OM 636 - Überholter Motor nach Probefahrt defekt?

Hallo Roman,

Wenn die Düsen alle i.O. sind beudeutet das aber im Umkehrschluss, das keine tropft. Verstehe die Aussage daher nicht.

Wurde an den Düsen nun was repariert oder nicht? Wenn nicht wirst du du das gleiche Problem wieder haben, wenn man dem Instandsetzer das mit der Tropfenden Düse glaubt. Möglich wäre es. Auch, das das Spritzbild fehlerhaft ist, also gegen die Zylinderwand spritzt.

Was hat er mit dem Block gemacht? Neuer Kolben, Kolbenringe und Zylinder gehont?

Grüße Tobias
 
Der OM636 ist doch ein Vorkammer Diesel.
Somit wird der Diesel doch in die Vorkammer eingespritzt.
Das ist doch eigentlich gar nicht möglich, dass die Düsen so falsch einspritzen, das damit eine Zylinderwand
angesprüht und "sauber gewaschen" wird.
Zumal der Diesel irgendwo kurz vor OT eingespritzt wird, also ist gar nicht so viel Zylinderwand oberhalb vom Kolben
"zu sehen ".
Oder liege ich da falsch ?

Zumal Diesel selbst ja auch ein Schmierstoff ist, wenn auch ein sehr dünnflüssiger.

Ich glaube nicht an die Düsen als Ursache.

Gruß
Martin
 
Hallo Martin,

du hast natürlich völlig recht. Ich habe die Vorkammer nicht bedacht.

Kraftstoff könnte dann nur in den Zylinder kommen, wenn:
- die Düse nach dem eigentlich Einspritzvorgang nicht mehr schließt und durch die Abwärtsbewegung des Kolbens Kraftstoff aus der Vorkammer "gezogen" wird welcher nicht mehr an der Verbrennung teilnimmt, dieser sich im Auslasstakt im Brennraum verteilt (und teilweise über das Auslassventil heraus befördert wird) und im Ansaugtakt noch mehr Kraftstoff in den Brennraum gesaugt wird und dieser durch die gerichtete Strömung des Ansaugluft an eine Stelle der Zylinderwand getragen wird und somit auch an die Zylinderwand in UT gelangt.
Im Verdichtungstakt würde das natürlich zu unkontrollierter Verbrennung führen (Klopfen wie von Roman beschrieben) mit der Folge, dass der Kraftstoff, der den Schmierfilm an der Zylinderwand verdünnt hat, verdampft, und dadurch keine ausreichende Schmierung mehr vorhanden ist.
Alles sehr theoretisch aber möglich.

Eigentlich müsste man an den Vorkammern auch sehen, ob eine Düse tropft. Da müsste schmieriger Ruß vorhanden sein


Grüße
Tobias
 
Diese Vermutung, daß der Schaden durch zuviel unverbrannten Treibstoff entstanden ist, können wir direkt ausschliessen. Das wäre beim Probelauf sehr schnell aufgefallen durch weiss-blauen Abgasrauch und Dieselgeruch.

Gruß
Jochen
 
Ja, müsste so sein.
Habe hier noch nicht gelesen, ob Roman die Rauchentwicklung beschreiben hat.
Schwieriges Thema das ganze und viele Vermutungen. Ich möchte nur nachvollziehen und diskutieren, ob die Ursache entsprechend der Aussage des Mechanikers wirklich die Einspritzdüse sein kann.
Es kann ja auch erst während der Vollast/erhöhter Betriebstemperatur ein Schaden an der Einspritzdüse aufgetreten sein. Oder der Druck in der Einspritzleitung wird zu langsam abgebaut (Druckventil defekt). Aber ob das so ein Folgeschaden nach sich zieht wage ich zu bezweifeln.

Romans Antwort mal abwarten.
 
Hi zusammen,

also der eine Zylinder wurde jetzt nochmal gehohnt, neuer Kolben und Ringe rein.

Die Düsen und die Pumpe waren vor dem Einbau beim Boschdienst, wurde geprüft und waren in Ordnung.
Jetzt hat der Motorenbauer aber nochmals die Düsen geprüft...Ergebnis alles ok.

