Hydraulik Steuerblock überholen

Lumas333

New member
29. Aug. 2019
111
0
16
Germany
Hallo,
fahre einen 406 Bj.1984 mit dem Westinghouse Steuerblock 466 795 0010 welche ganz gut leckt.
( ca. 20 Tropfen pro Tag )
Hab mir jetzt bei mogparts einen Dichtungssatz bestellt.
Muß ich, bevor ich den Steuerblock bzw. die 6 Hydraulikleitungen abschraube, die ca. 10 Liter Hydrauliköl aus dem Behälter im Motorraum links ablassen oder kann ich mir die Sauerrei sparen und das Öl drin lassen und es läuft nicht langsam über die Druck- bzw. Rücklaufleitung leer ?

Weiß jemand den Durchmesser der großen Kupferringe ( sind glaube ich 8 Stück ) von den Hohlschrauben der Hydraulikleitungen ?
Sind nicht im Dichtsatz mit dabei und wollte die mir vorab besorgen bevor ich mit dem Demontieren beginne.

Danke
Markus
 
Hallo Markus,

die Hohlschrauben haben ein Gewinde M22*1,5. Am besten man nimmt dafür Al-Dichtringe. Die sind nämlich weicher als die Cu-Dichtringe.

Denk' dran die Einbauräume der Dichtungen und die Dichtflächen gut zu säubern und ggf. nachzuarbeiten, z. B. die Stangen zu honen. Sonst wird bald wieder was undicht.
 
Hallo Christoph,

danke für die Antwort in Bezug auf Steuerblock und M22x 1,5 Gewinde.
Habe den Block jetzt ausgebaut und gereinigt auch schon einen Dichtsatz bei Mogparts gekauft.
Überholst Du die Steuerblöcke auch ?
Wenn ja was würde es denn kosten wenn ich Ihn Dir zuschicke ( könnte auch den schon gekauften Dichtsatz dazulegen ) ? Ist ein Westinghouse 466 795 0010

Noch 5 Fragen:
1. Sollte ich lieber HLP 22 oder HLP 32 in das Hydrauliksysten schütten ?
2. Auf dem Steuerblock ist folgende Zahl im Guß eingegossen: 1 10 71 ist dass das Baujahr ?
3. Gibt es einen Trick wie ich die hintere ( vierte Schraube ) lösen und wieder montieren kann. Sind die 4 Schrauben welche den Steuerblock auf dem Halteblech fixieren. Das Halteblech bekomm ich leider so einfach nicht raus, sonst würde ich erst das abbauen und dann ganz entspannt die hinteren 4 Stück Sechskantschrauben M8 x 16mm lösen !=
4. Auf dem Steuerblock ist folgendes eingegossen: 466 795 0106
Auf dem Aluschild ist folgendes eingestempelt : 466 795 0010
Welche Nummer ist denn hier die Richtige ?
5. Mein Unimog ist ein 406 Cabrio Baujahr 1984
Der Steuerblock ist ja event. Bj 1971 ( siehe Frage 2 )
Er wurde dann wohl mal gewechselt. Dürfte aber kein Problem sein , oder ?

Danke
Markus
 
Moin, zum Aus bzw. Einbau gibt es ein Video auf YouTube da kannste mal schauen. Ich würde HLP46 als Öl nehmen, grade wenn du die Anbaugeräte auch mal an unterschiedlichen Zugmaschienen hängen. Mit den Dichtsätzen von Mogparts bin ich immer vorsichtig. Bin da von der Maßhaltigkeit vieler Sachen negativ überrascht worden.

Lg ausm endlich mal regnerischen Sauerland, Josch
 
Hallo Markus
Hallo Christoph,
Ich krame das Thema nochmal vor:

@Markus wie ist die Geschichte deiner Steuerblock Überholung ausgegangen?

