Unlösbare Ackerschienenbolzen am 401er

Daniel_Buck

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06. Okt. 2003
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Blaubeuren
Hallo Schrauber,

wir haben am 401er eines Freundes ein Problem mit den beiden Bolzen,
mit denen die Ackerschiene an der Hinterachse befestigt sind.
Die Mist-Dinger gehen ums Verr... nicht auf!
unimog_401_hinterachse_rechts.jpg

Der Vorbesitzer hat vor Jahren das Problem \"Ausbau Ackerschiene\" pragmatisch mit der Flex gelöst ...

Wir haben bisher versucht:
- 1/2 Jahr regelmäßig Kriechöl
- der gute neue \"Belzer\"-Ringschlüssel mit aufgesteckter Verlängerung - leider gebrochen (zum Glück ein \"Garantiefall\" ;) )
- der große Druckluftschrauber der LKW-Werkstatt - nix regt sich
- die fette LKW-Nuss mit langer Verlängerung - der Unimog hebt sich, die Bolzen bleiben fest

Wie geht\'s jetzt weiter?

- Bringts was, die Bolzen für längere Zeit unter Spannung mit Kriechöl zu behandeln?
- Wärme: Wieviel Wärme verträgt diese Stelle?
- Hat jemand eine Schnitt-Zeichnung von Bolzen und Achse?
- Wo kriege ich evtentuelle Ersatzbolzen bzw. die Abdeckschrauben bei ausgebauter Schiene her?

Danke im voraus,

Daniel
 
Hallo Daniel!
Mein Beileid! Ich hab das Problem auch! Die Bolzen sind im laufe der Jahre mit dem Dämpfungsgummi verbacken! Ich hab auch schon alles probiert! Angefangen beim
Ringschlüssel mit 2 Meter Rohr als Verlängerung und Wagenheber drunter bis Druckluftschrauber! Da geht nichts! Wir haben es auf einer LKW - Grube mit vier Mann und Verlängerung geschafft, den Bolzen ca. eine viertel Umdrehung zu bewegen, dann war Ende. Eher hätten wir auch den Mog hochgehoben!! Die letzte Möglichkeit wäre vielleicht wirklich noch warmmachen. Nachteil: Dämpfungsgummi kaputt, Radvorgelege zu heiß? Ich denke, nicht besonders gut für Dichtungen und Simmeringe!

Gruß Christian

P.S. Die Bolzen gibt es noch bei Rainer Schmidt , habe ich meine auch her!
(Bei den Gummilagern besser nicht nach dem Preis fragen, sondern erst bestellen! ;) )
 
Hallo Christian,

in vorliegenden Fall mit der abgeflexten Ackerschiene dürften die Dämpfungsgummis doch nicht daran Schuld sein, dass die Schraube nicht aufgeht, oder?! Die Stummel könnten sich ja mit dem Bolzen mitdrehen, selbst wenn sie festgebacken sind? (Ein Stummel lässt sich frei drehen, der andere nicht)
Ich glaube ich durchschaue die Konstruktion nicht ganz, und hab auch im Werkstattbuch nix gefunden :casstet: Eine Schnittzeichnung wäre hilfreich - hat die einer?
Immerhin eine gute Nachricht, dass es die Bolzen noch gibt. Lassen sich die alten vielleicht zerstörend ausbauen, z.B. ausbohren?
Bei meinem 401er ohne Ackerschiene sind statt der Bolzen Deckel mit kleineren Schrauben montiert. Kann man die einfach rausdrehen bzw. was passieret dann?

Halbwegs verzweifelt,

Daniel
 
Daniel,

wir haben eine hartnäckige Kernlochschraube am Motor so herausbekommen.

Vorsichtiges Anwärmen des Motorblocks in der Umgebung. Dann Kriechöl rundherum eingesprizt. Das grelle Zischen zeugte von den inneren Vorgängen.

Ich meine, daß Ihr die Stelle auch schon ein wenig warmmachen könnt, mit ein wenig Geschick so, daß das Innengewinde ein wenig heißer bleibt als die Schraube. Nachher nicht abschecken!

Viel Glück!

Karl
 
Hallo Daniel
ich bin ganz neu hier und will deshalb nicht gleich vorlaut erscheinen. Ich hab\' ja auch keinen eigenen Unimog. Ich habe aber eben schon Stehbolzen an großen Kompressoren entfernt. Ich habe auch gelesen, daß es die Bolzen, die es hier auszudrehen gilt, noch gibt.

