Schütteln/vibriren im Antriebsstrang

günter.404

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02. Sep. 2009
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Hallo Leute,

wir haben hier ein Problem an einem 404 und vielleicht hat jemand einen Tip zur weiteren Eingrenzung der Ursache:

Der Mog hat eine Laufleistung von 90.000 km und seit der letzten Zeit zeigt er im Fahrbetrieb starkes Schütteln/vibriren. Gefühlt schüttelt das ganze Fahrzeug, es lässt sich nicht aus einer bestimmten Richtung lokalisieren. Die Symptome sind rein geschwindigkeitsabhängig, nehmen mit zunehmender Geschwindigkeit konstant zu und bleiben unverändert wenn ausgekuppelt wird oder der Motor auf Schubbetrieb geht. Der Motor selber läuft bei eingekuppelten Zustand (Getriebe auf neutral) und bei stehendem Fahrzeug bei allen Drehzahlen wie gewohnt. Ich würde daher annehmen daß Motor und Kupplung als Ursache ausfallen. Anhand der "Schüttel-Frequenz" würde ich auch die Räder als Ursache ausschließen weil die sich nicht so schnell drehen. Auffällige Geräusche, die auf einen Defekt schließen lassen sind nicht feststellbar, auch nicht in aufgebocktem Zustand und jedes Rad von Hand einzeln gedreht. Der Allrad/Vorderradantrieb schaltet zu und funktioniert. Das Getriebe funktioniert wie gewohnt einwandfrei und macht keine auffälligen Geräusche. Die Kraftübertragung und Lastwechsel sind unauffällig. Laut dem Besitzer ist das Schütteln nicht schlagartig, sondern schleichend gekommen, mittlerweile ist das aber so heftig daß man mit dem Mog nicht mehr 80km/h fahren möchte.

Ich würde daher sagen daß da als Ursache fast nur noch Achsen, Differential und Antriebswellen übrig bleiben. Oder was meint ihr dazu? Hat jemand schon mal sowas ähnliches gehabt?

Viele Grüße
Günter
 
Hallo Günther,

meine Vermutung wäre das Kreuzgelenk der Kardanwelle zur Hinterachse. Wenn meine Vermutung zutreffen sollte, sollten weitere Fahrten unbedingt vermieden werden, da ein Totaldefekt des Kardangelenkes ziemlichen Kollateralschaden anrichtet an Schubrohr + Getriebe.
Gruß aus Hamburg
Thomas
 
Hallo Günter,
meine Vermutung wäre, starke Sägezahnbildung an den Rädern und Du hast die Räder getauscht, dann laufen diese jetzt auf einem "anderen Profil" und haben unterschiedlich starken Kontakt zur Straße (hoffe habe mich verständlich ausgedrückt). Abhilfe: Räder zurücktauschen und beim nächsten Mal früher tauschen. Weitere Möglichkeit, die ein Freund von mir hatte: Lenkungsdämpfer defekt und Buchsen am Lenkgestänge ausgeschlagen.
Habe eigentlich schon immer einen unrunden Lauf (wie ein leichtes Bocken) an meinem Mog, aber nur zwischen 60 - 70 km/h. Darüber und darunter läuft er ruhig.
Dazu konnte mir auch noch niemand eine Erklärung abgeben.
Mit Mog Grüßen
Roland
 
Hallo nochmal,

und danke für die prompten Antworten :spitze

@Thomas:
Über die Kreuzgelenke habe ich auch schon nachgedacht. Zur Hinterachse läuft das nur in minimalem Winkel, aber ständig mit Last. Zur Vorderachse mit starkem Winkel aber fast immer ohne Last. Welche Schubkugel also zuerst öffnen, hinten? Und wenn geöffnet, dann sollte das Gelenk deutlich genug ausgeschlagen sein um das als Ursache zu erkennen?

@Roland:
An der Vorderachse war tatsächlich eine sehr ausgeprägte Sägezahnbildung. Der Besitzer hat dann die Räder von vorne nach hinten getauscht, sagt aber daß das keine Änderung gebracht hat, d.h. er schüttelt in beiden Fällen gleich. Fällt das dann als Ursache aus oder kann das trotzdem noch möglich sein?

Viele Grüße
Günter
 
Hallo Günter,

wenn ein Kreuzgelenk so massiv ausgeschlagen ist, dass es zum Rütteln kommt, müsste man das anhand des Umkehrspiels am Rad feststellen können.

6. Gang einlegen, einseitig aufbocken, Rad vor- und zurückdrehen, Umkehrspiel am Reifenumfang messen, wenn das größer als 4 bis 5 Zentimeter sein sollte, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass am Kreuzgelenk und/oder an der Keilwelle des Trieblings was faul ist. Beim Rad vor- und zurückdrehen müsste sich auch geräuschmäßig das Kreuzgelenk bemerkbar machen.
 
