U421 läuft nach langer Standzeit auf 3 Zylinder

atwan

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17. März 2022
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3873 Brand, Österreich NÖ
Hallo Unimog-Freunde
Bräuchte eure Hilfe!
Mein Name ist Andreas, 49 Jahre alt, bin von Beruf Werkzeugmacher und besitze seit Herbst einen Unimog 421.125 von meinem Großvater. Baujahr 1974, Motor OM616.915.
Folgendes Problem: Beim Kaltstart läuft der Motor nur auf 3 Zylinder und raucht sehr stark weiß. Nach etwa 5 Minuten kommt dann der 4. Zylinder dazu und das rauchen wird viel besser. Wenn der Motor warm ist verschwindet das Rauchen fast komplett.
Der Unimog wurde 2003 abgemeldet und wurde die nächsten Jahre nur selten genutzt. Vor 8 Jahren stand er dann 1 Jahr im Freien ohne gestartet zu werden. Seit dem besteht das Problem. Die letzten 7 Jahre wurde er auch nicht gestartet.
Beim 1. Starten war das Pumpenelement des Betreffenden Zylinder verharzt.
Ventile habe ich eingestellt (EV 0,1 AV 0,3) und die Einspritzdüse geprüft (Abspritzdruck 110bar, Strahl mittelmäßig).
Kompressionsprüfung ergab 13 bar bei 3° plus, mit etwas Motoröl in den Brennraum kaum Verbesserung. Mit warmen Motor 16 bar, mit Motoröl vielleicht 1 Bar mehr.
Würde davon ausgehen das die Kompression nicht über die Kolbenringe verloren geht sondern im Zylinderkopf über angerostete Ventilsitze. Gibt es eine Möglichkeit ohne Zerlegen zu kontrollieren oder zu reinigen?
Kann man den Zylinderkopf ohne Fahrerhaus kippen abnehmen? Kann in meiner Garage die Kabine nicht aufkippen da sie zu nieder ist und im Freien ist es zurzeit auch nicht lustig. Kabine ist vorne 5cm angehoben und hinten etwa 10cm.
Gibt es eine Möglichkeit die Ventile ohne Abnahme des Zylinderkopfes zu reinigen bzw. zu entrosten? Könnte es durch längere Laufzeit wieder besser werden?
Wäre für Ratschläge sehr dankbar!
Grüße Andreas
 
Hallo Andreas,
Die Glühkerzen hast Du auch geprüft? Das konnte ich in deinem Text nicht finden.
Eine einfache Prüfung des mangehaften Ventilsitzes wäre ein Horchen am Ansaugstutzen. Ein undichtes Einlassventil müsste zu hören sein.


Gruß
Jochen
 
Hallo Jochen,

Glühkerzen habe ich im Herbst mit Multimeter geprüft. Nach einem Beitrag hier im Forum. Ich glaube über den Widerstand. Kann mich leider nicht mehr genau erinnern. Ausbauen habe ich mich noch nicht getraut. Angst dass sie abreißen. Kann es sein dass der Zylinder erst nach 5 min kommt ohne vorglühen?
Das mit dem Hören werde ich mal probieren. Müsste auch am Auslassventil funktionieren. Wahrscheinlich sollte ich den Auspuff nach dem Krümmer trennen. Am Endrohr wird mann nichts mehr hören.

Grüße Andreas
 
Hallo Andreas,
Defekte Glühkerze und schlechtes Spritzbild der Einspritzdüse lässt den Brennraum regelrecht absaufen.
Weißer Rauch = unverbrannter Diesel. Irgendwann ist der Zylinder warm und der Sprit entzündet sich.

Deine Glühkerzen dürften schon die neuere, kleine Baugröße haben. Sollten sich aber leicht rausdrehen lassen.

Kannst Du die Betriebsstunden ablesen?


Gruß
Jochen
 
Hallo,
Danke für eure Antworten!
Die Glühkerzen habe ich nach einem Beitrag hier im Forum geprüft. Habe das Kabel abgenommen und den Widerstand gemessen. Ist schon länger her und kann mich nicht genau erinnern. Bedeutet ein glühender Glühüberwacher demnach nicht automatisch dass die Glühkerzen funktionieren?20220802_162632.jpg
Werde neue Glühkerzen und Einspritzdüsen bestellen. Kann nach den Jahren sicher nicht schaden. Habe glaube die größeren Glühkerzen mit M18x1,5 der Schlüsselweite nach.

