OM 636 als Schiffdiesel - Probleme

Hallo alle,

neues vom Motor:

heute vormittag war ich erstmal segeln ...

Dann habe ich den Motor mal wieder in Angriff genommen:

Waermeaustauscher raus und nachsehen: Ergebnis: keine Verschmuztung. Also wieder eingebaut.

Dann Wasserpumpe ausgebaut: Ergebniss: alles OK, auch der Stopfen (s.O.) ist am Platz. Aufgefallen: etwas Rost in den Kanaelen, soweit man das sehen konnte.

Dann den Kuehlwasserkruemmer abgebaut, das Roehrchen geprueft, die Entlueftungsverschraubung am Zylinderkopf geprueft, neues Schlaeuchlein eingebaut. Ergebnis: keines ....

Also Motor wieder gestartet und bei 2.200 /min wieder dar gleiche Effekt: Ueberhitzung.

Als dann der Warnsummer kam, habe ich Gas weggenommen auf Leerlauf und dabei ist dann die Gas- oder Wasserdampfblase wieder aufgetaucht und hat wieder Kuehlwasser aus dem Ausgleichsgefaess spucken lassen ..., wie gesagt sofort nach der Drehzahlreduzierung, d.h. wahrscheinlich, dass an einer heissen Stelle im Motor es dann zu Dampf kommt ....

Da ich jetzt wieklich mit meinem Latein am Ende bib, werde ich mich wohl damit abfinden nur max. 2000 /min zu drehen, was im Regelfall auch ausreicht.

Evtl. werde ich noch mal einen Kuehlkreislaufreiniger probieren, habt ihr evtl. Ratschlaege dazu ...?

Gruesse,


Mic
 
Moin Moin Mic,

vorab muss ich dich um den diesel im boot erst mal beneiden - bei mir zieht ein 50ps mercury außenborder teures zweitaktgeisch durch... :(

Zum Ölqualm würd ich jetzt mal folgendes sagen:

10W40 find ich schon sehr sehr dünnflüssig für einen solch "alten" motor, mit weiten passungen, usw.
Ich konnte beispielsweise mit meinem 250er MB PKW feststellen, das dieser mit etwas dickerem öl wesentlich weniger öl verbraucht....

Zur Überhitzung:

In unsrem 411 mit OM 636 geht die Kurbelgehäuseentlüftung stets (wie original) ins freie. Dabei kann man immer einen mehr oder weniger starken feinen ölnebel beobachten.
Ich gehe jetzt mal davon aus, das dies auch bei deinem Motor der Fall ist - Du es aber ned sehen kannst, da der motor es ja direkt verbrennt.
Meiner Meinung nach dichtet dieser Ölnebel den Kolben besser ab, der Motor verdichtet höher - die Temperatur steigt.
Hinzu kommt noch das Medium Öl, das ja auch in mehr oder weniger großen Mengen mitverbrennt und somit mehr Hitze entsteht.

Weiterhin hab ich mal gelesen, das Öl wesentlich heißer brennen soll als diesel.... :?

Fazit:

Ich würde einfach mal die Gehäuseentlüftung vom Luftfilter abbauen, so daß der Nebel ins freie geht.

Außerdem würde ich einen Ölwechsel mit billigem 15W40 durchführen - wer weis, vielleicht liegt es ja auch nur an diesem "Leichtlauf Mos Dingsbums"

Weis ned ob meine Ideen wirklich helfen werden - aber probieren würde ich es auf alle fälle.


In diesem Sinne

Timo

PS: Immer ne Handbreit Wasser unterm Kiel!!!!
 
Hallo Mic,

Nach all dem was Du so beobachtest keimt in mir der Verdacht, daß die Kühlmittelpumpe des Motors kavitiert.

Ich nehme an, daß die Seewasserpumpe keine normale Flügelpumpe ist.