Hallo Günter,
ich habe mal die Räder zu spät getauscht, mit dem Ergebnis, dass das Abrollgeräusch unerträglich war und das Fahrzeug sich heftig geschüttelt hat. Nach 100 km habe ich wieder alles zurückgebaut. D.h. ein Tausch sollte früher stattfinden (ca. alle 5000 km). Bei Dir scheint die Ursache dann aber wo anders zu liegen (Lenkungsdämpfer, Querlenkerbuchsen und andere Buchsen an der Vorderachse). wie groß ist denn das Lenkungsspiel? Mit defekten Kreuzgelenken habe ich Gott sei Dank noch keine Erfahrung machen müssen und dies nach nahezu 200.000 km überwiegend Langstrecke (aber auch extreme Sandfahrten in der Sahara). Ich Versuche die Hinterachse wann immer möglich zu entlasten in dem ich den Allrad an steilen Passagen zuschalte.
Mit Mog Grüßen
Roland
 
Hallo,

@Christoph:
Danke für den Tip, das Umkehrspiel werden wir mal messen

@Roland:
Die Teile der Lenkung werden wir auch mal genauer anschauen. Allerdings überträgt sich das Schütteln nicht ins Lenkrad.

Es wird noch etwas dauern, es handelt sich da um meinen "alten" Mog der ja inzwischen einen anderen Besitzer hat. Aber ich werde berichten wenn wir die Punkte beim nächsten mal kontrolliert haben.

Viele Grüße
Günter
 
Guuden,

ich hätte auch das Reifenprofil zuerst im Verdacht, der Kardan ist eigentlich
sehr dauerhaft.

Ob das mit dem Entlasten der Hinterachse durch das Zugeschalten des Allrads funzt,
halte ich für fragwürdig.
Zumindest auf festem Untergrund führt das wg. des fehlenden mittleren Differentials
zu Verspannungen an allen Achsantriebskomponenten, besonders in engen Kurven wie z.B. Serpentinen.

Gut 404! Justus.
 
Hallo Günter.
Wir hatten auch Vibrationen an unserem U424. Die traten immer ab ca.60Km/h auf und wir hatten auch die Reifen in verdacht.Als nach einer Tour Öl aus der Entlüftung der Vorderachse austrat haben wir den Ölstand kontroliert und bis zur Kontrollschraube abgelassen.Kurze zeit später wieder Ölaustrit. Verdacht auf defekten Simmerring. :( Beim zerlegen zeigte sich der grund der vibrationen.Im haupten Lager hatte sich der Lagerkäfig aufgelöst.Die Kugeln blieben nicht mehr auf Abstand,und rutschten zusammen.Lager und Simmerring getauscht und alles war wie es sein soll.Keine Vibrationen bis zu Höchstgeschwindigkeit. :D
Vieleicht hilt dir das.

Gruß die 2Engel
 
Hallo miteinander,

und nochmals danke für alle Tips. Wir sind inzwischen ein Stück weiter gekommen: das Umkehrspiel am Hinterrad liegt bei 15cm und dabei ist auch fühlbar daß sich da im Antriebsstrang irgendwas ausgeleiert/zäh bewegt. Zum Vergleich: bei meinem 404 ist das Umkehrspiel bei 3cm und im Vergleich ist der Anschlag/Druckpunkt dabei sehr viel deutlicher spürbar.

Es scheint also das Kreuzgelenk zu sein. Dieses werden wir jetzt erstmal austauschen und dann sehen wir weiter ob evtl. noch weitere Schäden vorhanden sind oder ob es damit schon behoben ist. Es wird vermtlich noch etwas dauern, aber ich werde wieder berichten. Der Mog wird bis dahin selbstverständlich jetzt nicht mehr gefahren.

Grüße
Günter
 
Hallo Günter,

15 cm Umkehrspiel am Reifenumfang sind heftig und ein sicheres Zeichen für einen kapitalen Schaden im Zusammenhang mit dem Kreuzgelenk. Erstaunlich, dass ein Unimog in dem Zustand noch fahren kann.

Da kommt mir ein gängiger Spruch in den Sinn: "... hat bis zuletzt einwandfrei funktioniert!" :wink:
 
Hallo Christoph,


OPTI-MOG schrieb:
Da kommt mir ein gängiger Spruch in den Sinn: "... hat bis zuletzt einwandfrei funktioniert!" :wink:

Ja, so in etwa muß es wohl gewesen sein :mrgreen:

Ich bin mal gespannt was da aus dem Schubrohr zum Vorschein kommt, wir werden sehen.

Viele Grüße
Günter
 
Hallo Leute,

die Ursache ist gefunden, es war das Kreuzgelenk von der Antriebswelle zur Hinterachse:

39849573wh.jpg


39849574jd.jpg


Das Kreuzgelenk war komplett ausgeschlagen und teilweise ausgerissen, die Stifte vom Nadellager/Rollenlager lagen in zerkleinerten Teilen im Schubrohr. Bei der Verschraubung zum Flansch am Getriebe waren trotz vorhandenem Sicherungsblech sämtliche Schrauben nur locker angezogen, eine Schraube war bereits abgerissen. Weshalb die Schrauben so locker saßen ist mir nicht bekannt.

