Unimog 421: Zweikreis-Bremsanlage Anhänger (Unimog-seitig)

SimonD

New member
01. Aug. 2025
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Servus zusammen,

ich bin mittlerweile relativ am Ende der Restauration meines 421.141 aus 1979 angekommen :D
Was allerdings noch überhaupt nicht funktioniert, ist die Druckluftbremse für die Anhänger...Ich habe nichtmal Druck auf der roten Vorratsleitung...Der Mog pustet aber vorbildlich beide Kessel voll und bläst auch bei 7,35bar ab wie es sich gehört.

Jetzt zu meiner Frage:
Muss mann alle Ventile/Steuereinheiten die damals verbaut worden sind, wieder 1:1 instandsetzen bzw. für €€€ ersetzen? (Unter der Voraussetzung man bekommt alle Rep.-Sätze (Unter der Voraussetzung man weiß überhaupt erstmal welche Ventile etc überhaupt verbaut sind ;D))

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Oder gibt es mittlerweile einen eierlegenden-Wollmilchsau-Apparat, das ich einbauen kann und über 2/2-Wegeventil, Anhängersteuerventil, Handbremsventil und weiß Gott welches Ventil da noch so drin ist, auf einmal ersetzen kann?

Mir ist wichtig, dass zum Schluss die 2-Kreis-Bremsanlage funktioniert. Die Einkreis wäre nice-to-have, da das Ventil vom Vorbesitzer schonmal neu gekommen ist und dann ja eigentlich nicht viel Mehrarbeit darstellt?

Besten Dank für euren Input!

VG Simon
 
Hallo Simon,

bist du dir sicher, dass du weist an was du da arbeitest? Es fängt schon mit den Begrifflichkeiten an: Es handelt sich um eine Zwei-LEITER-Abhängerbremsanlage, eine Ein-Leiter-Anhängerbrmsanlage oder eine Kombination aus beidem. Das hat rein gar nichts mit Kreisen zu tun.

Hättest du dir mal die Wabco /Westinghouse Info-Brochüren, die es kostenlos zum Download gibt, angeschaut, hättest du festgestellt, dass es Einleiter-Anhängersteuerventile, Zweileiter-Anhängersteuervenile und kombinierte Einleiter-Zweileiter-Anhämgersteuerventile (deine "Wollmilchsau") gibt.

Leider benötigen die älteren UNIMOG eine mechanische Ansteuerung für die Handbremse, was die Sache heute teuer und selten macht. Neue kombinierte Anhängersteuerventile zum Ansteuerung mit Bremsflüssigkeit (nicht mit ÖL wie bei Treckern!!) sind heute meist vierstellig im Preis. Viele Ventile sind gar nicht mehr leiferbar.

Und die rote Leitung (Vorrat) hat gar nichts mit irgendeinem Ventil zu tun. Sie verbindet direkt über den roten Kupplungskopf den Anhängervorrat mit dem Zugfahrzeugvorrat. Wenn der Tank am Fahrzeug voll ist, muss am roten Kupplunskopf der Druck anliegen.

Anders ist es bei der schwarzen Einleiter-Leitung. Hier ist der Druck im Vergleich zur Zweileiter-Anlage reduziert und liegt nur an, wenn das Anhängersteuerventil die Leitung nicht entlüftet. Dazu ist ein Ventil nötig.

Und ja, wenn man eine funktionierende Anlage haben möchte, müssen alle Ventile funktionieren. Je nach Ausführung kann man die Anlagen auch nicht trennen, denn es gibt einige kombinierte Ausführungen, die sich einander bedingen. Das liegt meistens an der mechanischen Handbremsansteuerung.

Mein Rat: erst einmal die ganze Sache theoretisch erarbeiten und dann gezielt fragen.

Eine richtig funktionierende Anhängerbremsanlage kann im Strassenverkehr zu einer überlebenswichtigen Anlage werden!
 
Hallo Markus,

genau das ist ja mein Problem, dass ich mich hier noch nicht wirklich auskenne und daher die ein oder andere Frage hab und die Begrifflichkeiten noch nicht zu 100% sitzen ;-)

Zwischen Vorratskessel und roten Kupplungskopf ist bei mir derzeit noch ein 2/2-Wegeventil drin (Wabco 571 004 900 0).
Als Anhängersteuerventil (Zwei-Leiter?) habe ich ein wabco 973 002 402 7
Das Einleiter-Bremsventil sitzt am rechten Kotflügel (wabco 471 200 008 7).
Dann gibts noch die mechanische Ansteuerung der Handbremse (da finde ich keine Nummer mehr; und zucken tut an dem Apparat auch nichts mehr)
Und nochmal ein Teil, das ich noch nicht zuordnen konnte (auf dem Bild links zu sehen).