Die Kavitationsneigung einer Flügelpumpe nimmt zu mit steigender Drehzahl und mit steigendem Unterdruck auf der Saugseite. Die Kavitationsbläschen versperren Strömungsquerschnitt im Pumpenkanal (sie sind rund 1000mal größer als die entsprechende Kühlmittelmenge) und lassen einen weiteren Anstieg des Kühlmitteldurchsatzes mit zunehmender Motordrehzahl nicht zu.

Ich würde dashalb folgende Prüfung bei mehreren Motordrehzahlen machen:
- Messung des Kühlmitteldruckes vor der Kühlmittelpumpe,
- Messung der Druckdifferenz über die Pumpe

Mit steigender Motordrehzahl sollte die Druckdifferenz über die Pumpe in erster Näherung quadratisch steigen. Dort wo die Kurve "Druckdifferenz" von der Parabel deutlich abknickt beginnt die Kavitation.

Wie kann man Kavitationneigung zu höheren Drehzahlen verschieben?
- Anhebung des Druckes auf der Saugseite der Pumpe.

Achte auf die Kühlmittelleitung zum Ausdehnungsgefäß. Wenn die vom Thermostat weggeht, dann hast Du schon Verbesserungspotential:

Wenn Du diese Leitung zur Saugseite der Pumpe verlegst, dann hebst Du damit das Druckniveau für die Pumpe an. Allerdings brauchst Du auch eine Entgasungsleitung nach Thermostat zum Ausgleichsbehälter. Der Querschnitt kann aber sehr klein sein (Drossel mit max 2mm Bohrung).

Wo genau endet die Kurbelgehäuse-Entlüftung im Luftfilter?

Die Meinung von Timo halte ich für nicht zielführend (Einflüsse 3. Ordnung):
- ein 15W40 Öl hat am Kolbenring die nahezu gleiche Viskosität wie ein Einbereichsöl, es dichtet daher gleich gut (oder schlecht) ab
- Schmieröl verbrennt gleich wie Dieselöl (hat etwa gleiche Selbstzündtemperatur)
- wenn übermäßig Öl eingetragen würde, müßtest Du eine Leistungssteigerung feststellen.

Für tiefere Diskussion kannst mich ja an-mailen.

Gruß
Walter
 
Hallo Walter,

bin da nicht ganz deiner Meinung.

10W40 Leichtlauföl läuft mit Sicherheit besser durch enge Spalte und ritzen wie 15W40. Sicherlich kein Riesenunterschied, aber immerhin.

Öl verbrennt auf jeden fall heißer als Diesel. Alte KFZ - Mechaniker empfehlen immer dem diesel ein paar liter öl beizumischen, damit alles wieder richtig freigebrannt wird.

Leistungssteigerung durch eingetragenes Öl muss nicht unbedingt sein - Bedenke das die Luftmenge gleich ist!!

Auserdem ist es sicher nur ein handgriff, um die kurbelgehäuseentlüftung vom luftfilter zu trennen......

8)

gruß

timo
 
Hallo alle,

Danke fuer Eure Antworten ....

Heute Nacht im Halbschlaf ist mir noch eine Idee gekommen:

schaut Euch mal das Foto des Motors an: mir scheint die Riemenscheibe der Wasserpumpe doch etwas gross zu sein. Daher ist die Drehzahl der Wapu relativ niedrig zumal ich im ET Katalog von Pumpen fuer den 636 auch schon kleinere Riemenscheiben gesehen habe.

Die Riemenscheibe hat z.Zt. etwa den gleichen Durchmesser wie die Riemenscheibe auf der Kurbelwelle, sodass die Wapu damit die etwa gleiche Drehzahl hat....

Die Seewasserpumpe sitzt auf der selben Welle wie die Einspritzpumpe, sodass hier die Haelfte der Kurbelwellendrehzahl anliegt. Die Foerdermenge der Seewasserpumpe soll aber lt. Experten ausreichen ....

Hat jemand noch einem Tip wie ich den Kuehlkreislauf mal zu reinigen versuchen kann, Zitronensaeure o.Ae. ...? Da fast alles am Motor aus Grauguss ist, kann wohl ein recht aggressives Reinigungsmittel angewendet werden, hoffe ich ...


