Vorstellung unseres Projektes und OM 352 Fragen

Ana & Martin

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23. Apr. 2026
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Wilhelmshaven
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Moin aus Wilhelmshaven,

wir möchten uns kurz vorstellen.

Wir sind Ana und Martin - unser Traum ist es, per Schiff die Welt zu bereisen. Daher haben wir uns einen alten Stahlsegler gekauft und
sind von Bochum nach Wilhelmshaven gezogen, um das Schiff in Stand zu setzen. Unser Boot ist nicht das, was man sich im allgemeinen unter einer Segelyacht vorstellt -
hier im Hafen wird das Boot (aufgrund seines Gewichtes und Aussehens "der Panzerkreuzer" genannt) - eher Heavy Metal als Hochglanz.

vor dem Refit.webp

Das Bild ist schon älter, aktuell ist das Boot an Land und auseinandergebaut.

Beim Refit eines 45 Jahre alten Stahlseglers lernt man so allerlei, z.B. fange ich nun nach Elektrode und Schutzgas mit WIG Schweissen an - anders können wir uns all die notwendigen Arbeiten nicht leisten. (Ich habe mein Leben lang im sozialen Bereich gearbeitet, jetzt werde ich praktisch zum Schlosser)

Die Frage, warum ich all dies nun in einem Unimog-Forum poste ist schnell beantwortet: unser Motor, einen OM 352 haben wir vor zwei Jahren ausgebaut und nun ist das Schiff so weit saniert, dass der Motor wieder hinein kann. Jedoch werden wir das nicht tun, bis wir nicht sicher sind, dass der Motor auch in Ordnung ist. Der 352 MUSS zuverlässig funktionieren, dass ist sicherheitsrelevant. Also werden wir uns jetzt mit Dieselmotoren befassen müssen, insbesondere Ana hat da Lust drauf, "Maschinistin" zu werden.

bruce.webp

Dabei haben wir auf der Werft Unterstützung von netten, kompetenten Menschen, die uns Tipps geben - jedoch nicht die Arbeit für uns machen werden, dass müssen wir schon selbst tun - und das macht auch Sinn: Es wird kein Mechaniker mit auf Tour gehen.

Uns gefällt die Idee, einen zuverlässigen "oldschool" Motor zu haben, an dem man noch selbst arbeiten kann und der keine Firmware-Updates benötigt :) ..

Allerdings.. stoße ich auf einige Hindernisse. Es fängt damit an, dass wir keine Ahnung haben, welche Motorversion genau überhaupt vorliegt. Durch die Suche im Forum und das Lesen von Einträgen ist mir klar, wir haben einen OM 352, jedoch die Motor-Nummer 353.9xx... zeigt an, dass dieser Motor aus einer späteren Serie stammt - richtig ? Aber wieviel KW bei welcher Drehzahl? Für die Berechnung eines neuen Propellers nicht unwichtig..

Ich würde gern wissen, wie finde ich heraus, welche Leistung der Motor hat? Über die Einspritz Pumpe? Unterlagen haben wir keine. Wir haben das Werkstatt-Handbuch für 352 / 616 bei Kleinanzeigen besorgt, aber es klaffen viele Fragen zu Teilen und Teile-Nummern. Hier ein Foto des Motor-Typen-Schildes:



mb352.webp

und noch eine Nummer findet sich auf der anderen Seite:

IMG_0680.webp

Für sachdienliche Hinweise wären wir sehr dankbar.

Daran hängt auch direkt die nächste Frage.. Unser "Motor-Betreuer" im Hafen hat vorgeschlagen, wir besorgen einen kompletten Dichtsatz für den Motor. Der Plan ist, die Düsen überprüfen zu lassen und die Kompression zu messen. Wenn alles gut ist, dann wird es da keine größeren Operationen am offenen Motor geben. Die Wasserpumpe werden wir uns auch ansehen.

Allerdings.. welches ist der richtige Dichtsatz? Im Netz habe ich einen "ELRING 826.944" gefunden, passt der? Einen Turbolader haben wir nicht.

Gestern habe ich einen Lagerbock für den Motor gebaut, auf diesem soll die Überarbeitung stattfinden (und auch der Probelauf). Die Idee ist, als allererstes das Öl abzulassen und die Ölwanne (am Kran hängend) abzunehmen, den Ölfiter zu säubern und eine neue Ölpumpe einzubauen. Dann mit neuer Dichtung die Wanne wieder dran, den Motor auf den Bock und nun an die restlichen Arbeiten zu gehen. Ich freue mich über Meinungen zu diesem Vorgehen! (und.. welches ist die richtige Pumpe, und wo beziehe ich diese?)

Zum Thema Ölwechsel treibt mich zudem um: In einem Boot eingebaut kommt man ja nicht so richtig gut an die Ölwanne, diese hängt dann ca. 10 cm über der Bilge und man schaut von oben auf den Motor.. Über eine Grube fahren funktioniert da schlecht.. Wie würdet ihr Experten das lösen? Eine feste Absaug-Leitung am tiefsten Punkt installieren? Oder mit einer Vakuum-Pumpe von oben ziehen? Dabei habe ich mir beim Boot eines Freundes schon mal mächtig einen abgebrochen, der Schlauch fand seinen Weg nach ganz unten einfach nicht.. Wie würde der Könner das lösen? Wir möchten nicht beim ersten Wartungsintervall ein böses Erwachen haben..

Eine weitere Frage.. normalerweise fahren Boote einen sogenannten "nassen Auspuff", das bedeutet in die Abgasleitung wird zu Kühlungszwecken Seewasser gepumpt.. aber bei uns ist es natürlich wieder anders. Wir werden einen trockenen Auspuff bauen, dieser ist - wenn er richtig gebaut ist - betriebssicherer, d.h. er benötigt keinen eigenen Borddurchlass, keine Wasserpumpe etc.pp. - Aber, da wir ja im Hafen nicht schon über eine Seemeile zu hören sein wollen, muss ein Schalldämpfer her.. nur welcher? Welche Modelle sind geeignet? Wäre das Motorgeräusch eher tief, wäre ich persönlich nicht böse.;) Aber ich muss eher schauen, welches Modell passt in unsere Backskiste.. Hat jemand einen Tipp? Welche Kriterien muss ein Schalldämpfer erfüllen? Muss ja ggf. auch nicht "original" Mercedes sein!

So, jetzt haben wir eine Menge geschrieben und gefragt und hoffe auf Hilfe und Antworten.. aber auch ich kann etwas anbieten. Ich werde höchstwahrscheinlich einen zweiten OM352 bekommen, den ich als Teilespender verwenden kann. Dieser hat auch einen "Bowman" Abgassammler, den wir für den trockenen Auspuff benötigen. Es kann wohl sicherlich nicht schaden, für einen Motor so Dinge wie einen Ersatz-Anlasser o.ä. in entlegene Gebiete dieser Welt mitzunehmen.

Nur einen Motorblock von der Größe, der passt nicht in unser Ersatzteil-Schapp. Das könnte ich hier als Spende anbieten, plus aller Teile die wir in die Finger bekommen, aber nicht gebrauchen können.

So, jetzt bin ich mal gespannt ob wir in der Unimog-Community Unterstützung für unseren "Panzerkreuzer" finden können. Ich hoffe, dieser Post ist im richtigen Unterforum erfolgt, ansonsten gerne verschieben!

mit besten Grüßen,
Ana und Martin
 
Hallo Martin
erstmal einen kleinen Einstieg.
der Motor stammt vom U1000 und ist eine gedrosselte Version. Leistung und Drehzahl sind von der Einsellung des Reglers abhängig. der Wird aber gerne verstellt, um die Motorleistung zu erhöhen. Die original Leistungsdaten findest du im Tabellenbuch, das habe ich aber erst ab Sonntag wieder Zugriff.
Ich habe vor Jahren die Arbeit an einem zur Yacht umgebauten WaschPo Boot gemacht. Statt Ölablassstopfen habe ich eine Hohlschraube mit Ringöse und Absaugleitung angebaut, die bis über die Motoroberkante reicht. Mit einer Gewindemuffe verschließbar und ist vom Durchmesser groß genug, um einen Schlauch von gängigen Absaugpumpen einzuführen.
Später habe ich den Kahn auf die neuere Version 366A umgerüstet. der ist sparsamer und thermisch stabiler. Allerdings habe ich ein Nassen Abgaskrümmer gebaut. Dazu zunderfreie unf korossionsbeständige Rohre verwendet. Ist eine Einkreis- Zweikreis- oder Kielkühlung geplant?
Über den Zustand des Motors zu beurteilen bedarf es schon ein wenig mehr wie eine Kompressionsprüfung.Neue Haupt- und Pleuellagerschalen sind sehr Preisgünstig auch von renomierten Erstausrüstern am Markt verfügbar. Die Lagerschalen sind die wichtigsten Verschleißteile. Wenn
der Motor neu abgedichtet wird, muss die Kurelwelle zum erneuern der Burgmannring sowieso raus. Da pustestet der Motor immer raus, abghängig vom Kolbenspiel bzw daus resultierenden blow by und dann natürlich vom Kurbelwellenlagerspiel und dem Zustand des Burgmannring.
Nächte Frage bei einem Dauerläufer ist der Ölfilter. Es gibt eine Vielzahl von Varianten für den Motor, da der 352 und auch der 366 als Aggregat-Motor und als Schiffsantrieb angeboten wurde.
Wasserpumpe entweder neu Lagern und abdichten oder neu, gibt es am Aftermarket in großer Zahl, da würde ich wie bei der liuma über die Mitnahme eines Reserve-Teils nachdenken.
Nächste Frage wäre zur Größe der Lima, die Reisemobil-Umbauer bauen häufig auf zweite Lichtmaschinen um, teilweise getrennt für Aufbau und Antieb mit Umschaltung im Notfall.
Ist eine Hydraulik für die Ruderanlage geplant?
 
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Moin Helmut!

Vielen Dank für deine Antworten - wie klasse, das Du auch Erfahrung mit der Marinisierung derartiger Motoren hast!

Zu deinen Rückfragen: Wegen des Schwenkkiels geht eine Kielkühlung nicht - aber es ist sehr ähnlich - wir haben eine Außenhautkühlung. Diese ist im Unterwasserbereich des Achterschiffs verbaut und ich bin gerade dabei, die Kühltaschen dichtzuschweißen (das Boot hat einen Lagerschaden, es stand Wasser in der Achterkabine). Der Kühlkreislauf soll dann im Prinzip "drucklos" gefahren werden, in der Backskiste (am höchsten Punkt der Kühltaschen) habe ich einen Gewindeanschluss eingeschweißt, eigentlich um dort entlüften zu können - jedoch derzeit ist die Überlegung dort ein Steigrohr einzubauen mit Überlauf / Lüftung nach Außerbords. Ich hoffe, ich habe das nachvollziehbar erklärt.

Die Idee mit der Hohlschraube für den Ölwechsel finde ich sehr gut und werde das ggf. so bauen! (die Peilstab-Öffnung reicht dafür nicht aus?)

Zum Ölfilter.. da muss ich etwas weiter ausholen. Wir haben das Schiff übernommen - es war recht verbastelt - und der ehemalige Eigner war schon dement, den konnten wir nicht mehr fragen. Ich füge hier ein Foto ein mit dem, was ich für den Ölfilter halte. Dieser war im unteren Bereich des Motorblocks neben dem Luftpresser mit Schläuchen angeschlossen und relativ lieblos mit Lochband an die Wand des Maschinenraums geschraubt.


IMG_5259.webp
Ich habe diesen Zylinder (Ölfilter?) noch im Lager liegen, frage mich jedoch ob man das nicht besser lösen kann.. ?

Zum Thema Lichtmaschine: Es waren bei uns zwei verbaut, das würde ich auch wieder so machen wollen.

Die Ruderanlage wird über eine (manuelle) Hydraulikpumpe bedient (der Autopilot hat noch eine elektrische Pumpe).

Die wirkliche, hydraulische Aufgabe bei uns an Bord ist jedoch der Schwenkkiel, dieser wiegt ca. 2,5t. Das Boot wurde mehrfach umgebaut,
vorhandene Hydraulikleitungen legen jedoch nahe, das früher auch Schwenkkiel und Bugstrahlruder über eine hydraulische Anlage im Maschinenraum betrieben wurde, gibt es da eine clevere Variante, dies mit dem OM 352 zu tun? Derzeit wird das Hydrauliköl elektrisch gepumpt.

Beste Grüße aus Rüstersiel,
Ana & Martin
 
Hallo Ana & Martin
Der Kühlkreislauf soll dann im Prinzip "drucklos" gefahren werden,
Das wird nur mit einem Zweikreissystem funktionieren. Der Motorkühlkreislauf muss unbedingt als Überdrucksystem ausgelegt sein, sonst bildet sich Dampfblasennester. Dazu muss ein Wasser/Wasser-Wärmetauscher vrwendetwerden.. Auch der Außenhaut-Kreislauf muss druckdicht sein zumindest gegen den Förderdruck der Sekundärpumpe im Umlauf. Es gibt auch herstellerseitig einen weggebauten Ölfilter, der mit einem Flansch über Schlauchleitungen angeschlossen wird. ZU deiner gezeigten Ausführung der Filteranlage sage ich höflicherweise nichts weiter, da schmerzen schon die Augen beim Anschauen, von Betriebssicherheit ist das Konstruckt weiter entfernt wie Pluto von der Sonne. Dieses Gefrickel in typisch für den Self-made Bootsbauer. Damit würde ich aber nicht mal einen Probelauf durchführen.. Zumindest sollte ein reiner Hauptstromfilter vorhanden sein, beim OM352 gab es bei der Variante als Hauptstromfilter nur ein Siebfilter und im Nebenstrom einen Feinfilter. Spätere Varinten hatten wie der OM366 einen reinen Hauptstromfilter.
Das alte System hat zwei Nachteile. Zum einen wird der eigentliche Schmierkreislauf nur mit gesiebtem Öl betrieben, feinere siebgängige Partikel werden durch jede Lagerstelle gedrückt. Zum anderen wird der Feinfilteranteil vom Ölkreislauf abgezweigt und fließt sinningerweise nach der Filterung wieder "ungenutzt!" in die Ölwanne.
Dazu gibt von Daimler schon seit Jahrzehnten eine Umbauanleitung. Eine Beschreibung findest du hier in der Wissensdatenbank.
Ölwechsel über den Peilstab absaugen geht nicht vollständig, das Führungsrohr nicht bis zum "Boden" reicht, da verbleibt besonders bei dieser Variande der ÖLwanne ein großer Anteil in der Wanne.

Eine Hydraulikanlage wird so wie ich das sehe nur temporäre benötigt, Schwenkhydraulik für den Kiel und Bugstrahlruder werden ja nur kurzzeitig betrieben. Ruderanlage über Plungerpumpe ist mir bekannt. Die elektrische Pumpe fürden Rest ist da vorteilhafter, da sie nicht permanent dem Motor Leistung entzieht, kostet ansonsten nur zusätzlichen Kraftaufwand und somit nur Sprit. Grundsätzlich hat diese Motorvariante zwei mögliche Hydraulikpumpen, eine kleinere für die Lenkung und die größe für die Arbeitshydraulik. Die Riemenscheiben sind ja noch vorhanden.
 
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Lieber Helmut !
Vielen Dank für Deinen Input, die Umbau-Anleitung auf die neue Filterpatrone ist total klasse, das wären wir allein nie drauf gekommen und hätten sie im Leben nicht gefunden. Wir hatten bis zur Anmeldung in diesem Forum ja noch nicht einmal eine grobe Ahnung, welches Ausführung des Motors wir haben.

Das wird nur mit einem Zweikreissystem funktionieren.
Du hast natürlich recht: Wir haben ein Zweikreis-Kühlungs-System geplant, die Außenhautkühlung wird gegen den Förderdruck dicht genug sein, dass ist gerade in Arbeit. Entschuldige meine lückenhafte Beschreibung. Wir haben an der Stelle Kühlung / Abgas Unterstützung von einem Nachbarn, welcher in seiner beruflichen Laufbahn Bagger, Radlader etc. repariert hat, er hätte das sicherlich besser darstellen können.

(..) von Betriebssicherheit ist das Konstruckt weiter entfernt wie Pluto von der Sonne (..)

😂 Danke, dass Du unseren Eindruck bestätigt hast. Das war aber noch gar nichts gegen die elektrische "Installation", diese war wahrlich albtraumhaft und wurde einfach nur entfernt. Zum Glück hatte bei der Überführungsfahrt alles funktioniert und wir mussten nicht auf Hilfe des Begleitbootes zurückgreifen.

Gibt es eine "universale" Bezugsquelle für benötigte Teile (Lagerschalen, Dichtungen, Filterpatronen) - oder muss man da jeweils eine Netzrecheche starten? (wäre auch nicht das Problem, nur kauft man natürlich lieber aus gewohnter, zuverlässiger Quelle)

Beste Grüße,
Ana & Martin