulik wurde beim Ausbau des Hydraulktank festgestellt, dass der Sieb kein Filtergewebe mehr hat. Ich habe dann zur Fachfirma gesagt, bitte dringend einen neuen Filter bestellen. Die Fachfirma hat zu mir gesagt, dass es die Filter als Neuteil nicht zu kaufen gibt und ich den alten Filter reparieren soll. Gleichzeitig hat er mir ein Endlos-Filternetz mitgegeben.

Ich habe dann den vorhanden Filter gereinigt und die Punktscheißstellen aufgebohrt. Das Netz habe ich einlagig aufgespannt und die vertikale Naht mit Weichlot verbunden. Dann die äußeren Teile wieder mit dem Grundkörper verbunden. Hier habe ich bei den aufgebohrten Punktschweißstellen mit geschlossenen Blindnieten verbunden. Trotz der Liebe zum Unimog, es gibt schönere Arbeiten.

Zwischenzeitig war ich schon auf der suche nach einem neuen Filtereinsatz, sicher wäre ich an das Falsche nicht fuktionierende Teil gelangt. Möchte gar nicht daran denken, welche Folgeschäden daraus entstehen hätten können.

Also Christoph, besten Dank für Deine Information. Solltest Du hierzu mal günstigere Informationen für uns haben, bitte ich um Nachricht.

Wenn wir uns wieder treffen, können wir uns als Dank einen guten Roten genehmigen.

Mit freundlichem Unimoglergruß
Nikolaus
 
Hallo,

wie werden die "funktionslosen" Filter denn vertrieben? Wenn es durch einen Händler erfolgt, sollte der sein Angebot zeitnah überdenken. Wenn das Teil wirklich als Filter vertrieben wird, dann muss auch seine Funktion gewährleitet sein. Anders sieht es aus, wenn es als Bastelteil, Blumenvase etc. vertrieben wird und man es auf eigene Gefahr in das Fahrzeug einbaut.

Ich hoffe, in dem Zusammenhang werden nicht noch OEM Nummern zum vergleich genannt.

Gruß
Markus

P.S.: Ich habe bisher auch immer die Filtermaterialabschnitte um den Filter gelegt und zusammen gelötet. War ja orignial auch so.
 
Hallo Christoph,
sprichst Du hier von dem Filter den Mercedes anbietet mit der Teilenummer 421 550 0181? Der sieht nach meinem Empfinden genauso aus wie auf Deinen Bildern.....?
Was mich weiterhin wundert, ist, dass der alternativ gezeigte Filter für mich immer der Kraftstofffilter im Tank war. Laut Arne sollte die ungestützte Filtergaze dem Ölstrom nicht standhalten können. Deshalb habe ich auch schon 3 dieser Filter mit zerrissener Gaze "rumliegen".
Ich hoffe auf "Erhellung".
Gruß aus Hamburg
Thomas
 
Hallo Thomas,

die Filter haben zwar das gleiche Gehäuse, sind aber anders aufgebaut. Bei dem Hydraulikfilter ist ein Netz außen auf dem Filter weiß. Beim Kraftstofffilter ist das Netz außen aus Kupfergewebe. Das ist schon beim Tanken von Diesel hinderlich, war wohl eher für den 404 und Benzin. Der Kraftstofffilter hat oben eine Drahtbrücke eingelötet.

Später wurden diese Filter (SA35038 Siebkorb) durch Kunststoffkonstruktionen ersetzt. Diese sind grobmaschiger und auch für Diesel geeignet. Beide haben aber in der Hydraulikanlage nichts zu suchen.

Gruß
Markus

:!: :!: Das Bild zeigt den Siebkorb aus dem Tank :!: :!:
 

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Hier ein Bild eines gereinigten originalen Hydraulikfilter von 1969, dessen Riss ich gelötet habe.

Gruß
Markus
 

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Hallo Markus,

Risse kann man ja noch ohne großen Aufwand flicken. Aber das ganze Gewebe außen erneuern? Das bekommt man jedenfalls am oberen Ring und unteren Topf kaum dicht und man hat dann einen kleinen Kurzschluss. Original ist das Gewebe zusammen mit dem Lochblechzylinder ja am Umfang eingedrückt (Sicke).
 
Hallo Christoph,
obwohl es mich nicht betrifft interessieren mich so Themen schon auch.
Markus und Thomas haben es oben schon gefragt, Du solltest langsam mal Ross und Reiter nennen oder beschreiben, damit weitere Fehlkäufe vermieden werden. Vor welchem Artikel von welchem Hersteller und welchem Lieferkanal warnst Du hier? Oder betrifft dies allgemein alle Vergleichsfilter auf dem Markt.
 