Er ist felsenfest der Meinung dass anhand des Schadensbild es von einer fehlerhaften Verbrennung her kommt.
Auf Nachfrage ob es auch von einer mangelnder Schmierung oder fehlerhaftem Kühlsystem kommen könnte, hat er direkt ausgeschlossen.

Sein Tip war jetzt nach dem 1. Start nur kurz im Stand kontrollieren ob alles dicht ist und dann direkt damit fahren (natürlich nicht Vollgas). Sprich nicht im Stand laufen lassen sondern fahren. Was meint ihr dazu?

Nach dem 1. Start hat er damals überhaupt nicht gerußt und ist sowas von direkt angesprochen.
Erst nach dem Schaden hat er genebelt und auch aus der Kurbelwellenentlüftung geblasen.

Ich Zweifel ja inzwischen an mir selbst was ich vielleicht falsch gemacht habe. Dachte schon dass den OT um 360°verdreht habe, da bin ich mir aber zu 99% sicher dass der gepasst hatte. Hab schon soviel Motoren zusammengebaut aber sowas ist mir noch nie passiert.


Hier mal die Bilder vom Kolben.
IMG_0355.jpgIMG_0356.jpgIMG_0354.jpg

Gruß Roman
 
Das sieht ja schlimmer aus als vermutet.

Die Fresser sind fast vollständig in Richtung Kolbenbolzenachse, fast komplett im Bereich der Kolbenringzone. In Richtung Bolzenachse ist das größte Einbauspiel vorhanden, am Feuersteg und Kolbenboden die höchsten Temperaturen. Die Fresspuren am Schaft sind vermutlich entstanden, nachdem die Kolbenringe verschweißt waren und die heißen Verbrennungsgase sowie Kraftstoff auch noch bis an den unteren Teil des Schafts gelangen konnten.
Ich würde anhand des Schadensbildes ebenfalls auf eine fehlerhafte Einspritzung tippen. Es entstehen zu hohe Temperaturen am Kolbenrand und dadurch dehnt er sich übermäßig stark aus, bevorzugt in Bolzenachse, da dort das meiste Material vorhanden ist. Evtl. hat der Kolben auch noch Regelstreifen? Egal..

Sofern die Einspritzdüsen wirklich i.O. sind kann es eigentlich nur noch an der Einspritzpumpe liegen, z.B.
- falscher Förderbeginn
- Druckventil defekt

Da die Pumpe ja beim Bosch Dienst war sollte könnte man annehmen, dass alles i.O. ist.
Pumpe falsch eingebaut?

Ich würde den Motor nicht betreiben. Du kannst Glück haben, dass nichts passiert und alles i.O. ist (aber warum sollte es auf einmal i.O. sein)? oder du hast den gleichen Schaden wieder. Mit etwas Pech reicht dann honen nicht mehr aus...

Gruß Tobias
 
Hallo Tobias,

Wie würdest du weiter vorgehen?

Bei der Pumpe bin ich so vorgegangen:
1. Motor auf FB eingestellt
2. Pumpe auf FB eingestellt, Markierung an der sechskantmutter hat so gestanden wie im WHB
3. Pumpe montiert
4. Motor von Hand durchgedreht und nach der Überlaufmethode nochmal feineingestellt

Wenn es an einer falsch eingestellten Pumpe liegen würde, wären dann nicht an den anderen Zylindern Spuren zu sehen?

Gruß Roman
 
Hört sich erstmal ok an. Da gibt es hier im Forum und auf einer Seite rifelmog.wordpress.com auch eine Anleitung zu.
Wenn die Pumpe daneben stände, würde der Motor auch schlecht anspringen oder gar nicht bzw. räuchern.
Was sein könnte, dass der Förderbeginn des 3. Zylinders nicht stimmt.
Das könnte man auch mit der Methode prüfen, die du für den 1. Zylinder anwendest.
Weißt du, ob die ESP beim Bosch-Dienst auf einem Prüfstand auf Gleichhub und Gleichförderung geprüft und eingestellt wurde?
 
