Der Unimogvirus & Ich - Meine Unimoggeschichte

Liebe UVGler,
das Ziel ist in Sicht, das Ende naht: es sind noch 3 Gschichten bis zum Ende der UVGs zur Restauration von meinem Mogl. Diesmal geht um die Gschicht der letzten Montagen und um den TÜV.
Wie in der letzten UVG geschrieben, ist die erste TÜV-Vorstellung ins Wasser bzw. vielmehr ins Hydrauliköl gefallen.
Am nächsten Morgen bin ich früh raus, in die Werkstatt. Da stand er nun, wie ein begossener Pudel und leicht inkontinent mit kleinen Ölpfützen vor und hinter den Rädern :cry: .
Ich kurz den Kopf geschüttelt über meine eigene Schussligkeit, dann tief durchgeschnauft und weiter gings, alle Tore aufgemacht und hab die herrliche Sonne reingelassen. Diese hätte ich schon beim Unimog-Oben-Ohne-Fahren genießen können, wenn mir nicht dieses dämliche Malheur passiert wäre. Aber Jammern half jetzt nichts. Es war jetzt ja zeitlich sehr absehbar und das Fahren in greifbarer Nähe.
Also Unimog aufgebockt, das Radkreuz geschwungen :technik , alle vier Räder runter, Trommeln abgezogen und die Beläge und Trommeln mit Bremsenreiniger gesäubert. Der fachmännische Blick von meinem Verwandten sagte mir, dass sowohl die Trommeln und die Belege noch gut waren und das Öl nicht tief eingedrungen war. Also musste ich nichts neu investieren.

