Hallo Guido, hallo an alle,
die vielen Sitzplätze waren ein "Merkmal" von Kramer, das erst bei der kantigen Baureihe Ende der 60-er (KL450 bis KL600, 14-er Reihe) verlassen wurde. Unser Kramer 350 Export (mit der Duroplast-Haube)hat auch noch 5 Sitzplätze. Als Kinder haben wir tatsächlich zu zweit dort gesessen 8)
Überhaupt sind die Sitzplätze auf den Kotflügeln eine urdeutsche Angelegenheit, die speziell den stark parzellierten Kleinbetrieben mit hohem Handarbeitsanteil geschuldet war. Dein Bild zeigt ja auch Menschen, die auf dem Weg ins Heu oder zur Getreidemahd unterwegs sind. Gerade Süddeutschland hatte historisch entstanden winzige Parzellen, die kaum mechanisierbar waren. 5m breite Felder waren bis weit nach dem ersten Weltkrieg die Regel. Selbst auf den Äckern standen teilweise Obstbäume! Da kamen die ersten Kramer, Fahr, Fendt gerade richtig: Mähen, kleinen Hänger ziehen und - viele Leute transportieren, die mit der Sense, dem Handrechen und der Gabel - aber auch dem Spaten! die Arbeit machten...
Ich kann mich noch an meine Kinderzeit erinnern, wenn unsere Streuobstwiesen gemäht wurden. Da konnte kaum mit dem Mähbalken gefahren werden, das meiste musste mit der Sense gemäht werden. Erst mein Vater machte in den 70-ern den Bäumen ein wenig "Luft", dass zumindest der Allgaier Porsche AP17 - damals noch ohne Umsturzbügel - drunter durchpasste und man nur noch den Bart um die Bäume von Hand mähen musste.
Das restliche Europa hatte zu dieser Zeit bereits wesentlich größere Einheiten zu bewirtschaften und Maschinenarbeit setzte sich wesentlich früher durch. In England beispielsweise waren die Flächen zu dieser Zeit im Schnitt mehr als 5 x so groß. Die Einmannarbeit war da vor dem 2. Weltkrieg bereits der Standard - deshalb reichte der Muschelkotflügel auch aus - der in Deutschland aus Sicherheitsgründen verboten war, weshalb es die MF und Ford in einer extra deutschen Ausführung gab: Ford baute die Kotflügel komplett und MF baute an die Muscheln einfach ein Blech an.
Grüße
Holger