Ob alle Leitungen korrekt angeschlossen sind, konnte ich noch nicht im Detail nachvollziehen, da Nummern an den Anschlüssen leider nicht mehr zu lesen sind und ich im WHB noch kein passendes Schema finden konnte wenn ich ehrlich bin...

Wäre für mich schonmal interessant zu wissen, was da jetzt genau verbaut ist, was die Bauteile im einzelnen machen und wie sie voneinander abhängig sind/aufeinander aufbauen.

Und wo nimmt sich eigentlich die Differentialsperre die Luft her? Das funktioniert ja auch mit Druckluft?

Besten Dank!

VG Simon
 
Hallo Simon,

dein UNIMOG besitzt vermutlich eine mehrkreisige Druckluftanlage (ja, hier gbt es bis zu vier und mehr Kreise). Das soll die Luftverbraucher nach ihrer Priorität tennen. Die Sperren sind mit unterer Priorität als Nebenverbraucher und beziehen aus einem entsprechenden Kreis ihre Druckluft. Jeder Kreis ist durch ein Überstromventil / Mehrkreisventil geschützt. Kreise mit geringerer Priorität werden erst mit Luft versorgt wenn andere Kreise ihren Sollwert erreicht haben.

Auch drucklufthupen werden von einem untergeordneten Kreis versorgt.

Einige Informationen erhält man bei Wabco (Westinghouse Air Brake Company): https://www.wabco-customercentre.com/catalog/de_DE/9730025200
 
Das eine Ventil zeigt die Baureihe der kombinierten Einleiter-Zweileiter-Ventile, deine "Wollmilchsau".

Das andere ein Handbremsventil mit mechanischer Betätigung.

Was bei dir genau verbaut ist, kann man auf dem Bild nicht erkennen.
 

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Um in dieser Angelegenheit zu einem sinnvollen Abschluss zu gelngen, muss die ganze Anlage verstanden werden, dann die Ventile zerlegt werden und der Zustand beurteilt werden. Dann kann man nach dem Reinigen entscheiden, ob ein Dichtsatz weiterhilft. Da ich das schon einige Male gemacht habe, kann ich dir sagen, dass es dauert und kostet.

Ich habe an einem 421 mit EG Bremse mal alle Leitungen erneuert. Schon das Material mit allen Fittingen verschlang hunderte von Euros. Und da war noch kein Rohr gebogen. Trotz minimalen Verschnitts gingen da einige Meter Rohr in das Fahrzeug.

Da sind schnell 2000 Euro weg, insbesondere wenn noch Lohn dazu kommt. Manchmal muss man halt entscheiden, ob der Rückbau nicht sinnvoller ist. Dann braucht es nur noch Luft für den BKV und aus einem weiteren Kreis für die Sperren.
 
Hallo,

Markus hat schon eigentlich alles gesagt.
In den Werkstatthandbüchern zum 421 sind alle möglichen Bremsanlagen aufgelistet mit Pneumatikplan und Stückliste (/Teilenr.) Da sollten auch Komponenten, wie Schutzventile und zumindest der Abgang zu den Nebenverbrauchern, wie die Sperren, abgebildet sein. Das ist auch erstmal der Aufbau, für den ja die Typengenehmigung deines Fahrzeuges gilt.

Laut meinem schnellen Blick in ein Werkstatthandbuch sollte für einen 421.124/125 beim roten Kupplungskopf ein Absperrhahn sein, damit im nicht angeschlossenen Zustand keine Luft entweicht. Das könnte aber auch schon durch einen Kopf ersetzt sein, der eine automatische Absperrung hat. Das scheint aber generell in dem Plan noch eine ältere Version zu sein, wie die bei dir verbaute.

Arbeiten an der Druckluftanlage können schnell teuer werden. Wie Markus gesagt hat, sind bei einem Umbau Stahlleitungen auch nicht günstig und relativ viel Aufwand. Alternativ kann man Kunststoffleitungen/-schläuche verwenden. Aber auch die müssen zugelassen sein, bzw die passenden Fittings verwendet werden. Dabei kann man für hochwertige Fittings auch mit 5-10€ pro Verschraubung rechnen.
Es gibt Fachhändler für Nachrüst-Druckluft-Anlagen, die auf Wunsch eine Anlage für deinen 421 konfigurieren. Ich hatte da mal Angefragt vor Jahren, allerdings war das schon für meinen 421 mit der einfacheren alten Bremsanlage 4000-5000€ ohne Einbau und Abnahme.