Glücklich und erleichtert hab ich dann die Trommeln und Felgen wieder montiert. Diesmal hab ich den Schlagschrauber zu Hilfe genommen, die Demontage hatte meine Arme schon müde gemacht, obwohl es erst vormittag war, war ich trotzdem flügellahm.
Den nächsten TÜV-Termin hatte ich in zwei Tagen bekommen. Also war am zweiten Tag noch Zeit für die Verdeckmontage. Ich hatte noch nie ein Cabrioverdeck montiert, konnte aber eigentlich nicht so schwer sein. Ich wollte es Verdeck im eingebauten Zustand auf dem Gestänge verkleben. So dachte ich mir, war eine optimale Lage und Spannung gewährleistet. Wichtig war vor allem, die Original Spriegellage zu finden. Dafür hatte ich mir extra die alten Spanngurte aufgehoben und das alte Verdeck. Nur die Spanngurte waren seit Tagen mehr auffindbar. Aber ich wusste ganz genau, dass Sie noch da waren. Kennt Ihr das Gefühl, wenn mal immer wieder mehrmals die Woche an einem Teil, das irgendwo liegt vorbeiläuft und einen an eine noch zu erledigende Arbeit erinnert und man denkt, ja genau, das muss ich noch machen. Jetzt war das noch machen soweit, nur konnte ich mich nicht mehr erinnern, wo ich mehrmals die Woche an diesen Gurten vorbeigelaufen bin. Es war zum Heulen :cry: . Ich habe Alles an meinem Restaurationsort abgesucht. Mein Gedächtnis lies mich im Stich. Kurzerhand habe ich mich entschlossen, bei einem Sattler neue Bänder zu kaufen und die Position würde sich dann schon ergeben. Genauso brauchte ich auch neue Schrauben und Unterlegscheiben. Zum Glück hatte ich davon Bilder, wie es original aussah. Also konnte ich mir passende Blechschrauben aus dem großen Sortiment bei meinem Verwandten aussuchen, die Unterlegscheiben gab´s bei Werner in der Eisenwarenhandlung. Der Werner hat sich gefreut mich mal wieder zu sehen. Auf seine Frage: „Bist jetzt bald fertig?“ konnte ich mit einem strahlenden Lächen antworten: „Ja, heute ist TÜV, Morgen geht´s auf Jungfernfahrt zum Königssee :D “.
Also zurück zum Verdeck. Ich hab als erstes das komplette Verdeckgestänge, das ich schon vor einigen Wochen zusammengebaut hatte, am Unimog verschraubt. Dann den Exzenter, mit dem die Verdeckspannung eingestellt wird, auf minimal eingestellt, die Verdecklaschen unten an der Führerhausbordkante eingehängt und die Lederlaschen durchgezogen. Beim Einhängen in den neuen alten Haken, der aus dem Farbeimerhenkel hergestellt wurde, müßte ich schmunzeln, da die Bilder davon vorbeizogen.
Jetzt hatte das Verdeck nicht mehr viele Freiheiten. Es konnte am vorderen Spriegel auf der Windschutzscheibe nur nur stramm gezogen und etwas seitlich verrutscht werden. Ich hab das genau so gemacht, dass die Faltenbildung minimal ist. Jetzt musst des Verdeck vorne zum Verschrauben der Spanngurte nur noch fixiert werden. Nur wie :?: Stoff bzw. Wäsche wird normalerweise mit Wäscheklupperl befestigt. Warum nicht? Also beschloss ich es mit hölzernen Wäschekluppern zu machen. Die hatten noch ordentlich Anpressdruck. Also kurz die 2 km zum Elternhaus gefahren, und den Wäscheklupperleimer von meiner Mutter geplündert. Da waren ausreichend Holzklupperl drin. Nix wie zurück, den Stoff gespannt und ausgerichtet und dann ca. alle 5 – 10 cm eine aufgesteckt. Der Stoff hielt jetzt richtig fest.
Jetzt konnte ich ans Einziehen der Spanngurte gehen. Allein das Umwickeln und Verschrauben am Spriegel war schon eine richtige Fummelarbeit. Aber einen Unimogschrauber schockt so schnell nichts mehr. So, jetzt waren beide Spanngurte fix. Jetzt konnte es an Verkleben gehen. Tage zuvor hatte ich mich schon informiert, welchen Kleber ich nehmen sollte. Ich wusste nicht, ob ich dafür Spezialkleber brauchte oder ob es ein ganz normaler Patex tut. Es tat der Patex und tut es bis heute. Das hatte ich mir zuvor aber vom Sattler meines Vertrauens bestätigen lassen. Es ist schön, wenn man die richtigen Leute kennt, die man fragen kann, oder jemanden kennt, der weiß, wen man fragen muss!
Also Patex drauf und feste angedrückt. Davor habe ich noch die Lochposition am Spriegelende ausgemessen, damit ich im verklebten Zustand die Schraublochposition für die Fixierschraube der Verdeckdichtung wiederfinden kann.
Es war vollbracht :party . Das Verdeck war verklebt, es musste nur noch trocknen. Dafür hatte es noch gute zwei Stunden Zeit. Das sollte reichen. Es war jetzt 14:30 Uhr, um 16:45 Uhr hatte ich Termin. Die Zeit konnte ich noch nutzen, die alten Schusternägel, die ich im väterlichen Keller aufgetrieben habe (zum Glück konnte er sich daran erinnern, dass wir so was haben und wo diese waren) in den neuen seitlichen Holzleisten einschlagen. Da ich das Verdeck nicht nochmals abschrauben wollte, um auf festen Untergrund die Nägel einzuschlagen, habe ich einfach mit einem großem Hammer „gekontert“. Es ging auch so.
Es war bis auf die Pritsche vollbracht. Es war auch Zeit, aufzubrechen. Diesmal lief alles reibungslos. Der Start, die Fahrt, diesmal geschlossen, nur hinten ohne Pritsche.
Intensiv wurde der Unimog begutachtet und bewundert, egal es welcher Perspektive er betrachtet wurde, es war alles in Ordnung. Ich bekam neuen TÜV :mrgreen: . Überglücklich hielt ich den Schein in Händen :party ! Am meisten freute mich nicht die Tatsache des bestandenen TÜVs, daran hatte ich keine großen Zweifel, sondern vielmehr die Tatsache, dass ungehindertem oben ohne Fahren jetzt nichts mehr im Wege stand und sich mein jahrelanger Traum erfüllt hatte, der bestandene TÜV war für mich der Abschlussmeilenstein, die Pflicht. Jetzt kam die Kür. Die Hochzeitszeitsreise an den Königssee. Am nächsten Tag sollte es frühmorgens losgehen. Ich wollte da aber einigermaßen komplett sein. Also ging es schnell wieder zurück, dort warteten schon Kollegen aus der Werkstatt, die mir bei der Montag der Pritsche behilflich sein wollten. Zum Glück hatten die es nicht so eilig, am Freitag Nachmittag nach Hause zu kommen, sondern standen noch gemütlich auf ein Bier zusammen, das natürlich auf mich ging : trink2 .
Jetzt ging es an eine der letzten Hubwagerl-Euro-Palettenfahrten. Viele male hatte ich schon im Laufe der Restauration Arbeitstische, Kisten und Komponenten, die auf rangierbar auf Europaletten standen, quer durch die Werkstatt und dem Hof davor geschoben. Jetzt stand eine der letzten Fahrten an. Kurz die Pritsche auf der Palette vor die Werkstatt gezogen, dort stand schon der Stapler bereit. Dank dem Steinbock und zwei helfenden Händen war die Pritsche schnell auf den Unimog bugsiert. Ohne Pritsche sah er schon verdammt gut und martialisch aus, aufs Wesentliche reduziert, Kabine für Fahrer und Beifahrer, der Rest Arbeitsmaschine, aber mit Pritsche war es halt einfach praktischer. Dann noch den Kippzylinder von unten verschraubt und kurz die Kippfunktion gestestet. Kipper kippte. Dann kamen zum Schluss noch die Bordwände. Eigentlich fehlte jetzt noch der Frontkraftheber und die Stoßstange. Aber dafür hatte ich keine Lust mehr. Die Unimog stand zu sehr verlockend mit seiner offenen Fahrertür da. Er lud sehr verlockend zu einer Ausfahrt ein. Da konnte ich nicht widersehen. Mit TÜV-Segen und breitem Grinsen :D :D bin auch zu einer ersten Testfahrt in die Umgebung aufgebrochen und über die Dörfer und die herrlichen Landstraßen im bayrischen Oberland gefahren. Es war unvergleichlich und ist schwer in Worte zu fassen. Ich lasse es lieber. Ich glaub jeder von Euch kann sich grob vorstellen, was dies für Glücksmomente für mich waren.
Wie es weiter geht erzähl ich Euch morgen in der Gschicht über die Hochzeitsreise zum Königssee.