Außerdem war die Antriebswelle ein gutes Stück nach dem Kreuzgelenk blau eingefärbt, die muß wohl ordenlich heiß geworden sein:

39849575rv.jpg


Jetzt läuft der Mog wieder wunderbar. Vielen Dank nochmals für alle Tips :spitze

Grüße
Günter
 
Hallo Günter,

... und wie sieht die Vielkeilverbindung Welle/Triebling aus?

Hoffentlich nicht so wie bei mir.
 

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Guuden,

eigentlich werden die Gelenke durch den berühmt/berüchtigten Filzdocht in Getriebeübergang zu Schubkugel geschmiert. Bekannt für Getriebeölverluste Richtung Achskörper.
Da die Bilder einen knochentrocken Stern zeigen, sollte in dieser Richtung geprüft werden
ob der Docht noch durchlässig ist.

Gut 404! Justus.
 
@Christoph
:shock:
Die Seite sieht zum Glück gut aus:
39850048as.jpg



@Justus
Ein guter Hinweis, darüber habe ich mir auch schon Gedanken gemacht:
Es gibt ja ab und zu die Aussage, auf die Ölversorgung könne verzichtet werden bzw. gerade bei zuviel Ölverlust in die Achse kann die Lochschraube nach dem Filzdocht auch durch eine geschlossene Schraube ersetzt werden.

Eine neue Welle zur Hinterachse habe ich derzeit nicht auftreiben können, hatte aber noch eine gebrauchte Welle im Fundus bei der nur das Gelenk defekt war. Dazu habe ich mir dann im Internet eine neue Welle für die Vorderachse bestellt, und den Flasch und die Teile vom Gelenk auf die vorhandene Hinterachswelle montiert. Interessanter Weise hatte die neue Welle für die Vorderachse die Bohrungen für die Ölversorgung zum Gelenk gar nicht mehr, d.h. selbst wenn durch den Filzdocht Öl käme, es würde gar nicht mehr in das Gelenk geleitet werden. Anscheinend gab es also tatsächlich mal im Lauf der Zeit eine Änderung bei Daimler, auf diese Art der Schmierung zu verzichten. Die Rillenlager von dem Neuteil waren mit reichlich Fett versehen, optisch konnte ich sonst keinen Unterschied zu den alten Lagern feststellen. Ob nun an der Konstruktion trotzdem was geändert wurde oder die Ölversorgung tatsächlich nicht notwendig ist :?:

Grüße
Günter
 
Hallo Günter und alle Mitleser,
Der berühmte Filzdocht sitzt nur im unteren Abgang zur Vorderachse, hier um die Ölmenge zu begrenzen.
Dieser Abgang liegt ja unter dem Ölniveau im Getriebe, also muß der Ölfluss begrenzt werden.
Im oberen Abgang zur Hinterachse sitz kein begrenzender Filzdocht, hier wird das Spritz-Öl duch die Rinne aufgefangen und zu den Lagerpunkten geführt. Zuviel Öl würde durch Ablauf über den Rinnenrand kontroliert.
Ein Mangel in der Schmierung wird hier durch verstopfte oder falsch montierte Bohrung im Abtriebflansch verursacht.
:?: Später, wann kann ich jetzt nicht belegen, wurde in den Antriebswellen auf dauergeschmierte Kreuzgelenklager umgestellt. Bei den neuen Achsen 411/421/406 dürfte es zumindest so sein, da gibt es den Filzdocht nicht mehr. Zumindest ist er mir dort noch nicht untergekommen. Vielleicht hat da jemand besseres Wissen :?:
Ziemlich gut zu erkennen, weil jetzt auch die Löcher im Gelenkwellenflansch für die Ölkanäle fehlen.

Gruß
Jochen
 
Jochen.Schäfer schrieb:
Ziemlich gut zu erkennen, weil jetzt auch die Löcher im Gelenkwellenflansch für die Ölkanäle fehlen.

Genau so war es bei der neuen Gelenkwelle, es ist scheinbar also schon irgendwann auch beim 404 so geändert worden.

Grüße
Günter
 
Nun, die neue Achse wurde ab 1963 in der Serie verbaut.
Ob da schon die Umstellung auf dauergeschmierte Kreuzgelenke war müsste man recherschieren.
Der 404 wurde bis 1980 mit der alten Achse gebaut und die Montage- bzw. Ersatzteile in der Serienproduktion bestimmt gleichzeitig angepasst.

Gruß
Jochen
 
Hallo Jochen,

wann das genau beim 404 umgestellt wurde ist jetzt vermutlich gar nicht mehr so relevant. Bei den wenigsten 404 wird noch nachvollziehbar sein, welche Bauteile da noch seit der Fertigung verbaut sind und welche im Lauf der Jahrzente schon mal gewechselt wurden.

Viel interessanter ist aber zu wissen, daß es diesen Unterschied gibt und woran das zu erkennen ist :spitze

Grüße
Günter