Habt Ihr mal die Paarung, Kolben vs. Bohrung geprüft?
Evtl. Kolbenkipper?
Sieht für einen 4-takter nach einem heftigen Ereignis aus.
Bin ja da sonst immer eher hemdsärmelig unterwegs, aber hier würde ich den Motor nicht noch einmal laufen lassen wollen, ohne zu wissen was Sache ist.

Viel Glück bei der Fehlersuche!

Henning
 
Hi,

also die Düsen waren auf dem Prüfstand und es wurden das Schnarrverhalten, der Abspritzdruck und das Spritzbild geprüft.

Was maßlich alles geprüft wurde kann ich leider nicht sagen, der Motorenbauer meinte nur dass sie nach dem Schaden nochmal alles vermessen hätte und alles in Ordnung wäre.
Ich habe leider nicht die Messwerkzeuge und es nochmal selbst zu prüfen.

Frage, könnte es sein dass ich etwas beim einlaufen falsch gemacht hätte?
Starten, 2 Minuten laufen lassen, aus, prüfen ob alles dicht ist, wieder starten, 10-15min mit erhöhtem Standgas laufen lassen, festgestellt dass das Druckluftventil der Bremse hängt, nach der Reparatur wieder 10-15min im Stand lassen lassen um die Druckluftanlage zu prüfen, nächster Tag gestartet und 30-50m im Hof gefahren, 3 Tage später dann die Testfahrt bei dem der Schaden auftritt.

Dass an den Düsen oder der Pumpe etwas nicht stimmt wäre komisch, vor der Überholung lief ja alles. Einzig...nach dem Prüfen der Düsen und ESP lagen die Teile 4-5Wochen (natürlich vor Schmutz geschützt) sollten dadurch die Düsen gehangen haben? Aber er lief ja 1a und nebeln und sprang gut an.

Kann man eigentlich wirklich sagen dass der Schaden von der Verbrennung her kommt? Oder kommt die Kühlung/Schmierung auch noch in Frage? Könnte da etwas schiefgelaufen sein?

Gruß
Roman
 
Hallo Roman,

wenn der Motor neu gemacht ist, kann man beim einfahren eigentlich nichts so falsch machen, dass der Kolben dieses Bild zeigt. Selbst wenn Du ihn auf Deiner Testfahrt hochgejubelt hättest bis zum Begrenzer.
Das wäre dumm und der Lebenserwartung nicht zuträglich aber fressen tut er deswegen nicht.

Selbst wenn null Öldruck anliegt.
Dann geben die Lager ihren Geist auf, aber das hier sieht entweder nach einem thermischen Problem (Düsen, Wasser,...?) oder für mich noch eher nach einem mechanischen Problem (Passung, Kolbenringe, Späne,...?) aus.
Wenn ich mir Deine Bilder anschaue könnte man meinen der Kolben hat etwas viel Luft im Zylinder.
Gibt es ein Maßblatt vom Einbau?
Falls nicht, frag das doch mal an bei Deinem Motorenbauer. Sollten die haben.

Grüße,
Henning
 
Servus,

denke, hier wirst du Dein Schadensbild finden.

https://cdn2.ms-motorservice.com/fileadmin/media/MAM/PDF_Assets/Kolbensch%C3%A4den-erkennen-und-beheben_51711.pdf

Grüße Fitzel
 
Hallo,

hab grad mit dem Motorenbauer gesprochen, bzgl Maßblatt, etc., der Mitarbeiter der die Übeholung gemacht hat, hat die nächsten 2 Wochen Urlaub. Solange bekomme ich da keine weiteren Informationen :(

Ich bin wirklich ratlos gerade was ich machen soll, auf der einen Seite möchte ich nicht alles zusammenbauen und den gleichen Schaden wieder bekommen aber auf der anderen Seite komme ich grade auch net weiter was ich noch prüfen soll.

Wasserpumpe ist die Gleiche wie vor der Überholung, also sollte es daran nicht liegen.