Grüße Andreas
 
Hallo Andreas,

wie soll ich das Bild deuten?
Geht dort ein einfacher gebogener unisolierter Draht von Glühkerze zu Glühkerze?

Die Glühkerzen sollten bei Deinem Motor parallel geschaltet sein. In dem Fall läßt sich über den Glühüberwacher nur schwierig eine einzelne schlechte oder defekte Glühkerze erkennen, weil durch den Glühüberwacher ja nurSummenstrom der eigentlich vier Kerzen fließt.

Ein schlechter Kontakt des Verbindungsdrahtes zu der Glühkerze kann auch dazu führen, dass nicht genügend Strom durch die eigentlich heile Glühkerze fließt. Gerade bei den sehr niederohmigen Glühkerzen ist ein besonders guter Kontakt notwendig für die richtige Funktion.
 
Hallo Andreas,
Ja das sind die frühen, großen Glühkerzen. Zum Testen müsstest Du die Kerzen einzeln prüfen ohne die Drahtbrücke.
Am besten im ausgebauten Zustand, dann sieht man auch das Glühen. Keine Angst beim Schrauben, das halten die gut aus.
Ich würde aber direkt neue Kerzen empfehlen, das wirkt Wunder!

Screenshot_20230303_234439_Samsung Internet.jpg


Gruß
Jochen
 
Hallo,

Habe heute die Glühkerze ausgebaut und geprüft nach der hier im Forum von Jürgen beschriebenen Methode. Hatte leider keine 30A Sicherung darum habe ich sie direkt ans Ladegerät angeschlossen. Sie hat nach einiger Zeit geglüht. Bleibt noch die Möglichkeit das der Kontakt mit der Drahtbrücke schlecht war.
Die ausgebate Glühkerze ist eine BERU 182MJ 9,5V. Kann ich eine mit 11V einbauen?


Einspritzdüsen sind Bosch DNO SD 1510 INDIA verbaut. Mein LAMA-Händler verlangt 52€ pro Stück. Im Netz finde ich sie um etwa 17€, anscheinend von Bosch. Ist mein Händler so teuer oder gibt es Qualitäts-Unterschiede?

Grüße Andreas
 

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Hallo Andreas,

Du kannst auch auf 11V Typen umrüsten, aber nur alle zusammen und dann auch nur mit überbrücktem Glühüberwacher.

Mischungen verschiedener Glühkerzen führt eher nur zu mehr Problemen. Eine 11V Kerze möchte ja gerne eine höhere Spannung sehn als eine 9,5V Kerze für den jeweiligen Arbeitspunkt. Die Kerzen sind aber parallelgeschaltet und bekommen immer (von Leitungsverlusten abgesehen) die gleiche Spannung. Der in Serie vorgeschaltete Glühüberwacher benötigt auch etwas Spannung. Dies passt bei Deinem System für den vorhandenen Glühüberwacher und den 9,5V Kerzen nicht aber für die 11V Kerzen.
 
Hallo Andreas,

meiner Meinung nach gehören, wie auch von Jochen gezeigt in den OM 616 11V Glühkerzen rein.
12V minus Glühüberwacher = 11V Glühkerze. Ich habe auch 11V Glühkerzen verbaut und das Vorglühen finktioniert wie vorgesehen.
 
Hallo zusammen,
Kam in den letzten Wochen kaum zum Schrauben darum melde ich mich erst jetzt.
Habe eine neue Einspritzdüse gekauft und einstellen lassen, alles zusammengebaut und gestartet. Kaum eine Verbesserung. Wenn ich nach dem Anspringen nachglühe kommt der 4. Zylinder etwa nach 10-20s.
Ein Mechaniker hat mir geraten den Motor viel laufen zu lassen damit sich die Ventile selbst einschleifen falls sie durch die lange Standzeit angerostet sind. Habe vorige Woche eine 2-stündige Probefahrt gemacht. Es dürfte wirklich besser werden.
Allerdings hat er beim Beschleunigen Aussetzer. Im unteren Drehzahlbereich läuft er einwandfrei, auch bei stärkeren Steigungen. Hat im unterem DB auch gute Leistung. Da er keine TÜV hat war ich viel im Wald unterwegs. Wenn ich auf die Landstraße fahr und den Motor in den Gängen hochdrehe hat er Aussetzer. Das Standgas lässt sich auch nur erhöht einstellen.
Wie schon erwähnt steckte ein Pumpenelement nach der Standzeit fest. War verharzt. Das Öl der ESP konnte ich noch nicht wechseln da ich die Kabine noch nicht kippen konnte. Habe nur etwas frisches Öl nachgefüllt. Das Öl lief nur sehr sehr langsam in die ESP. Wollte das alte Öl absaugen aber im Einfüllstutzen sitzt ein Einsatz mit 4 Löchern. Bekommt man den raus?


