Hallo
ich habe da so einige Bedenken..
Das Argument, moderne Öl seien wegen der "Überadditivierung" nicht geieignet, würde ich nicht gelten lassen
Öle altern im Motor nach wie vor durch gleichen Einflüsse.
Feinste Metallpartikel wirken katalytisch, die Doppel- oder Dreifachbindungen können unter Belastung (Temperatur, Druck, Scherung) aufgespaltet werden. So können sich zwei kurzkettige Moleküle zu einem längerkettigen Molekül zusammenschließen, das Öl wird steifer.
Beim Dieselmotor bilden sich bekanntlich Stickoxide, die in Verbindung mit H2O als Säurebildner bekannt sind. (saurer Regen). Besonders Vorkammermotore bilden in der heißen Vorkammer besonders schnell NOx-Verbindungen.
Das geht nur mit teuren chemischen Klimmzügen, die andererseits möglichst wenigen Nebenwirkungen haben sollen. Diese modernen Öle sind deshalb nicht für Oldtimer geeignet, falsch- und überqualifiziert und unnötig teuer.
Um die o.a. Folgen zu vermindern oder zumindest zu bremsen, haben moderne Öle entsprechende Additive. Sie vermindern nicht die Schmierfähigkeit sondern sondern sorgen dafür, dass diese länger erhalten bleibt , weshalb moderne Öle deutlich längere Ölwechselintervalle erlauben.
Es kann durchaus sein, dass eine Ölsorte/Marke irgendwann aus den Bevolisten gestrichen wird. Ursach kann z.B. sein, dass Bestandteile/Additive verwendet werden, die den sich wechselnden Ansprüche an Umweltverträglichkeit nicht mehr entsprechen. Oder der Herstelller hat die Rezeptur geändert und nicht mehr erneut zur Überprüfung vorgestellt.
Es gilt also Öle mit Rezepturen zu finden, die den damaligen Spezifikationen entsprechen.
aus oben genannten Gründen kann ich diese Erkenntnis nicht teilen.
ob die Klassifikation dann genau stimmt, ließe sich nur in Reihenversuchen an historischen Motoren prüfen, was natürlich nicht mehr machbar ist.
die Reibparameter haben sich bei gleicher Materialpaarung nicht geändert. Es werden in Prüfmaschinen diese Reibparameter erzeugt und sind auch heute noch gültig
Dabei werden keine ganzen Motore als Prüfmaschinen eingesetzt sondern ganz spezielle Prüfstände für jede zu prüfende Eigenschaft. (ein kleiner Hinweis sei mir gestattet, ich habe im engeren Familienkreis jemanden, der ist für den Bau und Betrieb solcher Maschinen bei einen Hersteller dieser Prüstände mitverantwortlich ist, es werden dort u.a. Schmiermittel im Auftrag von Lagerherstellern auf ihre Eignung geprüft.)
Sofern ein Öl das geforderte Viscositätsverhalten erfüllt, ist es für die Schmierung im Normalfall auch in alten Motoren geeignet.
Die Schmierwirkung im Lager erfolgt durch den hydrodynamischen Schmierkeil. Je stabiler der Viscositätsverlauf ist, (hier sind die Additive gefordert), um so stabiler ist der Schmierkeil im Lagerspalt über den Temperaturverlauf. Ein weiterer kritischer Punkt ist die Übergangsreibung von Festkörperreibung auf Flüssigkeitsreibung. Beim Start dauert es eine gewisse Zeit, bis der Ölkeil aufgebaut ist. Bei der anfänglichen Festkörper- bzw Trockenreibung ist es vorteilhaft, wenn gute Trockenschmiereigenschaft durch EP-Zusätze erreicht werden. Hier punkten die modernen Öle ganz besonders, da die heutigen Lagermetallstärken deutlich geringer sind als früher und für die Funktion bei häufigen Starts solche Zusätze lebensnotwendig sind. Deshalb halten die modernen Motoren deutlich länger. Ein moderner LKW-Motor wird für 1 Mio Km ausgelegt, bei deutlich höheren Belastungen wie der OM636 im 411. Natürlich sind diese Eigenschaften auch beim Start eines älteren Motors vorteilhaft, der Verlauf Trockenreibung-Übergangsreibung-Flüssigkeitsreibung trifft dort genau so zu.
Da in diesem Thema der Fokus auf dem OM52 liegt, sind die Eigeninterpretationen zum OM636 nicht zielführend, die 300er Baumuster sind in den Bevolisten auch aktuell explizit aufgeführt. Diese sind sowohl für die neueren Baureihen der 400er und 500er und 900er Baumuster wie auch der 300er Baumuster gültig. Die alten PKW-Baumuster sind zwar nicht mehr gelistet, entsprechen aber in der Werkstoffpaarung den 300er Baumuster, weshalb diese schon als Richtlinie angesehen werden dürfen.
Aus meiner Studienzeit erinnere ich mich an die Berechnung hydrodynamisch geschmierter Lager, maßgebende Parameter sind Drehzahl, Viscosität, Spaltbreite, Lagerbreite und Oberfläche. (Maschinenelemente, 2. Semester) , fühle mich aber nicht dazu befähigt, spezielle Empfehlungen zu Ölen zu geben. Das überlasse ich Fachleuten, wobei Maketingberater und Verkäufer oder sonstige Krämerseelen die hier ihre Produkte an den Mann bringen möchten, in meinen Augen nicht zu diesen Fachleuten gehören. Wohl eher aber die Herrausgeber der Bevolisten.
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