Die Ölpumpe ist ebensfalls die Alte, wurde nicht überprüft. Bei dem überholten Motor brachte sie aber kalt 5bar und warm 2bar. Nach dem Kolnefresser hatte ich ja den Motor nochmal gestartet und wenn ich mich recht erinnere war dann der Öldruck im Stand nur noch 0,5-1bar, ist das normal? Wenn ja wieso, nur zum Verständnis.

Gruß
Roman
 
Hallo Roman,

5 bar kalt und 2 bar warm ist normal. Plötzlich 1 oder 0,5 bar kalt ist ein eindeutiger Hinweis auf einen Schaden.

Für einen diesbezüglichen Schaden gibt es mindestens drei Möglichkeiten.
1. Pumpe defekt (ein plötzlicher Ausfall ist aber unwahrscheinlich)
2. Druckbegrenzungsventil (8 bar) Feder gebrochen oder sonst undicht
3. Lagerschaden an Kurbel- oder Nockenwelle ... (auch als Folgeschaden von 1. oder 2.)
 
Hi Christoph,

sorry, schlecht ausgedrückt.
Als er auf der Probefahrt (Betriebstemperatur) ausging, hatte ich direkt danach nochmal gestartet; dort waren es 0,5-1bar (also warm). Trotzdem ein Anzeichen für die Pumpe? Normal schon, oder was hat der Kolben/Ringe mit dem Öldruck zu tun...

Kurbelwelle und Nockenwelle haben/hatten keinen Schaden.

Das WHB liegt gerade bei meinem Dad deshalb... kann ich die Pumpe prüfen? Wo sitzt dieses Druckbegrenzungsventil?

Gruß
Roman
 
Hallo Roman,

die Kolbenringe haben mit dem Öldruck nichts zu tun. 0,5 bis 1 bar Öldruck warm bei einem überholten Motor sind allerdings nicht gut, erst recht nicht, wenn's kurz vorher noch 2 bar waren.

Das Druckbegrenzungsventil 8 bar sitzt direkt vor dem Ölsieb am Motorblock. Auf der Schraube sieht man die 8. Auf dem Foto ist das Ölsieb abgebaut. Prüfung und Reparatur sind im Werkstatthandbuch beschrieben.

Die Pumpe kann man so richtig nur mit intaktem Druckbegrenzungsventil und gutem Motor prüfen. Im Stillstand des Motors könnte man die Pumpe mit einer pneumatischen Leckagemessung (Druckbeaufschlagung der Druckleitung und Messung des zur Saugseite entweichenden Luftstroms) prüfen. Dafür würde man aber Vergleichswerte benötigen, die ich selbst auch nicht habe.
 

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Hi Roman,

wie hoch war denn der Öldruck auf dem Heimweg nachdem der Motor ausgegangen war?
Mit welchem Messgerät misst du den Öldruck und wo?
Interessiert mich zum Nachvollziehen.

Sofern man den Verdacht hat, dass es an mangelnder Schmierung gelegen haben sollte müsste man eigentlich alle Kolben sowie Kurbelwellenlager demontieren und begutachten.

Hat der Motoreninstandsetzer alle Kolben demontiert oder hat er nur den betreffenden 3. Zylinder begutachtet?

Bei mangelnder Schmierung müsste eigentlich am Kolbenschaft senkrecht zur Bolzenrichtung mehr Verschleiß zu sehen sein. Auch der Bolzen an sich könnte Verschleiß oder Anlaufspuren zeigen. Das sieht man auch gut in dem Dokument, was oben verlinkt wurde.
Kannst du noch Mal Fotos vom defekten Kolben einstellen, wo man die nicht gefressen Seiten sehen kann?

Grüße Tobias
 
Hallo Tobias
Bin mir nicht mehr sicher, aber ich glaub der ging auf 1,5-2.0bar hoch, nur im Leerlauf war er niedriger als zu vor.
Messung....Original Öldruckanzeige, Anschluss am Ölfilter.
Der Motor würde komplett zerlegt und geprüft. Keine Schäden an den Lager.

Kolben fotografier ich morgen mal die anderen Seiten.

Gruß
Roman