Hallo Jürgen,
in der Tat können eine nur angebrochene, also nicht vollständig zerbrochene, Gleitbuchse und eine mäßig krumme Kolbenstange im Betrieb unauffällig sein. In dem zuletzt dokumentierten Fall war die angebrochene Gleitbuchse nur zufällig entdeckt worden, weil Dichtungen erneuert werden sollten. Den Zylinder erhielt ich zunächst auch nur zum Erneuern der Gleitbuchse.
In einem anderen Fall erhielt ich einen Zylinder lediglich mit dem Auftrag "neu abdichten". Da ließ sich die Stangenführung erst mit äußerster Gewalt von der Stange abziehen, weil die Stange stark verbogen war. Der Besitzer hatte vorher nichts gemerkt. Erst im Nachhinein konnte er sich an ein regelmäßiges Knackgeräusch beim Einlenken erinnern.
Krumme Stangen werden bei mir durch neue ersetzt. Meist sind nämlich auch die Oberflächen durch die Krümmung ungleich verschlissen und eine Nacharbeit wäre sehr aufwändig.
Die relativ dünne Kolbenstange ist für eine maximale Belastung von 11 kN auf Knickung berechnet und entsprechend über das Druckbegrenzungsventil in der Lenkungspumpe mit 70 bar abgesichert. Wenn der Zylinder ohne Hubreserve eingebaut ist, der Kolben dadurch an den bodenseitigen Endanschlag gefahren ist und dann einen kräftigen Schlag abbekommt, kann die Stange im Zylinder ausknicken. Um das zu vermeiden ist die Hubreserve (beidseitig) vorgesehen, die durch die Lenkanschläge einzustellen ist. Der Lenkhilfezylinder ist also anders zu betrachten als ein normaler Hydraulikzylinder, der üblicherweise in die internen Endanschläge gefahren wird.
Von einem extremen Schaden kann ich noch berichten, der nach einem Unfall vorlag. Der Unimog 421 war geradeaus gefahren, als ein Pkw vorne schräg auf das rechte Vorderrad prallte. Der hohe Impuls (Masse mal Geschwindigkeit) erzeugte eine Druckspitze im Zylinder, die vom Druckbegrenzungsventil in der Pumpe nicht genügend abgebaut werden konnte. Deshalb verbog die Kolbenstange und der Zahnring der Pumpe ging zu Bruch.