Viele Grüße
Euer Martin
 

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Begutachtung von unten
TÜV erfolgreich! Zur Feier das Tages auch das gute Mercedes-Käppi aufgezogen!
Die letzten Palettenfahrt ...
 

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wenn das mal nicht nach einer Einladung zu einer ersten ausgiebigen Probefahrt aussieht? :party
 

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Hallo Martin,
wie ich sehe hast Du schon einen Küchenanschluß, und deine "Köchin"? ;) rührt im Bauschutt .
In welchem Forum schreibst Du die:
Hausvirus & Ich -Meine Hausgeschichte
die ist bestimmt genauso unterhaltsam, wie die Unimoggeschichte hier.
Für deine Geschichten :danke

Bis demnächst :trink
 
Servus Christian,
gute Augen :respekt , es gibt Gulasch morgen und :trink! Willst vorbeikommen? Dann könnten wir auch das mit der Hackschnitzel- vs. Stückholzheizung klären? Ich fürcht nur, das Baustellgulasch ist etwas hart und grobkörnig :wink: . Und der Küchenanschluss ist der alte, der steht zukünftig in der neuen Toilette .....

Ich fürchte die Gschicht mit dem Haus kriegt den Titel: "unendliche Geschichte", da war meine Unimogrestauration Peanuts dagegen. Letzte Woche hatten die Köchin und ich gemeinsam Baustellenkoller :( :( . Verzweifelt saßen wir da und fragten uns, warum machen wir das Alles. Aber zum Glück kannte ich solche Downs aus meiner Unimogrestauration. Es war beruhigend zu wissen, dass so was ganz normal ist und wieder vergeht und nichts schöner ist, wenn es fertig wird und vor allem die Vorfreude darauf :D ..

Viele Grüße
Martin
 
Hallo Martin,

und wieder mal bin ich extrem beeindruck, wie du es schaffst mich mit deinen Geschichten in den Bann zuziehen. Beim lesen deiner UVGs hat man das Gefühl mittendrin und dabei zu sein.
Also auch von mir vielen :danke
Ich werden deine Geschichten vermissen, da ich immer auch die nächste warte. Ich verstehe dich, das du dich auf den Hausumbau konzentrieren willst. Ich hatte, als ich mein Haus gebaut hatte, auch keine Zeit um nebenher irgend etwas anders zu tun. Ich freue mich auf jeden fall auf die restlichen UVGs.