Hat jemand einen Tipp was die Aussetzer verursacht? Doch noch schlechte Verdichtung? Einspritzpumpe?
Grüße Andreas
 

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Hallo,

bezüglich des Ölwechsels: kommst du mit aufgebauter Kabine nicht an die Schraube an der Seite, schmale Flasche darunter? Zugegebenermaßen ich habe da auch nie drauf geachtet, als mein Unimog seine Kabine montiert hatte.



Zu den Aussetzern: sind denn alle deine Spritleitungen und Filter frei? Vielleicht bekommt der dann ja auch da irgendwo zu wenig Kraftstoff.


Gruß
Sebastian
 
Hallo Sebastian,
Beim Ölwechsel mit aufbebauter Kabine habe ich Bedenken ob ich die Ölablassschraube wieder rein bekomm. Werde ich mir nochmal anschauen. Wenn ich den Einsatz mit den 4 Löchern demontieren könnte würde ich das alte Öl absaugen.
Die Leckleitungen der Einspritzdüsen habe ich erneuert da sie undicht waren. Heute ist mir aufgefallen dass der neue Düsenhalter leicht undicht ist. Er ist ein bisschen feucht. Wurde eigentlich in der Fachwerkstatt zusammengebaut! Kommt definitiv nicht von der Leckölleitung. Werde ich reinigen, starten und beobachten ob er wieder feucht wird. Werde auch die ganze Kraftstoffanlage auf Undichtigkeiten prüfen. Allerdings habe ich im Herbst die ganze Kraftstoffförderanlage gewartet.
Habe die ESP im Verdacht da auch die Leerlaufdrehzahl so hoch ist.

Grüße Andreas
 
Hallo Andreas
normalerweise sollte man den Ölwechsel an der ESP ebenfalls vorher durchführen.

atwan schrieb:
Wie schon erwähnt steckte ein Pumpenelement nach der Standzeit fest. War verharzt. Das Öl der ESP konnte ich noch nicht wechseln da ich die Kabine noch nicht kippen konnte. Habe nur etwas frisches Öl nachgefüllt. Das Öl lief nur sehr sehr langsam in die ESP. Wollte das alte Öl absaugen aber im Einfüllstutzen sitzt ein Einsatz mit 4 Löchern. Bekommt man den raus?
Im Gehäuse ist nach längerem Betrieb immer ein Öl-Dieselgemisch, je länger um so mehr Diesel. Die alte Brühe muss raus, sonst bekommst du keine Schmierwirkung hin. Es wird solange Frischöl eingefüllt, bis unten am Kontrollstopfen frisches Öl austritt, dann läuft das auch am Einfüllstutzen durch, wo soll sonst die Luft hin?Das würde den Leistungsverlust erklkären, wenn der Regler mangels Schmierung schwergängig ist. Eventuell kommt die Regelstange auch nicht auf "Start"
Ich weiß nicht, wie ich dein Bild von der ESP deuten kann, zumindest auf dem Bild sieht das nicht gesund aus.
atwan schrieb:
Wie schon erwähnt steckte ein Pumpenelement nach der Standzeit fest. War verharzt.
Normalerweis lässt man den Diesel aus dem Saugraum (nicht zu verwechseln mit dem Öl im Nockenaum) ab, füllt den komplett mit Petroleum (kein Lampenöl aus dem Kaufhaus, notfalls Superdiesel) nimmt man das Vordruckventil raus, Motor auf 1. UT des entsprechenden zylinders drehen und dann Petroleum oder WD40 (kein Rostlöser) von oben in das Pumpenelement gießen.
Dabei den Seitendeckel abnehmen, und schauen, ob alle 4 Elemente arbeiten.
atwan schrieb:
Wenn ich den Einsatz mit den 4 Löchern demontieren könnte würde ich das alte Öl absaugen.
kannst du absolut vergessen, du kommst nur in das Reglergehäuse, aber nicht in den Nockenraum der Einspritzpumpe. Der Ablass- und Kontrollstopfen sitzt deshalb im Nockenraum der ESP und nicht am Reglergehäuse.
atwan schrieb:
Würde davon ausgehen das die Kompression nicht über die Kolbenringe verloren geht sondern im Zylinderkopf über angerostete Ventilsitze
das ließe sich mit einem Druckverlusttest einfach prüfen, alles andere ist Kaffeesatzleserei. Es sind immer nur 2 Ventile geöffnet, die anderen sitzen dicht, egal in welcher Motorstellung, könnte in deinem Falle zutreffen. Aber dann wäre auf dem Zylinder keine oder nur wenig Kompression zu sehen
atwan schrieb:
Ein Mechaniker hat mir geraten den Motor viel laufen zu lassen damit sich die Ventile selbst einschleifen falls sie durch die lange Standzeit angerostet sind.
damit sich der Rost ordenlich in den Sitz einarbeitet? Aber bitte nicht weinen, wenn später ein Ventilsitz durchgebrannt ist.
 
