Hallo,
das Dumme bei den Teilen der Doppelkreuzgelenke ist oft, dass z.B. zwei Bolzen und eine Bohrung des Zapfenkreuzes noch tadellos sind, aber die eine Bohrung voller Dreck und korrodiert ist. In meinen drei zerlegten Achsen war es nie so, dass alle vier Gelenke eines Zapfenkreuzes hinüber waren, sondern immer eines, zwei oder drei. Genauso war auch keines noch vollständig ok.
Man steht also bei der Instandsetzung immer vor der Frage wieviel Kompromiss man eingeht. Soll man das Zapfenkreuz mit drei sehr guten Stellen und einer eher miesen Bohrung nehmen oder das andere, dessen Bohrungen noch gut sind, dafür aber die Nadeln schon Eindrücke in den Zapfen hinterlassen haben? Oder soll man lieber zu einem guten Bolzen eher kleinere Nadeln geben, damit sich das Spiel über das Gelenk vergleichmässigt?
Es liegt überhaupt nicht auf der Hand, wie man den Teilehaufen den man vor sich hat, wieder zusammensetzt.
Ich habe mich mit Schublehre und Mikrometer eine Weile beschäftigt, bis ich ein Gelenk so beisammenhatte, dass es mir, unter Verwendung der bestehenden Teile, optimal erschien. Das andere hab ich neu gekauft, weil mir die Probiererei zu dumm wurde.
Ein drittes hab ich , wie gesagt, zwar nicht aus den miesesten Teilen, aber doch aus schlechten zusammengebaut. Anschliessend hab ich die drei auf die Werkbank gelegt und ja, klar, das neue war das beste, aber die anderen beiden hätte ich nicht leicht auseinanderhalten können, wenn ich es nicht gewusst hätte.
Ich will nun nicht sagen, dass es egal ist wie die Einzelteile beieinander sind,im Gegenteil. Natürlich wird ein aus gebrauchten Teilen bestehendes Doppelgelenk nicht die Lebensdauer eines neuen erreichen. Aber muss es das? Die meisten der alten Unimogs sind Hobbyfahrzeuge, die keine 100h unter Volllast im Jahr zusammenbekommen. Wenn man dann noch bedenkt, dass die Gelenke nur bei Bogenfahrt Bewegungen machen, dann kann man sich ja ausrechnen wieviel Beanspruchung die Doppelgelenke wirklich abbekommen.
Wenn man die Gelenke auseinandernimmt, reinigt, fettet und dann beim Zusammenbau schön dichtet, soweit es möglich ist und nicht gerade die allermiesesten Teile verwendet, dann haut das in 90% der Fälle tadellos hin, davon bin ich überzeugt.
Zum Schluss noch eine Erfahrung bei eingebauten Gelenken. Ich halte es für unmöglich an unzerlegten, eingebauten Gelenken eine sinnvolle Zustandsdiagnose durchführen zu können. Da kann man meiner Ansicht nach mit Schraubenziehern oder Hebeleisen herumwackeln soviel man will, allenfalls sieht man, ob eines sich bereit seine Teile auflöst, aber mehr auch nicht. Die Gelenke können derart voll mit altem Fett und Dreck sein, das sie bei dieser Wackelei als spielfrei erscheinen, aber trotzdem aus vielen, völlig korrodierten Teilen bestehen.
Ich hab diese Erfahrungen mit der Achse meines Unimog und mit zwei alten Achsen, die ich mal als Ersatzteilträger gekauft habe, gemacht. Das meiste der beiden Achsen hab ich mittlerweile verschrottet, weil man die einen Teile nie braucht und die Verschleissteile sowieso im Eimer sind. Wer baut schon Bremsbacken mit alten Belägen ein, auch wenn sie noch gut aussehen? Und meine Theorie, dass ich dann ja genug Doppelgelenke und Achsschenkel habe, hat sich auch nicht bewahrheitet, obwohl ich beim Kauf der Achsen brav mit dem Hebeleisen gewackelt hab und kein Spiel feststellen konnte.
Aber die Schrauberei war ein Spass und gehört bei mir zur Unimogerei dazu, allerdings nicht um jeden Preis. Daher mein Rat: Am einfachsten schmeisst den Krempel weg und kauft sich zwei neue Gelenke, dann hat man auch Ruhe.
lg
dieter