@Christoph Deine Antwort die Du als PN an Markus geschickt hast, hätte mich auch sehr interessiert, da wir bei unserem Mog an der gleichen Stelle angekommen sind.
Aktuell tropft der Steuerblock zwar nicht wie wild, aber es ist ein deutliches Absinken der Heckhydraulik fest zu stellen wenn ein Spalter oder Winde dran ist. Auf der Fahrt muss ich nach 15 Minuten die hydraulik wieder hochfahren, sonst schleift es auf dem Boden.
Sobald jetzt die staate Zeit kommt, möchte ich das Pumpenlager (tropft extrem) und eben den Steuerblock angreifen.
Da bin ich für Tipps natürlich dankbar....
Grüße aus Middelfrangn
Holger
 
Hallo Holger,

das Positionshaltevermögen unter Last, also an der internen - verschleißbedingten - Undichtheit, kann man nichts verbessern. Denn dafür ist die Passung zwischen Gehäuse und Schieber verantwortlich. Der vom Hersteller angegebene zulässige Wert der internen Leckage beträgt 6 cm³/min bei 150 bar. Jedoch fehlt dazu die Angabe der Viskosität des Öles.
 
Hallo Christoph,

Hat es nicht schon Versuche gegeben mit einer Hartverchromung für den Schieber?

Was macht dann ein namhafter online Unimog Ersatzteilhändler anders, wenn er überholte Steuerblöcke verkauft? Oder muss ich da ebenfalls mit eingeschränktem Lasthaltevermögen rechnen?
(Naja, sollte ich wohl besser den selber mal fragen ..... )
Hat schon jemand aus dem Forum Erfahrung gesammelt mit dieser Art überholten Steuerblock ? Oder kann ich mir das sparen bei diesem Schadensbild?
Danke und Gruß Holger
 
Hallo Holger,

zwischen Gehäuse und Schieber ist im Neuzustand ein Spiel von wenigen 1/1000 mm. Schon geringer Verschleiß - durch verschmutztes Öl und/oder Seitenkräfte auf die Betätigungsstangen - macht sich durch sich verschlechterndes Positionshaltevermögen bemerkbar.

Ich hatte mal einen schlechten Steuerblock mit oval verschlissenen Bohrungen von einem renommierten Fachbetrieb aufbohren und auf Maß honen sowie dazu passend Schieber neu nachfertigen lassen. Das Ergebnis war enttäuschend und hat mich viel Lehrgeld gekostet. Selbst wenn es gelänge eine solche Reparatur mit ordentlichem Ergebnis zu erreichen, wäre sie keinesfalls wirtschaftlich.

Hartverchromung und Schleifen des alten Schiebers ist kaum weniger Aufwand (die Bohrungen müssen auch nachgearbeitet werden) und birgt die gleichen Schwierigkeiten mit der nicht erreichbaren Präzision.

Deshalb muss man davon ausgehen, dass die einschlägigen Händler nur Dichtungen wechseln und die Blöcke lackieren (lassen), bestenfalls noch Schrott aussortieren (dann funktioniert aber ein Tausch mit Pfand nicht mehr) und das Druckbegrenzungsventil nachstellen (lassen).

Du schriebst
... deutliches Absinken der Heckhydraulik fest zu stellen wenn ein Spalter oder Winde dran ist. Auf der Fahrt muss ich nach 15 Minuten die hydraulik wieder hochfahren ...
Das ist selbst für einen guten Steuerblock plausibel. Man kann ja mal das Volumen der Zylinder, den Weg des Absinkens in der Zeiteinheit mit den zulässigen 6 cm³/min verrechnen.

Gegen das Absinken hilft ein manuell schaltbares Sperrventil mit Stromregelventil, wie es in vielen 406 eingebaut war/ist. Da gehört dann aber noch ein Speicher hinzu, um Druckspitzen bei Schägen auf die Last abzudämpfen.
 

Anhänge

  • Sperr- und Stromregelventil 406.jpg
    Sperr- und Stromregelventil 406.jpg
    7,3 KB · Aufrufe: 7.150
Die Antworten von Christoph hätten mich auch interessiert. Nachdem die Antworten offenbar nicht in das Forum gestellt werden sollen, würde ich mich über die Zusendung mit PN freuen.
Gruß
Wolfgang
 
Hallo Freunde,
Gegen das Absinken der Last im Heckkraftheber gab/gibt es im 411 er eine mechanische Sperre an der Hubwelle.
:idee Sollte man bei den großen Baureihen das nicht auch vorsehen können? Z.B. Kette vom Anbaubeschlag zum Unterlenker.
Die Schläge/Druckspitzen im Hydrauliksystem bei Straßenfahrt/Transporten könnte man so vermeiden.