Hallo Christoph,die einfachste Lösung ist für mich ein Rücklauffilter in der Leitung, giebts in allen Durchflußgrößen und Filterfeinheiten mit Umgehungsventiel und Verschmutzungsanzeige als Schraubfilter mit Sockel. Ist nicht original aber sehr praktikabel .
Gruß Georg
 
Hallo Jürgen,

da ich mich in den letzten Jahren gar nicht um den Rücklauffilter gekümmert habe, weiß ich auch nicht von wem die einzelnen Ausführungen gestammt haben und wann sie jeweils im Handel waren. Bis vor kurzem habe ich nur mehrfach gehört, dass augenblicklich keine einzige mehr erhältlich sei.

Bei einer Internetrecherche soeben war nur dies zu finden: https://www.unimogspecialist.nl/du/hydraulikfilter-421-190/ , wohl die Ausführung, vor der ich hier besonders warne. Jedoch zweifelsfrei erkennen kann man das anhand der kleinen Fotos nicht.

Hallo Georg,

über einen Leitungsfilter hatte ich auch schon nachgedacht. Den könnte ich mir im 421 auch vorstellen, aber im 411 Cabrio ist es dafür möglicherweise zu eng. (An meinem Kastenaggregat unter der Pritsche ist natürlich ein solcher angebaut, siehe Foto im Anhang.)

Liebe Unimog-Freunde,

... dann muss ich vielleicht doch noch einen Prototypen mit Filterelement anfertigen. Ich lass' mir was einfallen.
 

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Liebe Unimog-Freunde,

das ist der Plan:

Rücklauffilter mit Austauschelement
Auslegung des Filterelements und Bau des Filterbechers (Unimog 411 und 421)

Filterbecher (erforderlich wegen Durchströmung von außen nach innen)

Maximaler Einbaudurchmesser 68 mm
Länge ca. 200 mm

Hydraulische Anforderungen
Arbeitshydraulik 20 l/min
Lenkhilfe (falls vorhanden) 15 l/min
Medium HLP46 (Sommer), HPL32 (als Kompromiss), HLP22 (Winter), alternativ ATF
Filterfeinheit 10 oder 20 Mikrometer
Druckfestigkeit >5 bar

Auslegungsberechnung
für Volumenstrom 35 l/min, HLP46, Kaltstart 0°C, Betriebstemperatur 40°C, Filterfeinheit 20 µ
Auswahl: Filterelement Nenndurchfluss 75 l/min, Druckfestigkeit 10 bar, Bypass Öffnungsdruck 3 bar
Ergebnis: Kaltstartdruck 1,5 bar, Druckdifferenz 0,5 bar bei Betriebstemperatur

Nach Anpassung des Filterelements
Hauptmaße: (D*L) 60*145 mm
Ablaufrohr: (D) 34 mm

Bauteile für den Becher (Schweiß- und Klebekonstruktion)
Befestigungsflansch des originalen Lochblechzylinders
und Topf (als Diffusor)
Stahlrohr 68*1,5
Stahlrohr 65*1,5
Stahlrohr 34*2
Stahlscheibe 34*62*5
div. Kleinteile

Anpassung des originalen Deckels
Einschraubverschraubung und Verschlussschraube bündig zur Unterseite kürzen
Peilstab (soweit vorhanden) von Verschlussschraube auf Belüftungsfilter umbauen (Peilstab am oberen Ende hohl- und querbohren)
Verschlussschraube mit Verschmutzungsanzeige versehen (bei Einschraubverschraubung 18L (421) mit Verlängerungsstutzen M10*1)

Ein entsprechendes Austauschelement liegt schon bereit (Beispielfilter, mehrschichtiger Tiefenfilter) - das Wochenende ist gesichert :wink:
 

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Hallo zusammen,

wenn ich das richtig erkenne, geht es ja um den Rücklauffilter, der oben im Hydrauliköltank sitzt.
Ich habe gerade den Hydrauliktank von einem 407 offen. Der Hydrauliköltank ist sehr ähnlich zu dem vom 421. Hier wurde jedoch so ein Filtersystem realisiert, wie du ihn als Neukonstruktion planst, Christoph. Allerdings ist der Durchmesser etwas größer als die 60mm.
Möglicherweise kann die 407 Variante aber als Inspiration dienen.

Grüße Jonas

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