OM 636 Schwungrad wuchten

rafi911

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05. Apr. 2007
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Weidenberg
Hallo Kollegen,

muß ich beim Umbau der Schwungscheibe auf einen anderen Motor die Schwungscheibe neu wuchten?
Oder kann man die am OM636 bedenkenlos tauschen?

Gruß
Rainer
 
Hallo Rainer!

Schwungrad kannst Du bedenkenlos tauschen - das passt sowieso nur an einer Stelle (asymetrische Anordnung der Löcher). Soweit ich informiert bin, werden die Schwungräder bei der Erzeugung ohne Kurbelwelle ausgewuchtet und passen daher bei jedem OM 636.

LG
Waffy
 
rafi911 Hallo Reiner
Habe gerade eine neue Kurbelwelle eingebaut,bei einem Motorinstandsetzer hat man mir dann dazu geraten die alte Schwungscheibe zur Kurbelwelle dynamisch zu wuchten,da die Schwungscheibe immer dynamisch zur Kurbelwelle passen muß,hat 80,-¤ gekostet.
Ich glaub das ist es wert,ansonsten die ganze Arbeit ein-ausbau zweimal.

MfG Bernd :wink:
 
Hallo Bernd,

habe die unwucht der alten Schwungscheibe von einem alten Meister auf meine übertragen lassen.

Die Kurbelwelle ausbauen wäre mir zu viel arbeit.
Ich hatte drei OM636 Scheiben mit, wobei alle fast die gleiche Unwucht hatten.....

Gruß
Rainer
 
Hallo Reiner
Jo,das meinte ich ,die Wucht oder Unwucht der alten Scheibe muß auf die Neue übertragen werden,damit sie zur Kurbelwelle passt :o . MfG Bernd
 

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... dann mache ich mal an dieser Stelle weiter.

Denn ich möchte die Unwucht des ursprünglichen Schwungrades für den Motor auf ein anderes auf ihn zu montierendes übertragen.

Dazu habe ich mal etwas gerechnet.
Die Wuchtbohrungen werden lt. WHB auf einem Radius von 110 mm mit Durchmesser 10 mm axial bis max. 30 mm tief gebohrt. Dabei ergibt eine 1 mm tiefe Wuchtbohrung rechnerisch 67 gmm Unwucht.
Die maximal zulässige Unwucht (nach dem gemeinsamen dynamischen Wuchten von Kurbelwelle und Schwungrad) beträgt 150 gmm. D. h. die Wuchtbohrung im Schwungrad muß exakt an der richtigen Stelle sitzen und muß dann mit einer Toleranz von +/- 2,2 mm tief gebohrt werden.
Wenn man annimmt, daß die originale Paarung Kurbelwelle/Schwungrad bereits nahe an der Toleranzgrenze liegt, muß man bei der Übertragung noch genauer arbeiten, sagen wir +/- 0,2 mm, also gut eine Zehnerpotenz genauer.

Wenn ich das betrachte, kann ich mir nicht vorstellen, daß man so einfach die Schwungräder tauschen kann - wie manchmal behauptet wird-, ohne eine unzulässig hohe Unwucht zu riskieren.

Ich will in den nächsten Tagen statische Messungen der Unwucht an 3 verschiedenen Schwungrädern machen. Wenn alles klappt, werde ich Euch bald den Meßaufbau zeigen können. Mal sehen, was da raus kommt.

Weiß jemand, wie die Kurbelwelle mit Schwungrad dynamisch gewuchtet wird? Geschieht das außerhalb des Motors oder im eingebauten Zustand? Im ersteren Fall würden Ungleichheiten bei den Pleuelstangen und Kolben die Wuchtung wieder in Frage stellen, oder?
 
Nur Geduld Jürgen,

ich werde bebildert berichten.

Hier ganz grob meine Planung: Zwei Haarlineale exakt waagrecht und parallel angeordnet, damit das auf einen Meßdorn geschraubte Schwungrad dazwischen laufen kann. Sobald das Rad seine stabile Lage gefunden hat, ist unten die "Unwucht". Diese wird dann um 90° nach oben gedreht und über die Verzahnung mit einer austarierten Strebe auf einer Briefwaage abgestützt. Das abgelesene "Gewicht" in Gramm multipliziert man dann mit dem Hebelarm der Verzahnung 140 mm. Im Ergebnis hat man dann also Lage und Größe der Unwucht.

Bei der Übertragung werden beide Räder auf dem Meßdorn, und zwar um 180° zueinander verdreht, befestigt. Dann wird das anzupassende Rad so gewuchtet, daß beide zusammen keine Unwucht mehr aufweisen, also in jedem Drehwinkel stehen bleiben.
 
Damit meine Frage von weiter oben nicht untergeht, hier nochmal:


Weiß jemand, wie die Kurbelwelle mit Schwungrad dynamisch gewuchtet wird? Geschieht das außerhalb des Motors oder im eingebauten Zustand? Im ersteren Fall würden Ungleichheiten bei den Pleuelstangen und Kolben die Wuchtung wieder in Frage stellen, oder?
 
