Erfolgreiche Sondierungsbohrung zur Blautopfhöhle
In einer Tiefe von 17 Metern fiel der Bohrer in einen trockenen Hohlraum. Eine Sondierungsbohrung zur Blautopfhöhle war am Donnerstag von Erfolg gekrönt. Hineinschlüpfen kann aber noch niemand
Es ist der Traum von vielen Höhlenforschern und Bürgern, einmal trockenen Fußes in den hinteren Abschnitt der Blautopfhöhle zu gelangen, der bisher nur für spezialisierte Höhlentaucher vom Blautopf aus über eine 1250 Meter lange Unterwasserstrecke erreichbar ist. Seit Donnerstag ist der Traum nicht mehr so weit entfernt. Denn nach einer erfolgreichen Sondierungsbohrung scheint es möglich, einen trockenen Forschungszugang zu schaffen.
Das Fachbüro „Geotechnik Hundhausen“ ließ seit Mittwoch im Auftrag der Stadt Blaubeuren und begleitet von Forschern der „Arbeitsgemeinschaft Blautopf“ am Rande der B 28 im Bereich der Steige oberhalb von Blaubeuren ein Loch bohren. Ziel war, den Gang „Stairway to Heaven“ zu treffen, der vom Mörikedom in Richtung Süden führt und unter der Bundesstraße endet. Außerdem ging es darum, durch die gewonnenen Bohrkerne den Aufbau des Gebirges zu ermitteln – auch im Hinblick auf die Sicherheit eines noch zu bohrenden Forschungsschachtes. Die Ergebnisse stimmten die bei der Bohrung anwesenden Mitglieder der „Arge Blautopf“ wie auch den Diplomgeologen Ulrich Hundhausen hoffungsfroh.
Die Sondierungsbohrung zeigte, dass die von Arge-Tauchern in der Höhle angestellten Vermessungen wie auch die zusammen mit anderen Höhlenforschern vorgenommenen Peilungen stimmen. Und die Bohrkerne beweisen nach Einschätzung von Ulrich Hundhausen, dass der Kalkstein so massiv ist, dass auch beim Bohren eines Schachtes mit etwa 120 Zentimetern Durchmesser nichts einstürzen wird. Wann dieser Forschungszugang geschaffen wird, ist allerdings noch offen. Durch diesen sollen dann auch Gutachter in die Blautopfhöhle gelangen, um festzustellen, ob Bereiche wie der Mörikedom mit seinem großen Höhlensee und Gänge mit schneeweißen Tropfsteinen als Schauhhöhle geeignet sind. Für die benachbarte Vetterhöhle, die ohne Tauchausrüstung erreichbar ist und ebenfalls zu dem mittlerweile auf rund 7100 Meter vermessenen Blauhöhlensystem gehört, gibt es bereits eine Machbarkeitsstudie des Geobüros Hundhausen. Ergebnis ist, dass Teile der Vetterhöhle sicher sind, andere nicht.
Vor anderthalb Jahren hatten die in der Vetterhöhle tätigen Forscher – das war damals die „Arge Höhle und Karst Grabenstetten“, jetzt ist es der Höhlenverein Blaubeuren – die Idee, vom nordwestlichen Höhlenende über einen eingestürzten Gang, der hätte geöffnet werden müssen, in Richtung Blautopfhöhle und Mörikedom vorzudringen. Nachdem aber Taucher der „Arge Blautopf“ den vom Mörikedom bis zum Hang an der B 28 verlaufenden Gang „Stairway to Heaven“ entdeckt hatten, wurde diese Idee verworfen. Wie sich jetzt zeigt, ist es einfacher, diesen neuen Gang zu öffnen.
Andreas Kücha von der Arge Blautopf klang am Donnerstag euphorisch: „Mit einem Forschungsschacht fällt die Gefahr der Taucherei weg.“ Die Sondierungsbohrung erfolgte zunächst mit einem Bohrer von 146 Millimetern Durchmesser und wurde dann noch auf 311 Millimeter aufgeweitet. Am Rohr, das nachher verschlossen wurde, war ein Luftzug zu spüren. Ein Indiz, dass der richtige Gang, der verbunden ist mit großen Hohlräumen, getroffen wurde. Hindurchschlüpfen kann keiner, aber im Notfall könnte durch dieses 17 Meter tiefe Loch eine Kommunikation zu den Tauchern aufgebaut und es könnten sogar Medikamente oder andere Gegenstände hinabgelassen werden. „Ein Schnitzel würde schon durchpassen“, scherzte Blautopf-Taucher Werner Gieswein.
Quelle: SWP Fr. 4.Sept.09