Gruß Peter
 
Hallo Martin,

obwohl du das Thema erledigt sehen willst, muss ich nochmals darauf zurückkommen. :wink:
Sicher gibt es hier genug Spezialisten, die mit einem Blick ein kleines Teil sofort an den richtigen Platz in den Tiefen und Weiten eines Getriebes zuordnen können, aber davon allein lebt dieses Forum nicht. Diese Spezialisten werden gebraucht, wenn die richtige Frage auftaucht, um dann die richtige Antwort zu geben, was natürlich wichtig ist, aber ohne Menschen die eventuell zum ersten Mal einen Unimog reparieren oder restaurieren bräuchte man diese Spezialisten auch nicht. Das Forum lebt aber auch durch interessant geschriebene Geschichten über alle möglichen Reparaturen und Dinge am und um den Unimog.
Deine Geschichte ist für Viele hier interessanter als ein Schnittbild eines technischen Teils, einfach weil Viele deine Arbeit zumindest im Ansatz nachvollziehen können, aus eigener Erfahrung oder auch aus Erzählungen oder auch weil sie selbst vor der Entscheidung stehen dies zu tun.
Und dann ist deine Geschichte die eines Menschen der zum Spezialisten wurde, der sich an die Restaurierung gewagt hat und du nimmst manchen Kollegen die Bedenken und sich machen sich auch dran und produzieren im absolut besten Fall auch so eine schöne Geschichte......

Grüße

Ralf
 
Servus Peter, Servus Ralf,
heute komm ja ich aus dem Thanken gar nicht mehr raus. :D

@Ralf,
das ist eine interessante Sichtweise, so hatte ich es noch gar nicht gesehen. Schön, wenn es so einen Abstrahleffekt hat und andere motiviert, es auch anzugehen und dann vielleicht sogar noch darüber zu schreiben. Würde mich sehr freuen.

@Liebe UCler, also haut rein in den Schraubschlüssel und in die Tasten. Und wenn das Objekt der Begierde fehlt, plündert das Konto und erfüllt Euch Euren Traum. Ich hab es gemacht und bis heute nie bereut. Wenn Ihr Unterstützung beim Kauf, Restauration braucht, seid ihr hier in der UC richtig, aber beachtet bitte dabei die Netiquette.

So und jetzt muss ich mich kurz fassen, ich will eben noch für die Frühaufsteher von morgen die Guten-Morgen-UVG einstellen. Für den einen oder anderen wird es vielleicht die Gute-Nacht-UVG werden. Wie auch immer, viel Spaß beim Lesen.

Viele Grüße
Euer Martin
 
Moin Martin,

Dein Mog ist fertig, und bevor Du Dich in den (Bau)mutter-Schutz begibst, solltest Du Dein Avatar ändern!!! :wink:
 