Hallo Christoph,
Feinwuchten im ausgebauten Zustand, Schwungrad und Kurbelwelle zusammengeschraubt, Versuchsaufbau wie du beschrieben hast.
Die Pleuel und Kolben werden einzeln ausgewogen und angeglichen durch Materialabtrag oder auswiegen von mehreren Teilen und zusammenstellen von gleichen Gewichten.
Es kommt aber nicht aufs Hundertstel Gramm an.

Jochen
 
Hallo Jochen,

in Deiner Beschreibung sehe ich nur statisches Wuchten. Dynamisches Wuchten aber geschieht in Bewegung = Rotation und nach (elektronischer) Messung der auftretenden Vibration. Z. B. die heute üblichen Radwuchtmaschinen beim Reifenhändler arbeiten dynamisch.

Also will ich meine Frage nochmal stellen:

Weiß jemand, wie die Kurbelwelle mit Schwungrad dynamisch gewuchtet wird? Geschieht das außerhalb des Motors oder im eingebauten Zustand?
 
Hallo Christoph,
Dynamisches Wuchten aber geschieht in Bewegung
sicher? Gibts da keinen Trick, das ganze mit rein mechanischen Mitteln "statisch" rauszufinden? Is ja eigentlich "nur" die Erscheinung, das die Wuchtebene zur Drehebene gekippt ist.
Was mir viel mehr Fragen aufwirft ist das:
habe die unwucht der alten Schwungscheibe von einem alten Meister auf meine übertragen lassen.
:?: :?: :?:
Wie soll das bitte gehen?

mfG
Axel
 
Moin Axel,

die Methode der statischen Übertragung hat Chistoph oben ja im Prinzip erklärt:

Bei der Übertragung werden beide Räder auf dem Meßdorn, und zwar um 180° zueinander verdreht, befestigt. Dann wird das anzupassende Rad so gewuchtet, daß beide zusammen keine Unwucht mehr aufweisen, also in jedem Drehwinkel stehen bleiben.

Moin Christoph,
wenn es nötig ist die Kurbelwelle / Schwungscheiben Kombination dynamisch zu wuchtet, müsste dann nicht immer das Gesamtsystem betrachtet werden. Also Motor komplett inklusive Kupplungsautomat etc.?
Gab es zu Kontruktionszeiten des Motors hier für geeignete Methoden?

Moin Jochen,
wie sieht es den mit dem Wuchten der Kolben, Pleul etc aus wenn z.B bei einem Motor nach Aufarbeitung neue Kolben in Übergröße verbaut wurden.
Haben die damaligen Werkstätten dies immer gemacht?

Entschuldigt die vielleicht dummen, sicher aber laienhaften Fragen.
Wie sieht es für Praxis aus bei unserem alten "TreckerMotor"?
Entspricht die Hammerartige Krafteinleitung eines zündenden Zylinders nicht prinzipiell einer riesigen Unwucht.
 
Hallo Jürgen,
die neuen Bauteile sind natürlich alle mit einem Toleranzwert hergestellt
worden, sind schliesslich Gussteile (Alu oder Stahlguss)
Beim Instandsetzer oder Motorenbauer wird man sich auf diese Werte
verlasssen. Im Motorsport kommt es zu ganz anderen belastungen durch die höheren Drehzahlen
Da summieren sich die Toleranzwerte im Grammbereich schnell zu ungeheueren Massen. Also wird jedes Bauteil geprüft und angeglichen.
Auch die Brennräume werden ausgelitert und auf ein gleiches Maß gebracht

Aber das sehe ich für den guten alten Mog für reichlich übertrieben obwohl da vieleicht noch ein kleines verstecktes Leistungsplus möglich wäre.
Die haltbarkeit eines sauber gewuchteten Kurbeltriebes ist natürlich unbestritten!
 
Hallo Jürgen,

wenn es nötig ist die Kurbelwelle / Schwungscheiben Kombination dynamisch zu wuchtet, müsste dann nicht immer das Gesamtsystem betrachtet werden. Also Motor komplett inklusive Kupplungsautomat etc.?
Gab es zu Kontruktionszeiten des Motors hier für geeignete Methoden?

Im WHB jedenfalls steht:
... so ist die Kurbelwelle mit montiertem Schwungrad auf einer dynamischen Auswuchtmaschine auszuwuchten.

Wenn man das wörtlich nimmt, wird es also außerhalb des Motors gemacht. Die Gewichtstoleranz der Kolben untereinander ist mit max. zul. 4 g angegeben.