Hallo Andreas,
so wie Du es beschreibst würde ich die Ursache auch bei der Einspritzpumpe sehen.
Schlechte Kompression würde sich beim Starten bemerkbar machen nicht wenn die Maschine läuft in einem mittleren Drehzahlbereich quasi von jetzt auf gleich.
Ich möchte Dich ermuntern, die ESP überholen zu lassen. An meinem 411 habe ich sie nach 57 Betriebsjahren machen lassen. Nicht wegen der Motorleistung, sondern weil sie undicht war. Doch siehe da: Deutlich mehr Leistung, besseres Startverhalten. Kein Vergleich.
Grüße Markus
 
Hallo Helmut und Markus,
Die ESP überholen lassen habe ich schon länger im Hinterkopf. Habe schon vor einigen Wochen mit einer Bosch-Service Stelle in Graz Kontakt aufgenommen.
Wenn das Wetter jetzt besser wird, kann ich auch raus und das Fahrerhaus hochstellen.
Bei der letzten Probefahrt hat sich ev. auch ein Problem mit der Kupplung angekündigt. Wenn ich auskupple, „kratzt“ die Kupplung. Nur im ganz durchgetretenen Zustand. Ich werde mal schauen, ob ich mich bei einem passenden Beitrag mit dem Problem anhängen kann.
Wenn die Kupplung raus muss werde ich vielleicht gleich den Motor und Getriebe überholen lassen.
Motorinstandsetzer gibt es bei mir in der Nähe. Kann mir ev. wer eine Firma empfehlen die Getriebe reparieren? Ich komme aus dem nördlichen Österreich. Also eine Firma in Österreich oder dem östlichen Deutschland wäre ideal.
Grüße Andreas
 
Hallo zusammen,
Möchte in nächster Zeit die Einspritzpumpe ausbauen.
Weiß jemand wie weit man die Kabine beim 421er nach vorne kippen kann ohne dass etwas Schaden nimmt?
Gehe davon aus dass das Öl vom Luftfilter raus muss da es sonst ausläuft. Gleiches beim Hydrauliköl?
In der Betriebsanleitung und WHB steht darüber nichts.
Möchte das Fahrerhaus so weit als möglich nach vorne kippen damit die Höhe möglichst klein bleibt und ich zurück in die Werkstatt kann. Auf den Bildern in der BA und WHB ist die Kabine nur so halb senkrecht gekippt.
Grüße Andreas
 
Hallo Andreas,

um die Esp auszubauen musst Du die Kabine nicht kippen, das geht auch so.
Eventuell Kählwasserbehälter und den Oelfiltertopf abbbauen.
Die untere Schraube der Esp kann mit einer langen Verlängerung von unten gelöst werden.

Willst Du die Kabine kippen, Manschetten vom Getriebe Luftfilter und der Lenkstange, sowie die Lenkstange lösen,
Oel kann in den Behältern verbleiben.
WHB ist ja vorhanden.
Je nachdem wie stark die Hütte gekippt wird benötigst Du Stützlager die an der Hütte und Rahmen montiert werden.
Pass auf den Kühler auf, nicht das das vordere Kabinenlager den Kühler eindrückt.

Grüsse Bert