Deshalb als erstes die Bolzen besorgen, damit sind Bohrtiefen anhand der Bolzen abmessbar. Dann den Bolzenkopf mit der Flex langsam und mit ruhiger Hand in der Mitte bis auf das erste zu erhaltende Guß- oder Schmiedeteil spalten. Dieses Teil schonen. Sind U-Scheiben oder Distanz-Bleche oder das ursprünglich montierte Teil noch dran, ebenfalls mit der Flex spalten. U-Scheiben bzw. Teil (jetzt ja gespalten) ausschlagen und damit die Spannung aus dem Gewinde nehmen. (Vorher überlegen wie der Spalt sein muß damit man die Scheibenhälften beide ausschlagen kann) Flacheisen in Bolzenschlitz stecken. Ausdrehversuch mit normalem Ausdreher bzw. hier mit Nuß. Schlägt dieser Fehl, kräftiger stumpfer Hieb auf den Bolzen, der ja jetzt Richtung Gewinde frei ist. Nächster Ausdrehversuch. Manchmal hilft auch erst etwas Eindrehen unter Kriechölzusatz dann rausdrehen. (Aber das ist uns ja klar) Schlägt das alles fehl, genau im geflexten Spalt in den Gewindegang bohren. Dabei sind zwei Bohrungen genau gegenüber möglich. Bohrtiefe wie am neuen Bolzen abgemessen. Dabei wird zum ersten mal der Block in Mitleidenschaft gezogen, weil die Bohrungen zur Hälfte im Bolzen zur anderen Hälfte im Material verlaufen sollen. Also eher klein bohren. Vielleicht auch zwei kleinere Bohrungen statt einer großen pro Seite. Bohrungen mit Kriechöl füllen, das nun auch die hinteren Gewindegänge und den Sacklochboden erreicht. Ausdrehversuche wie vor. Schlägt das wieder fehl, Bolzen soweit abflexen, daß man ordentlich bohren kann, aber noch genug \"Leben\" für den Schlüssel bleibt und mittig in Stufen aber immer bis zum Sacklochgrund ausbohren. (Sonst bricht der Bolzen innerhalb des Blocks) Bohrtiefe vom neuen Bolzen abnehmen. Während des Bohrens \"kommt\" der Bolzen manchmal schon und dreht sich weiter ein. Deshalb vorher in die Öllöcher passende Bolzen oder Bohrer zur Blockierung stecken. Wenn er kommt, vorsichtig mit Flacheisen und/oder Nuß ausdrehen. Keine Gewalt! Wenn jetz was bricht wird\'s wirklich nicht leichter. Wenn die Ausbohrung genau mittig getroffen hat, werden die Öllöcher irgendwann gleichzeitig mit aufgebohrt. Das hakt dann gewaltig! Also Vorsicht und vielleicht die letzten mm eher aufreiben oder \"Drehmeln\" Hat man vier Öllöcher kann man jetzt den Steg zwischen den Löchern ausmeißeln und das schmale Bolzengewindestück rauspopeln. Anschließend hat man zwei Halbschalen im Gewinde, die man gefühlvoll mit einem Flacheisen (dem Schlüssel von der Flex) ausdrehen, mit der Zange einfach rausnehmen oder vorsichtig raushebeln kann.

Ich rate dringend nach so einer Aktion das erhaltene Gewinde im Block nachzuarbeiten oder nachzuschneiden. Sonst geht der nächste Bolzen womöglich schon beim Eindrehen fest.
 
Hallo Karl und Hinack (oder Henry?),

danke für eure Tips!

@ Karl:
Ich denke auch, dass 60 Grad oder so nicht schaden dürften. Denkst du (oder jemand anderes) dass es helfen könnte den Bolzen bei warmer Umgebung zu kühlen?

@ Hinack:
Vielen dank für deine grosse Mühe! Der Tip mit der entfernten Scheibe ist gut und leuchtet ein. Der müsste auch hier praktikabel sein. Völlig neu ist für mich die Methode mit den Kriechölbohrungen ins Gewinde. Auch ein guter Tip, aber im vorliegenden Fall bei diesem langen Bolzen kann ich mir nicht vorstellen, unter dem Mog so exakt zu bohren, zumal ich eher ein Grobmechaniker bin ... . Auch das \"normale\" Ausbohren traue ich mir bei diesem Kaliber von Schraube nicht recht zu.
Könnte man das Gewinde an zwei drei Stellen von der Seite schräg anbohren und Kriechöl ans Gewinde bringen?

Wir werden wohl im nächsten Schritt die Kombination
- entlastetes Gewinde in Längsrichtung
- dauerhaft belastetes Gewinde in Ausdrehrichtung
- dezent Warm / Kalt Wechsel
- viel Kriechöl
- Hammmerschläge auf den Bolzen
- Geduld
- Weizenbier
versuchen.

Gruß, Daniel
 
Hallo Daniel,

ich würde nicht versuchen schräg zu bohren. Damit verbaust Du Dir womöglich den Weg des normalen Ausbohrens. Außerden brauchst Du dafür einen sehr harten kurzen Bohrer, weil er sonst im Materialübergang wegläuft oder gleich dort bricht.

Was Du noch machen kannst, wenn Du denkst (hoffst) daß es das Kriechöl doch noch schafft: Durchbohre den Bolzen mittig bis auf den Grund des Sachlochs. Notfalls auch schon ohne daß der neue Bolzen da ist, Du merkst ja wenn Du durch bist. Dann kann das Öl dort von hinten wirken. Du kannst dann die Bohrung zustopfen und warten oder mit dem Kriechöl im Sachlochboden die Wärmeversuche beginnen.

Wärme zum Ausdrehen meint ja nicht so Warmwassertemperatur. Eigentlich erwärmt man die Umgebung ja deutlich höher. Vorher legt man entweder ein sehr schweres Werkzeug mit viel Wärmakapazität um den Bolzen oder schweißt besser noch ein großes Eisen am Bolzen an. (Manchmal reicht die Schweißerei auch schon, weil sich der Bolzen dabei ausdehnt und dann eher wieder auskühlt als der Block) Bei einem hohlen und relativ dünnwandigen Gußteil würde ich aber sehr sehr (...) vorsichtig sein (also eigentlich würde ich\'s garnicht machen), sonst reißt der Block und der Bolzen sitzt noch immer. Manchmal sind solche Bolzen nämlich leicht konisch und das gibt beim Eindrehen eine Mordsspannung im Material. Außerdem kann man nicht einschätzen was denn hier zu \"warm\" ist und wie der Rest der Bolzen, Ringe, Dichtungen, Fette ect. auf die Wärme und die anschließende Abkühlung reagiert. Normalerweise macht man die Wärmesachen ja an ausgebauten Blöcken bzw. dem letzten ungängigen Bolzen und versucht den ganzen Block möglichst gleichmäßig zu erwärmen.

Viel Erfolg und berichte, wenn\'s geklappt hat. (dreckige ölige Daumendrück)