Gruesse,


Mic
 
Hallo Mic!
Warum machst Du nicht einfach ein CO Test,bevor Du mit Riemenscheibenänderungen und ich weiss nicht was noch loslegst.Dann bist Du auf der sicheren Seite und kannst geziehlt suchen.
Nicht das noch jemand auf die Idee kommt und sagt,der Motor hat die falsche Farbe und kann nicht genug Wärme abführen.Aber dann musst Du ihn sowieso ausbauen und kannst Dich um die wesentlichen Sachen kümmern.
MfG, Jörg
 
was Du beschreibst mit dem Gasgeben und dann wegnehmen, kenne ich von meinem Passat TDI. Damit war ich 1000 mal in der Werkstatt. Kopfdichtung wurde ausgeschlossen, Lösungen hatten sie aber keine.
DAnn war ich es leid und habe die Kopfdichtung tauschen lassen. Dann ging es wieder, alles OK. Ich hatte auch das beim Gasgeben und dann loslassen das Kühlwasser aus dem Behälter fast komplett rauslief.

Habe jetzt keine Ahnung wie das bei einem Schiff aufgebaut ist.
Vielleicht aber noch ein Tip. Es gibt Kühlflüssigkeiten, die vertragen sich nicht untereinander. Wenn man solche zusammen kippt, dann flocken sie aus und verstopfen alle kleinen Durchgänge, zum Beispiel Kühler.
Vielleicht hast Du ja ein solches Kühlmittel verwendet.
Wenn wir alte Maschine zur Überholung bekommen, lassen wir das Kühlwasser ab, füllen den Kreis mit purem Wasser, fahren den Bock warm bis der große Kreis auf ist und lassen das Wasser ab. So lange bis keine Altbestände mehr drin sind. Dann kommt erst das neue rein.

Viel Glück noch bei der Suche. Ich weiß das nervt wenn man meint man hat den Fehler und dann der Test und immernoch scheiße.
 
Hallo alle,

naechsten Samstag werde ich mal den CO Test machen, in der Hoffnung dass der dann auch negativ verlaeuft ....

Wenn der Kopf einen Riss hat, gibt's dann richtig was zu tun, denn im Boot ist leider der Kopf nicht demontierbar.

Trotzdem kommt mir die Riemenscheibe doch gross vor da es fuer den 636 eine Pumpe gibt, die einen kleinere Riemenscheibe hat.

Die Dampfblasentheorie sieht folgender massen aus:

wenn der Motor unter Last richtig heiss ist (95 °C) und dann die Drehzahl auf Leerlauf kommt (800 /min) reicht die Kuehlwassermenge, die durch den Block gepumpt wird nicht mehr aus, die Waerme abzufuehren.

An einer heissen Stelle (heiss, vielleicht weil sich ein Schmutzbelag gebildet hat) gibt's dann eine Dampfblase, die sich ausdehnt und dabei einen Teil des Kuehlwassers rausdrueckt.

Da die Verdampfungswaerme von Wasser sehr hoch ist, kuehlt diese Dampfblase die heisse Stelle soweit ab, dass sich keine neue mehr bildet.

Wenn die Umlaufmenge im Leerlauf hoeher waere, koennte dieser Effekt nicht mehr auftreten (vielleicht ....).

Inzwischen ist diese Sache zur Herausforderung geworden und ich bin schon gespannt, wer am Schluss siegt: ich oder der Zylinderkopf .... ;-))

Demnaechst gibt's dann einen Update ....

Gruesse,


Mic
 
Hallo,

Nachrichten von der Ueberhiztungsfront:

heute habe ich den Primaerkreislauf entkalkt und zwar mit 1 kg Zitronensaeure uaf die ca. 4 l Wasser des Kreislaufes. Dabei kam einiges an Dreck heraus aber nicht so schlimm wie ich es gehofft hatte ...