Hier im Forum gibt es einige Berichte, wie Leute die Ventile überholt haben mit Dichtsätzen aus ähnlichen Ventilen oder mit Standard/Eigenbau Dichtungen. Zumindest so lange das Ventil nicht zu verschlissen ist. Selbst dann kann sich aber vielleicht der Tausch zu einem besseren Gebrauchten lohnen, selbst wenn auch das überholt werden muss.
Erstmal würde ich aber die Funktionswiese verstehen, man findet dazu viel im Internet, und dann das System auf Herz und Nieren prüfen.

Was sich finanziell lohnt ist also schwierig abzuschätzen. Das hängt stark von dem Zustand ab, wie viel man selber machen will usw. Die Einleiter Bremse ist glaube ich mehr Spielerei, da sie nurnoch Bestandsschutz bei landwirtschaftlichen Anhängern bis 25 km/h (dann kann man auch an einen auflaufgebremsten 40 km/h Anhänger überlegen)



Grüße
Sebastian
 
Servus,
rückbauen will ich die Anlage eigentlich nicht...daher ist mir der Aufwand eigentlich egal, wenn ich die Leitungen nachbiegen muss, dann ist es eben so. Sinnlos Geld zum Fenster für neue Ventile rauswerfen ist aber auch nicht zielführend.
Ich bin mir eben nur nicht sicher, ob überhaupt die richtigen Bauteile verbaut/angeschlossen sind, oder der Vorbesitzer groben Unfug getrieben hat. Das wäre nicht das erste Mal....

Schema aus dem WHB am Beispiel Absperrhahn Vorratsleitung: Den Hahn hab ich z.B. gar nicht, da Kopf mit automatischer Absperrung.
Andere verbaute Ventile (z.B. 2/2 Wegeventil, wabco 5710049000) konnte ich im Schema noch gar nichts passendes finden...

Sind eure Zwei-Leiter-Steuerventile pneumatisch angesteuert? Welche Bauteile habt denn Ihr drin?

VG Simon
 
Hallo,


bist du dir sicher, dass du im Werkstatthandbuch die richtige SA ausgewählt hast? Ich habe ja jetzt z.b. eine X beliebige für den 421.124/125 gehabt.
Beim 421 kann das stark anders aussehen, ob z.b. mit Alter Bremsanlage oder nach EG-Standard.

Danach kann man dann die Nummern vergleichen. Eventuell dazu noch mit dem Wabco Teilekatalog um zu sehen, ob du nicht eventuell gleichwertige Ersatzventile mit neuer Teilenummer hast.


Z.b. habe ich einen 421.123 da ist das System noch sehr simpel.
Das Bremssignal geht pneumatisch direkt auf die ein und Zwei-Leiter Ventile. Beide haben eine eigene, eingebaute mechanische Handbremsansteuerung.
Der auf Gelb bzw schwarz weitergeleiteten Druck kommt direkt von Kessel. Mit Druckminderer beim Einleiten.
Und Rot hängt auch direkt an Absperrhahn und Kessel.







Du kannst natürlich auch Reverse Engineering betreiben.
Wenn du was verbaut hast,dass nicht in Werkstatthandbuch steht wirst du das wohl tun müssen. Es sieht aber eigentlich relativ normal aus für einen späten 421
Was hält z.b. deinen roten Kupplungskopf davon ab luft zu führen? Was ist dazwischen in der Leitung?

Bekommen deine Ventile ein Steuer-Signal? Ist da Druck? Bekommen sie Luft zum Weiterleiten?

Dann immer was sind da für Ventile auf den Wegen, was könnte stören?



Grüße
Sebastian
 
Hallo,

die Skizze zur SA 35 617 passt noch am ehesten, daher habe ich mich bisher an dieser orientiert (WHB Kap 43.3 1.12.3).

Z.B. Folgende Unterschiede irritieren mich allerdings derzeit:

- Leitung von ALB-Regler zum hydropneumatischen Steuerventil in der Skizze eingezeichnet --> die Leitung gibts bei mir z.B. nicht
- Anhängersteuerventil 1-Leiter: In der Skizze sind 3 Anschlüsse belegt; bei mir ist aber die Leitung vom 2-Leiter-Ventil kommend mit einem T-Stück zwischen 1-Leiter-Steuerventil und 1-Leiter-Kupplungskopf angeflanscht

Steuersignal vom BKV kommt, das passt also.
Das Handbremsventil macht allerdings keinen Mucks (okay, das Gestänge von der Handbremse fehlt nocht, allerdings kann man das ja mit der Hand auch betätigen) und der Druck auf der Vorratsleitung fehlt (das kann ja dann nur dieses 2/2-Wegeventil sein? --> https://www.lkw-teile24.de/3/2-Wegeventil-WABCO-5710400000 ???)

