Hallo, Michael,
als ehemaliger beruflicher Holzrücker möchte ich mich auch ein wenig an der Diskussion beteiligen und erzähle dazu einfach ein wenig:
Die Ausrüstung unserer Familie war früher recht brauchbar, dabei waren 1 Dreipunktwinde, ein Standardschlepper mit Festanbauwinde, 1 MB-trac 1000 mit 2x10t Rahmenwinde (Werner), 1 Schlüter 950 Compact mit Kran-Kurzholzrückewagen und Frontwinde mit nach hinten umgeleitetem Seil.
Nachdem mein Vater und ich aus gesundheitlichen Gründen aufgeben mussten und Ende der 90-er Jahre auch mein Onkel das Rücken eingestellt hat, gibt es heute nur noch unseren MF165 mit Werner Festanbauwinde (seit über 10 Jahren nicht mehr montiert) und meine kleine 3t Schlang&Reichardt Dreipunktwinde, die älteste, die in unserem Betrieb überhaupt angeschafft wurde - und die macht seither alles!
Das Rücken mit dem Trac und der Rahmenwinde war technisch unschlagbar. Funksteuerung, dopelltwirkende Tragbergstütze, besser geht es nicht, aber der Trac war ein reiner Forstschlepper und landwirtschaftlich oder anders nicht nutzbar. Der Schlüter war da schon variabler, aber im Starkholz wieder längst nicht so leistungsfähig.
Obwohl ich heute noch meinen MF mit der Festanbauwinde ausrüsten könnte - der Schlepper war ebenfalls sehr leistungsfähig mit Tragbergstütze und so weiter, wird das Brennholz - auch schwere Stämme - nur noch mit der alten Dreipunktwinde gemacht. Da es sich bei der Schlang&Reichardt um eine Getriebewinde (Schneckentrieb-Technik) handelt, ist sie weit über ihre Nennleistung belastbar und hat in ihrem Leben schon schwer schuften müssen. Sie reicht für alle Brennholz-Bedürfnisse mehr als aus und ist schnell an- und abgebaut! Zur Zeit schafft sie an meinem MF130, einem kleinen Standardschlepper mit 25PS Vierzylinder und gerade mal 1,2t Leergewicht...
Den wirklich großen Leistungsvorsprung im Holz erzielst Du immer erst aus der Kombination Bergstütze, besser Tragbergstütze UND Seilzug. Die damit gegenüber dem reinen Seilzug mit abgebremstem Fahrzeug ohne Bergstütze erzielbare Mehrleistung liegt um einen beträchtlichen Faktor höher.
Wenn Du auf dem Mog den Platz übrig hast, kannst Du natürlich eine Rahmenwinde aufbauen, werden bei dreizweieins ja regelmäßig angeboten. Wenn Du das Heck des Mog für verschiedene Arbeiten brauchst, ist jedoch der Umbau auf die von Glogger und Werner angebotenen Tragbergstützen sehr aufwändig und wäre mir nur fürs Brennholzmachen zu viel.
Zudem schleppt man im ganzen Jahr eine Tonne Gewicht rum, die Sprit vergeudet.
Man kann die Rahmenwinde aber auch mit einer im Dreipunkt selbstgebauten Bergstütze kombinieren - die von Werner kann auch umgebaut werden. Die Winde kann drinbleiben (mit kurzer Pritsche) - was mir aber auch ein zu überlegender Kompromiss wäre - auch die Doppelwinde bringt eine halbe Tonne Blei mit und verschlingt wertvollen Laderaum - ist aber Ansichtssache, da sie auch Vorteile hat (Zugleistung, Art der Krafteinleitung in den Rahmen des Mog).
In allen anderen Fällen ist die Dreipunktwinde erste Wahl!
Es gibt eine Reihe Winden, die auch ohne Banane am Mog betrieben werden können.
Da die Abwinkelung der Kreuzgelenke vorn und hinten gleich ist, darf man an den maximal möglichen Winkel ohne Probleme rankommen - dafür ist es ja eine Gelenkwelle!
Auch ein Abschmieren der Kreuzgelenke 1 x am Tag ist mehr als ausreichend.
Entscheidend ist hier nicht ein Weitwinkelgelenk, das natürlich die bessere, aber auch erheblich teurere und platzverbrauchende Lösung ist, sondern eine um 1 Kategorie stärker ausgelegte Gelenkwelle. Durch die Abwinkelung läuft das Mittelstück "unrund", also nicht mit gleicher Geschwindigkeit. Dadurch schwankt das übertragene Drehmoment im Mittelstück um einen erheblichen Wert. Um diesen Wert sollte die Gelenkwelle stärker ausgelegt werden.
In den achtziger Jahren gab es in unserer Gegend eine Familie, die mit zwei Fahrzeugen ausschließlich mit (allerdings professionellen, funkgesteuerten Zweitrommel-)Dreipunktwinden ganzjährig Holz gerückt hat - ging auch und ging sogar sehr gut. Einzig die Unterlenker der Schlepper waren am Ende ausgeschlagen und verbogen, aber das kann man ja austauschen.
Egal, wie Du am Ende entscheidest, wirklich effizient wird eine Winde erst durch die Bergstütze, die Möglichkeit des "Verankerns" im Boden, wenn sie dann noch den Stamm tragen kann, hast Du die Idealllösung.
Die Dreipunktwinde bringt das alles von Haus aus mit und kann zudem von Fahrzeug zu Fahrzeug gewechselt werden.
Oder Du kaufst einen eigenen, voll ausgestatteten Forstmog - wenn die hauseigene Finanzbehörde das zulässt :wink:
In unserem Nachbarforstamt lief ein 411 mit Doppeltrommelwinde und was der wegschaffte, davon konnten wir mit unseren Standardschleppern mit erheblicher Mehrleistung nur träumen - außer es war nass, da waren wir im Vorteil...
Grüße an alle Holzrücker
Holger
PS: Hoffe, dass ich demnächst ein paar Bilder von meinem kleinen MF im schweren Holz machen kann...