Anschliessend mit 500 g auf 4 l Natriumbicarbonat neutralisiert und dann einige Male mit Frischwasser durchgespuelt. Dann entsprechend Frostschutzmittel eingefuellt.

Ergebniss: keines ......

Aufgefallen ist, das im Leerlaud die Kuehlwassermenge wirklich sehr, sehr klein ist, die zirkuliert. (Habe zum Spuelen den 3-Wege Thermostaten verwendet und die Bypassleitung im den Wassertank gefuehrt. Da die Leitung aus PVC war, konnte man gut Gasblasen und Dreck sehen).

Habe dann einen CO2 Test gemacht, der leicht positiv war, wobei ich nun nicht sagen kann, ob noch CO2 von der Neutralisierung der Zitronensaeure dabei eine Rolle gespielt hat.

Jedenfalls wird ohne Thermostat der Motor nicht zu heiss, sodass ich immerhin davon ausgehen kann, dass der Sekundaerkreilslauf i.O. ist.

Letzte Chance ist nun der Einbau einer Wasserpumpe mit kleinerer Riemenscheibe, um auch im Leerlauf etwas mehr Durchfluss zu haben.

Gruesse,

Mic
 
Salü.

Zwei Fragen:

Ist dein Ansauggitter am Unterwasserschiff durch Dreikantmuscheln, Seegras oder sonstiges versteckt?

Mündet der Auslass in den Auspuff und bekommt unter Umständen zu viel Gegendruck bei hohen Drehzahlen?

Viel Glück beim suchen.

Mast und Schotbruch,

fuxel
 
Hallo,

der Borddurchlass ist frei, der Seewasserfilter auch ....

Die Gegendrucksache ist da schon eher problematisch:

vom Auspuffkruemmer gehr eine heisse Leitung in den ersten Schalldaempfer, wo das Seewasser eingespritzt wird. Der Einspritzpunkt liegt dabei ueber der Wasserlinie, damit kein Siphoneffekt entsteht.

Dieser Schalldaempfer hat einen Wasserlift, d.h. der Ausgang taucht ins Wasser ein und die Auspuffgase reissen das Wasser mit. Dann kommt ein zweiter in-line Schalldaempfer und dann ein Schwanenhals, der dann in den Borddurchlass muendet.

Der Niveauunterschied duerfte ca. 500 - 600 mm betragen sodass der statische Druck, den der Motor aufbringen muss um das Wasser zu heben bei eben 500 - 600 mm WS liegt.

Im Betrieb ist es dann etwas weniger, da ja ein Gas Luftgemisch vorliegt, das eine geringere scheinbare Dichte hat.

DC schreiby einen max. Gegendruck von 50 kPa vor (= 0,5 bar = 5000 mm WS). Duerfte somit noch im gruenen Bereich liegen ....

Naechste Aktion (bevor der Motor zerlegt wird) ist wie gesagt die Wasserpumpe. Ich werde mal die Pumpe 636 200 12 01 einbauen anstelle der derzeit verwendeten 181 200 12 01.

Bei der 636 200 12 01 ist die Riemenscheibe ca. so gross wie der Montageflansch waehred bei meiner die Riemenscheine wesentlich groesser ist (siehe Foto). Damit duerfte bei Leerlauf der Wasserstrom hoeher ausfallen .... Einziges Problem ist dann, den neuen Keilriemen auszumessen ....

Danke und Gruesse,


Mic
 
Hallo,

heute habe ich die Wasserpumpe mit 112 mm Riemenscheibe montiert und die anschliseenden Test waren erfolgreich ....

Es scheint also, als haette die montierte Pumpe mit 135 mm nicht genug Umlaufmenge erzeugt, sodass die Ueberhiztung dadurch zustande kam. Immerliegen der Faktor 1.45 hinsichtlich Drehzahl der Pumpe zwischen 135 und 112 mm ...

Also Danke nochmal fuer alle Antworten :-)))

Gruesse,

Mic