Die Meßtechnik scheint schon lange verfügbar gewesen zu sein:
Am Lehrstuhl für angewandte Mechanik und Schwingungslehre der Technischen Hochschule Darmstadt gab es noch im Jahre 1936 eine größere Sammlung dynamischer Lehrmodelle zur Verwendung im Unterricht. Ihr inhaltlicher Schwerpunkt lag auf dem Gebiet der Schwingungslehre. So enthielt der Bestand u. a. ein Modell über Koppelschwingungen, das Modell eines physikalischen Doppelpendels, ein Modell über erzwungene Schwingungen eines Federdoppelpendels, das Modell einer Auswuchtmaschine, die Lagen der Achse eines schwingenden Rotors, einen in den eigenen Lagen ausgewuchteten Motor, ein Modell zum Auswuchten rotierender Körper, ein Modell über den Einfluss der Kreiselwirkung auf die Eigenfrequenz, ein Modell über Schwingungen durch Zentrifugalkraft, das Fundament eines Turbogenerators, ein Modell über Fundamentschwingungen, das Modell eines vertikalen Doppelpendels und das eines Gyrostaten, ein Modell zu Biegungsschwingungen einer belasteten Welle, ein weiteres zu erzwungenen Schwingungen eines kontinuierlich elastischen Systems (vertikaler Stab), ein schwingendes System von zwei Freiheitsgraden, ein Modell über erzwungene Schwingungen durch Reibung und eines über freie Drehschwingung, das Modell über erzwungene Drehschwingungen (Modell einer Unterseebootswelle), ein Schwingendes System mit vier Freiheitsgraden, ein hydrodynamisches Modell eines Solenoides sowie das Modell eines Kreiselkompasses. Über das weitere Schicksal der Sammlung ist derzeit nichts bekannt.

Blaeß, 1936
(Quelle: http://publicus.culture.hu-berlin.de/sammlungen/sammlung/1079)
 
Moing Jürgen,
sprry - jaja, wer lesen kann....
Wobei die Methode über das Haarlineal recht "haarig" ist - kennst ja die Methode zur Luftschraubenwuchtung aus dem Modellbau mit den vier Scheiben - is deutlich sauberer.
Und
unserem alten "TreckerMotor"
- egal ob Du deinen Motor als uralt ansiehst oder nen aktuellen Schnickschnack-Motor mit Phasensteller, ZMS etc nimmst - die Physik is halt überall gleich. Was Du ansprichst is die Massenanregung - beim Vierzyli eben die zweite. Die Verbrennung haut da v.a. beim DI-Diesel noch kräftig oben drauf. Nachdem zwischen Schwungrad und viertem Zyl erst mal ein Lager kommt, fallen die Kolben und Pleuel dafür erst mal weg (ok, elastisches Verhalten der KW vernachlässige ich jetzt erst mal). Das für das Schwungrad dynamische Wuchtung vorgesehen ist macht dahingehend Sinn, weil das ganze Teil a) nicht wirklich leicht ist und b) eben fliegend gelagert ist.
Da summieren sich die Toleranzwerte im Grammbereich schnell zu ungeheueren Massen.
Die Massen bleiben dabei immer gleich - aber die Kräfte nehmen halt mit dem Quadrat der Drehgeschwindigkeit zu!
Wobei wir wieder beim Thema "Übertragung der Unwucht" wären - nein, ich kenne das Schwungrad des 636 nicht und weiß daher nicht wo überall an dem Teil zum wuchten rumgebohrt wird - ob nur am Umfang oder auch weiter innen. Ob am Umfang oder auch wenn letzteres - wie wird dann sichergestellt, daß Massen an den selben Stellen abgenommen wird? Effekt siehe oben. Daher wohl auch der Verweis des WHB auf dynamische Wuchtung.

mfG
Axel

PS: wenn Du dynamisch wuchten kannst/lässt wird es dir sicherlich auch dein Kupplung danken!
 
Ob das Thema akademisch betrachtet werden sollte bzw. wie weit man sich in der Praxis mit Unwuchten ungestraft vorwagen kann, soll ja noch herausgefunden werden.

Aus dem Telefonat mit einem offiziellen UNIMOG-Werkstatt-Urgestein ergab sich, daß das Thema Wuchten von Schwungscheiben gar keines sei. Wuchten würde nicht durchgeführt. Er wisse auch nicht, wer so eine Vorrichtung mit Haarlinealen oder 4 Scheiben hätte. Aber den Dorn für die Übertragung der Unwucht, den er nach längerer Suche endlich gefunden hätte, könne ich mir gerne ausleihen.

Auch bei 2 von mir angesprochenen Motoreninstandsetzern erntete ich diesbezüglich nur Kopfschütteln. Und wer überhaupt Schwungräder auswuchten könne, wisse man auch nicht.

Es bleibt also weiter spannend.
 
Moin,

was Ihr veranstaltet ist die reine Wucht :wink:

Ich habe schon etliche OM636 (und auch Andere) zerlegt und wieder zusammengebaut, dazu auch die eine oder andere Schwungmasse getauscht ohne zu wuchten und ich würde es immer wieder so machen.

Es hat, bis jetzt, nie Probleme gegeben.

Aber, wie ich schon schrieb(Kupplung), irgendwann kann das "Erste Mal" sein :wink:

Immer positiv denken, Männers :lol: