Warum frisst mein 411 Kopfdichtungen?

stephan

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21. Juli 2002
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Hallo Leute,

irgendwas mache ich offenbar falsch. Mein 411 "frisst" Kopfdichtungen. So alle ein bis zwei Jahre ist die Dichtung durchgeblasen. das entspricht bei mir ca. 300-600km. :? Meistens zwischen Zylinder 1 und 2 durchgeschlagen, , mnachmal auch zwischen 3 und 4.
Dabei spielt es keine Rolle, ob es eine Original-Mercedes-Dichtung ist oder aus dem Zubehör, ob mit oder ohne die großen Wasserlöcher, ... zwischendurch musste ich mal den Motor wechseln aber der Dichtungsverbrauch blieb gleich, ca. 12 Dichtungen in 18 Jahren. Der jetzige Motor hat rund 600 Std auf dem Zähler, Kompression bei intakter Dichtung zw. 21 und 23 bar, das Kühlwasserthermostat ist am Zylinderkopf, keine Temperaturspitzen, kein Verzug am Kopf oder Block erkennbar (Haarlineal) ...

Scheint also ein massiver Bedienerfehler zu sein, oder? Was kann ich noch prüfen oder was muss ich zwingend bei der Benutzung beachten?
 
Hallo Stephan,

ein Bedienungsfehler liegt nahe, wenn unterschiedliche Motoren bei dir gleiches Verhalten zeigen. Dagegen spricht, dass gerade mit dem OM 636 alles mögliche angestellt wurde und er auch nicht immer gut behandelt wurde. In dem Bauzeitraum von 1949 bis 1992 ist zwar bekannt, dass der Motor thermisch schnell am Limit ist, aber dass er massenhaft Kopfdichtungen getötet hat, ist mir unbekannt.

Hast du alle Kopfdichtungen selber montiert oder ist das auch mit Kopfdichtungen passiert, die nicht durch dich oder die selbe Person montiert wurden? Das würde auf einen Montagefehler hinweisen.

Ich kenne einige OM 636 die nicht geschont werden, aber da halten die Kopfdichtungen.

Ich habe in 20 Jahren eine kaputte Dichtung am Österreicher repariert und fahre normalerwiese zu jedem Treffen (ca. 5000km / Jahr). Als wir über die Alpen gefahren sind, haben wir den OM 636 auch nicht geschont und er hat die 2050km ohne Murren absolviert. Du hättest also fast vier Kopfdichtungen dafür benötig.

Also an der Konstruktion des OM 636 liegt es sicher nicht.Was fährst du für ein Kühlmittel?

Gruß
Markus
 
Hallo Stephan,
Das ist wirklich ungewöhnlich! Du bist kein Langstreckenfahrer und deine Umgebung ist sehr hügelig.
Da könnte schon ein Hauptgrund liegen.
Ohne Grundlagenforschung zu betreiben würde ich jetzt mal diese neue Form der Kopfdichtung testen:


https://mogparts.de/de/unimog-ersatzteile-shop-details/137/6398/zylinderkopfdichtung-fuer-kolben-75-0-bis-76-5-mm-ajusa-636005aj-6360160620-6360161220

Falls Du das nicht auch schon ausprobiert hast
Die ist genau in den Bereichen verstärkt, wo deine Schäden auftreten.
Eine sorgfältige Montage setze ich bei dir Vorraus :wink:

Gruß
Jochen
 
Hallo Stephan
vorweg erst mal die Frage, was ist bei dir verbaut, zwei- oder drei-Wege-Thermostat? Der Zwei-Wege-Thermostat neigt ja bekanntlich zu Hitzestau in der Warmaufphase.
 
vielleicht auch mal einen anderen Drehmomentschlüssel zum Kontrollieren der Anzugsmomente verwenden und beim nächsten Wechsel auch die Gewinde der Kopfschrauben nacharbeiten . Ggf auch die Intervalle zum Nachziehen der Kopfschrauben verkürzen.
Viel Erfolg
Stefan Fuchs
 
Moin Stephan mit ph

die gleiche Frage habe ich mir auch jahrelang gestellt!!! :?

Pro Jahr war eine frische ZKD fällig :roll:

Einem Kollegen aus dem Nachbardorf erging/ergeht es ähnlich :wink:

Ursachenforschung war letztendlich ergebnislos!!!
 
Guuden,

ein nicht sachgerechter Umgang mit Drehmomentschlüsseln ist häufig zu bemerken. Ein Knack und gut ist, nicht mehrmals.

Zum Testen eine Stange auf den Vierkant des Drehmomentschlüssels stecken, den Kopf auflagern und am Ende der Stange ein Gewicht anhängen. Mittels des Hebelgesetzes lässt sich der eingestellte Wert anhand der Last prüfen.
Empfiehlt sich auch um ein Handgefühl für Drehkräfte zu entwickeln.

Gut Mog! Justus.
 
Aaalsooo:

@Markus: alle Dichtungen selbst montiert nach WHB. Über Kühlmittel habe ich mir noch keine wirklichen Gedanken gemacht. ich kann das nur anhand der Farbe unterscheiden. derzeit ist "blau" drin, war auch schon mal "grün", immer nach Angaben auf dem Kanister auf ca. -25°C eingestellt

@Jochen: so eine ZKD werde ich mal bestellen und einbauen, wenn die aktuelle "auf" ist. wird ja nicht so lange dauern :mauer

@Helmut: seit ca 10 Jahren das Dreiwege-Thermostat, original, nicht der Nachbau.

@Stefan: anderer Drehmomentschlüssel ist eine Idee, probiere ich direkt mal aus. Gewinde arbeite ich jedes mal nach (an den Schrauben und im Block).
 
Liebe Unimog-Freunde,

bei kritischen Schraubverbindungen heißt das zeitgemäße Verfahren "Winkelanzug". Beim Drehmoment gibt es einfach zu viele Einflüsse und Fehlermöglichkeiten.

Vielleicht kann ein Schraubenexperte die alten Vorgaben von MB in Drehwinkel übersetzen?!

Bei meinem letzten Arbeitgeber z. B. wurde die gesamte Montage von Verschraubungen an Hydraulikblöcken vor einigen Jahren komplett von Drehmoment auf Drehwinkel umgestellt, womit die Prozess-Sicherheit enorm gesteigert werden konnte.
 
Glysantin G05 ist gelb. Das nehme ich seit 16 Jahren für die Graugussmotoren mit 50% Mischung.

Eine selbst montierte Zylinderkopfdichtung ist mir noch nicht defekt geworden bei insgesamt 70.000 km mit OM636 im Unimog. Ich habe immer die Gewinde nachgeschnitten, neue Schrauben verwendet und die Dichtung absolut sauber und trocken eingebaut.
 
Hallo.
Wenns ein mitwandernder Fehler ist,würde ich doch erst einmal die mitverbauten Teile von dem einen zum anderen Motor kontrollieren.Als da ,meiner Meinung,nach wären: der Kühler.Gereinigt und überprüft? Das Thermostatgehäuse wurde,nehme ich an,auch gewechselt.Entlüftungsbohrung vom Kopf zum TG frei? Ich würde so oder so,die Entlüftungsleitung vom Kopf zum TG seperat zum Ausgleichsbehälter legen,also unten eine Verschraubung oder Verbindung einlöten und den Durchmesser um eine Grösse erweitern,also von M8 Hohlschraube auf M10,wg der ,meiner Meinung nach,erheblich besseren Entlüftungswirkung des Zylinderkopfes.Nicht zu verachten wären,wie schon beschrieben,die Gewindebohrungen im Block nachschneiden und bei Sacklöchern auf Sauberkeit zu achten,also reinigen und ausblasen,damit kein Dreck drinn stehen bleibt.Die Kopfschrauben werden bei uns immer und für alle Motoren die wir reparieren,mit Compound Fett von MTU eingeschmiert,inklusise der Auflagefläche der Schrauben am Zylinderkopf.Nicht vergessen natürlich das Nachziehen der Kopfschrauben im warmen Zustand des Motors.Für mein Verständniss ist bei allen Motoren der 636 Baureihe die Entlüftungssituation am Kopf zu klein/falsch bemessen und sollte so,wie beschrieben,geändert werden.
Gruss,Jörg
 
Hallo
bei kritischen Schraubverbindungen heißt das zeitgemäße Verfahren "Winkelanzug". Beim Drehmoment gibt es einfach zu viele Einflüsse und Fehlermöglichkeiten.
von wem stammt diese Theorie, gibt es dazu eine Fundstelle.
Auch heute ist Anziehen von "Standardschrauben" nach Drehmoment state of the art, klassisches Beispiel Radschrauben. Für Drehwinkelanzug werden Dehnschaft bzw heutzutage Dehnschrauben verwendet, die der Maschinenbauer dafür extra berechnet und konstruiert. Und als Startpunkt ist ein sorgfältiger Voranzug mit dem Drehmomentschlüssel Voraussetzung.
 
Wenn alle ueblichen Groben Fehler abgehakt sind kannst Du auch mal reflektieren ob es an der Bedienung liegt. Mal aus der Vogelperspektive betrachtet (ich meine nicht Mog -spezifisch) ist es Gift fuer Kopfdichtungen wenn man den Motor kalt voll belastet, bevor der Motor die Betriebstemperatur und damit die zu erwartende Ausdehnung erreicht hat, weil erst dann alles so passt wie das der Ingenieur mal geplant hat.
Andere Ursachen sind Luftblasen die beim befuellen im Kopf verbleiben und nicht entlueftet werden. Ich habe kein Detailwissen von Deinem Motor aber es gibt viele Motoren die extra Entlueftungsschrauben haben um solche Hohlraume zu fuellen.
Dass man sauber arbeiten muss und alle Altreste vor der Neumontage ist wichtig. Als letzte Idee : Du sagst dass der Kopf gerade ist. Wenn alles Andere abgehakt ist, wuerde ich beim naechsten Durchgang ( wenn Du wieder eine montierst) alles saubermachen und die Kopfdichtung beidseitig mit Tuschierfarbe faerben. Dann den KOpf auflegen und leicht hin und herbewegen, mal Kopf auf Dichtung und mal Dichtung auf Block bewegen, dann entnehmen.
Nun solltest Du erkennen ob es eine gleichmaessige Auflageflaeche ergibt oder vielleicht doch irgendetwas verzogen ist.
Viel Erfolg, Bernd
 
Hallo Stephan,
als du den Motor getauscht hast, hast du den Kopf vom alten Übernommen? Wie sieht die Oberfläche aus, eine rauhe Oberfläche, hat hier nichts zu suchen und in den Fällen wo mehrere Kopfdichtungen in kurzer Zeit fällig waren war dass das Problem.

Welches Maß haben die Zylinder und wie stark ist der Block geplant. Motoren in den letzten Reparaturstufen und zusätzlich Kolbenüberstand mögen die Kopfdichtungen nicht so gerne.

Hast du beim Umbau des Motors die Düsen übernommen? Wie spritzen diese ab?
 
Also die einzigen mitgewanderten Komponenten sind der User und dessen Drehmomentschlüssel. Alle Anbauteile wurden inzwischen schon mindestens einmal ersetzt. Drehmomentschlüssel werde ich mal prüfen bzw. leihweise einen Anderen nutzen.
 
Hallo Stephan,

es gibt noch eine kleine Gemeinheit: Wenn der Zylinderkopf von einem Motor aus dem 180D stammt, ist dort eine Entlüftungsbohrung im Wasserpumpengehäuse vorhanden, die verschlossen werden muss, wenn der Motor wie im 411 senkrecht eingebaut wird bzw. ist. Siehe Bild

Bei offener Bohrung und senkrechtem Einbau ist die Wärmeabfuhr aus dem Motor gemindert.
 

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ich glaube nicht, dass der aus einem 180D stammt. Der Motor hat einen Stundenzähler und beim Kauf hatte der schon die typischen Unimog-Anbauteile wie ESP mit Unterdrucksteuerung, passende Ölwanne, passenden Krümmer, passender Ventildeckel. Der Vorbesitzer sagte, dass der aus einem 411 war.

Drehmomentschlüssel passt, Hazet vom Nachbarn liefert die gleichen Ergebnisse.

Was mir heute noch aufgefallen ist: Bei der ZKD (Zubehör) war ein Beipackzettel. Die Reihenfolge beim Anziehen ist anders als im WHB und beim Kontrolldurchgang sollen die Schrauben erst 90° gelöst werden und dann nochmal mit 8 kpm angezogen werden. Was haltet ihr davon?
 
Hallo Stephan,

... Schrauben erst 90° gelöst werden und dann nochmal mit 8 kpm angezogen werden ...

So habe ich es jedenfalls gemacht. Ist eine Art Krankengymnastik für die stocksteifen Schrauben und den Zylinderkopf. :wink:
 
Hallo Stephan,

ich vermute das Du alles richtig gemacht hast, nur der Motor wird zeitweise zu heiß, weil die Anzeige nicht die richtige Temperatur anzeigt und
dann kommt es immer mal vor das die Kopfdichtung den Geist aufgibt.
hier: https://www.unimog-community.de/phpBB3/fernthermometer-sehr-ungenau-t83329.html

Gruß
Wolfgang