Das hydropneumatische Steuerventil ist bei mir im Kopf auch noch ein großes Fragezeichen...
- Ist es das Ding auf der linken Seite am obigen Bild?
- Was macht das Ding, wenn keine Bremsflüssigkeit hin kommt?

VG Simon
 
Hallo,


ich kann die Zeichnung leider gerade nicht nachvollziehen, weil ich nur zugriff auf eingeschränkte Zeichnungen habe. Wo ich noch nicht so ganz folgen kann, ist das mit dem hydropneumatischen Steuerventil. Das heißt für mich eins mit hydraulischer Ansteuerung z.B. Bremsflüssigkeit und pneumatischer Ausgabe.
Im 421 sollten doch eigentlich rein pneumatische verbaut sein (zumindest in Deutschland)? Vor oder nach den Bremsversionen sind auch Zeichnungen, die die einzelnen Bauteile erklären.

Zu deinen Zweileiterventil findest du z.B. bei Wabco Prüfanweisungen.


Ventil.webp
1Luft von VorratVorratsdruck
2Luft zu gelber Kupplung
41Steueranschluss BK 1drucksteigend
42Steueranschluss BK 2drucksteigend
43Handbremsedruckfallend


Das erste, was wir aus der Tabelle lernen ist:
Die Handbremse ist Druck fallend, also wird sie bei fehlendem Druck betätigt. Heißt in deinem Fall: Wenn dein Handbremsventil nichts macht, dann sollte es immer ein Bremssignal für die Anhänger geben.

Vorausgesetzt natürlich, dass deine Versorgungsanschlüsse mit Luft versorgt werden. Ob da das Magnetventil eine Rolle spielt können wir dir nicht sagen. Wir wissen ja nicht, wo das genau verbaut ist, in welcher Leitung. Bei meinem 421.123 wird aber durch den Absperrhahn am roten Kupplungskopf sehr wohl die Versorgung zum 2 Leiter Steuerventil unterbrochen. Also gibt es bei dir vielleicht auch sowas. Es könnte aber auch für eine Voreilung sein.

Sollte die Handbremse gezogen sein, ergo kein Druck/Steuersignal auf den Port, sollte der gelbe Kupplungskopf Systemdruck führen. Der Schwarze 0 bar.

Wenn du die Handbremse gefixt hast, kannst du das andere Testen. Erst dann sollten die Betriebsbremssignale was wirken.


- Anhängersteuerventil 1-Leiter: In der Skizze sind 3 Anschlüsse belegt; bei mir ist aber die Leitung vom 2-Leiter-Ventil kommend mit einem T-Stück zwischen 1-Leiter-Steuerventil und 1-Leiter-Kupplungskopf angeflanscht

Da werde ich noch nicht schlau draus.

Vom 2 Leiter Ventil kommend. Was bedeutet das? Die Leitung 2 Leiter zu gelben Kupplungskopf oder welche? Das würde so kaum Sinn machen, da bei einer Bremsung 0 bar am schwarzen Kupplungskopf und Betriebsdruck am gelben Kupplungskopf anliegen.



Grüße
Sebastian
 
Ich bin mir gar nicht sicher, was das für ein Bauteil ist.
Gem. Skizze ist es das hydropneumatische Steuerventil, allerdings - wie du schon sagst - eigentlich ungewöhnlich wenn ich das hätte.

Vll gehen wir mal anders an die Sache ran:

- Welche Bauteile sind an die vom BKV kommenden Druckleitung angeschlossen? 2-Leiter-Steuerventil Anschluss 41 gehe ich davon aus. Und mittels T-Stücke noch ein weiteres?
- Anschluss 42: Wo führt dieser Anschluss hin Bzw kommt her, da drucksteigend?
- Anschluss 43: Handbremse, jedoch ist bei mir nochmal ein Bosch 0 481 007 016 zwischen geschalten. So korrekt?
- Anschluss 2 führt zum einen bei mir zum gelben Kupplungskopf sowie in Richtung 1-Leiter-Steuerventil, jedoch nicht IN das Ventil, sondern in eine vom Druckkessel bzw wabco 3/2 Wegeventil kommenden Vorratsleitung. Das Ein-Leiter-Ventil hat bei mir also 1 Zuleitung (wie eben beschrieben das T Stück aus Vorrat und 2-Leiter-Steuer-Ventil) sowie 1 Abgang, dem schwarzen Kupplungskopf. So ist es, aber macht das Sinn?

Oh man ist das alles blöd zu beschreiben...
 
Ich vermute mal, dass es eine EG-Bremsanlage mit Anhängerbremse Abreißventil und ALB ist. SA35 617. Das hängt der Vorrat nicht direkt am Kessel, sondern ein Ventil ist dazwischen.