Gruß
Jochen
 
Hallo Christoph,

in dem Zusammenhang habe ich eine Verständnisfrage.
Was ist an der Schlepperhydraulik namhafter aktueller Schlepper anders als am Unimog?
Ich habe letzten wieder viel mit dem Schlepper auf dem Silo gewalzt und dazu den Schlepper (auch gut und gerne über 30 Jahre auf dem Hof) mit Front- und Heckgewichten von etlichen 100kg in den Krafthebern versehen. Allerdings ist dort über den Tag mit gut über 10 Std Einsatz nichts abgesunken.
 
Hallo Jürgen,

was die Heckhydraulik der älteren Schlepper angeht, haben die ja eigentlich alle ne Zug-/Lagereglung - sei die jetzt schon elektronisch oder noch mechanisch. D.h. selbst wenn der die Hydraulik im Betrieb absacken würde, würde der Schlepper das alleine wieder ausgleichen. Das merkt man dann, wenn da in dem System etwas nicht mehr so läuft wie es soll. Da kenn ich nen IHC 383, der immer etwas absackt und dann wieder mit voller Geschwindigkeit die paar Centimeter anhebt. Bei schwerer Beladung sieht man den Schlepper dann hopsen.
Als Abhilfe gibt's ja dann immernoch die Senkdrossel, die man (bis beinahe) zu drehen kann, um das ganze Absenken zu verlangsamen oder verhinden.

Aber wie's dann mit den Frontkrafthebern ist bei den älteren Schleppern kann ich dir nicht so wirklich sagen. Ich kenn's nur, dass die tatsächlich absacken. Evtl. war da auch ne Sperre oder Drossel drin?



Gruß
Sebastian
 
Hallo Sebastian,

ja so eine Regelung gibt es für den Heckkraftheber wohl muss aber auch entsprechend aktiviert werden. Bei meiner oben beschrieben Arbeit war sie nicht aktiviert. Am Frontkraftheber gibt es das nicht. Beide Kraftheber haben sich nicht bewegt, waren auch nach der Arbeitszeit am oberen Anschlag.
 
Hallo Wolfgang,

die vielen Antworten an Markus waren sehr ausführlich und spezifisch.

Zum Thema Steuerblock gibt es übrigens mehrere Kapitel in meinem bisher nicht veröffentlichen Sachbuch zur Hydraulik im Unimog 411 421 406.
Einzelne Anfragen beantworte ich gelegentlich mit Auszügen daraus. Aber noch nicht öffentlich.
 
Hallo Jürgen,

mit Schieberventilen kann keine absolute interne Dichtheit erreicht werden, weil sie keine elastischen Dichtungen haben. Das geht nur mit Sitzventilen oder mit einer Kombinationen aus Schieber- und Sitzventilen (entsperrbare Rückschlagventile). Im Schaltbild kommt das öffnende Steuersignal PIL vom Schieberventil.

Die alten Westinghouse/WABCO Steuerblöcke haben zudem einen relativ großen Schieberdurchmesser, z. B. 24 mm. Ein vergleichbarer moderner Steuerschieber hat vielleicht nur 12 mm Durchmesser, dafür aber einen längeren Hub und längere Überdeckung, und damit wesentlich bessere Dichtheit.
 

Anhänge

  • entsperrbares rückschlagventil.jpg
    entsperrbares rückschlagventil.jpg
    5,6 KB · Aufrufe: 4.203
Hallo Jürgen,

Ich kenn es von den alten IHC Schleppern nur so, dass es zwei Hebel zur Steuerung des Heckkrafthebers gibt. Der eine für die Zug/Druckreglung und der andere für die Lagereglung. Alles was oberhalb des Bodens ist, wird eigentlich dann mit der Lagereglung gefahren, weil die ja eigentlich wirklich nur starr die Höhe des Heckkrafthebers einstellt. Nicht benutzen geht dabei nicht (außer in Schwimmstellung oder Zug/Druckreglung).
Bei anderen Treckern habe ich das noch nie so detailliert auseinanderklamüsert. Da magst du bei anderen Fabrikaten also durchaus Recht haben.
Da kann uns hoffentlich ein richtiger Schlepperexperte eine allgemeingültigere Antwort geben.

Das hat mich aber trotzdem zum Überlegen gebracht und ich habe in einer Anleitung nachgesehen. Da Stand auch was anderes interessantes.

Gruß
Sebastian
 

Anhänge

  • Ihc 3 Punkt.png
    Ihc 3 Punkt.png
    304,9 KB · Aufrufe: 4.197
Jochen.Schäfer schrieb:
Hallo Freunde,
Gegen das Absinken der Last im Heckkraftheber gab/gibt es im 411 er eine mechanische Sperre an der Hubwelle.

Gruß
Jochen

Hallo Jochen,
das mit der Sperre habe ich in der Betriebsanleitung auch gelesen. Und am rechten Ende des Rahmens ist bei meinem 411er auch ein Hebel.
Der geht sehr schwer und scheint aber keine Funktion zu haben - wie funktioniert das?
Gibt es dazu weiters Infos? So

Grüße aus der Südeheide, Ulli
 
Hallo zusammen,

wenn also hier die Schlepperhydraulik (ohne welche Regelung auch immer) der Unimoghydraulik überlegen is, wäre es nicht dann richtig nötigenfalls die Unimoghydraulik zu verbessern.
Zum einen habe ich entnohmen gibt es also wohl Steuerblöcke die mit anderen Ventilen als im Mog funktionieren, und es gibt wohl scheinbar zusätzliche Ventile die ein Absinken verhindern können.
Wäre es dann nicht für Holger und andere Leidensgenossen sinnvoll einfach zusätzliche Sperrventile in die Leitungen zum Heckkraft zu bauen und so den Kraftheber unabhängig vom Steuerblock zu sperren. Im einfachsten Fall durch manuelle Kugelhähne. Das würde doch demnach das Absinken verhindern, es sei denn die Hubzylinder selbst wären innerlich Undicht. Dies aber schein ja nicht der Fall zu sein weil hier nicht Thematisiert.
 
Liebe Unimog-Freunde,

erst in den 1960er Jahren begann die Hydraulik damit die Druckluft aus dem LKW und dem Unimog zu verdrängen. Da gab es noch keine etablierte hydraulische Systemtechnik. Die Komponenten waren einzelne Spezialkonstruktionen. Das gilt besonders für die Steuerblöcke mit ihren - aus heutiger Sicht - sonderbaren und suboptimalen kombinierten Dreh- und Schieberventilen. Schieben für auf/ab und Drehen für die Schwimmstellung. Nachdem das Konstruktionsprinzip einmal festgelegt war - vermutlich von Westinghouse - musste es wohl von weiteren Herstellern wie Buchholz und Kracht wegen der einzigartigen Bedienung mittels der Hebel an der Lenksäule übernommen werden.

Im Laufe der Entwickung vom 411 über den 421 zum 406 wurde das Hydrauliksystem in kleinen Schritten weiterentwickelt. Vom ursprünglichen Konzept im 411 wurde aber lange noch nicht abgewichen.

Es ist auch zu bedenken, dass die Hydraulik im historischen Unimog universell einsetzbar sein musste. Im Gegensatz dazu hatte die Hubhydraulik im Traktor nur einen einzigen Zweck und war im Getriebegehäuse integriert.

Hydraulikschaltpläne Unimog 411, 421 und 406 (Bei Letzterem sind die Zylinder falsch herum eingezeichnet? EDIT: NEIN, danke Helmut!) (Quelle Westinghouse)
 

Anhänge

  • Hydraulikschaltplan 406.jpg
    Hydraulikschaltplan 406.jpg
    34,4 KB · Aufrufe: 4.133
  • Hydraulikschaltplan 421.jpg
    Hydraulikschaltplan 421.jpg
    38,6 KB · Aufrufe: 4.133
  • Hydraulikschaltplan 411.jpg
    Hydraulikschaltplan 411.jpg
    83,2 KB · Aufrufe: 4.134