Liebe UVGler,
die zweite Hochzeitsreise bzw. die erste richtige stand an. Es ging an den Königssee, zum großen Unimogtreffen. Am Abend davor war die gelungene TÜV-Abnahme. Jetzt war der Unimog fast komplett. Für die Stoßstange war keine Zeit mehr, denn ich hatte noch ein paar andere Dinge vorzubereiten. Plan war es, die 150 km hin und die 150 km zurück an einem Tag zu fahren. Da wollte ich zumindest einen Mindestumfang an Werkzeug dabei haben. Als erstes hab ich die Original MB Gabelschlüssel eingepackt, die ich vom Verwandten geschenkt bekommen habe, dann noch eine Ratschn + Nüsse und Ringschlüssel + Spezialschlüssel für die Bremsleitungen. Damit es nicht klappert, habe ich alles in ein Handtuch eingewickelt und unter dem Beifahrersitz verstaut. Nicht zu vergessen das Erste Hilfe Set und das Warndreieck. So, dass müßte es langsam Alles gewesen sein. Es war auch langsam Zeit, heim zu fahren und ins Bett zu gehen. Ich wollte am Samstag morgen um 7 Uhr los fahren und auf der Strecke den Kollegen, den jemand anders, den Albert treffen, der mir den Unimog vermittelt hat und der in der Zwischenzeit zu einem guten Spezl wurde.
Ich war ziemlich aufgeregt, aber dennoch sind mir die Augen ziemlich schnell zugefallen, das monatelange Schrauben am Wochenende hatte seine Spuren hinterlassen. Am nächsten Morgen brauchte der Wecker gar nicht erst klingeln. Ich war schon vorher wach. Als erstes bin ich zum Fenster, Rolladen hoch und geschaut was für Wetter war: es war herrliche Morgenstimmung mit tiefblauen Himmel und sah nach einem herrlichen warmen Sommer-Sonnentag aus. Perfektes Cabriowetter.
Also kurz gefrühstückt, eine Brotzeit für unterwegs geschmiert, dann ab in die Werkstatt, Werkstatttore auf und Unimog rausgefahren und dann das erstemal die Tore wieder zugemacht, ohne dass der Unimog drin stand. Leute, war das ein herrliches Gefühl: fast unbeschreiblich und unbezahlbar.


Es ging auf Tour: ca. 300 km und das bei dem Wetter. Und dann noch großes Unimogtreffen. Mit mulmigen Knien bin ich eingestiegen und losgefahren. Permanent hab ich gelauscht, hört sich was seltsam an, ist alles in Ordnung? Das Problem war zu beurteilen, ob alles in Ordnung war. Ich war zwar mit dem Unimog mittlerweile per Du bzw. sehr intim, ich habe ihn bis auf den nackten Rahmen zerlegt, aber fahr- und geräuschtechnisch bzw. hinsichtlich Fehlererkennung beim Fahren waren wir uns noch ziemlich fremd. Kein Wunder: Ich bin vor der Zerlegung gerademal 150 km gefahren, das wars, und das in ca. 2 Monaten. Die Restauration hat ca. 4mal so lange gedauert.
Trotz der Ungewissheit wurde ich von Kilometer zu Kilometer ruhiger und ich konnte die herrliche Landschaft um mich herum immer mehr geniessen. Die Berge, die Wiesen, die kleinen Dörfer und die positiven Reaktionen von den anderen Verkehrsteilnehmern.
 

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Gleich hinter Tölz kam mir ein Landyfahrer mit getrecktem Daumen entgegen. Das motivierte. Weiter gings es über kleine Nebenstraßen bis zum Treffpunkt mit "dem anderen", dem Albert. Es war ein herzlicher Empfang, und natürlich wurde erstmal kurz inspiziert. Aber dann mußten wir los, wir parkten vor einem Friseurgeschäft, dessen Besitzer nicht mehr länger bereit waren, uns da parken zu lassen. Also sind wir zu zweit weiter in Richtung Königssee.

Zu zweit hat das gleich viel mehr Spaß gemacht. Ich war vorn und konnte Albert immer im Rückspiegel beobachten. Es war wie ein Treffen von zwei Brüdern was die Unimogs anging. Nur Alberts hat Scheibenbremsen, meiner Trommel, ansonsten waren Sie ziemlich gleich. Halt, nicht ganz: er hatte das große, ich das kleine Verlagerungsgetriebe, aber so was läßt sich ändern (hab ich in der Zwischenzeit auch). Die Berge um uns rum wurden höher, das Tal schmäler und das ganze noch imposanter. Mein OM352 schnurrte vor sich hin und lief sehr gut, zwischen 84 bis 87 km/h in der Ebene. Es war so eine Wohltat dem Motor zu lauschen. Es war Entspannung pur und Belohnung für das monatelange Schufften.
 

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Zwischendrin hatte ich auch gecheckt, aber was tropft oder ausläuft, aber es war Alles in Ordnung. Nur ab und zu blieb das Gaspedal etwas hängen. Als erste Pause gab es zur Belohnung ein Eis. Da haben Albert und ich uns mal kurz dem Gaspedal angenommen. Die innere Motorhaube aufgemacht und geschaut, wo es herkommt.
Das Gestänge ging etwas über den Totpunkt der Feder bzw. die Feder hatte nicht immer ausreichend Rückzugskraft. Also habe wir die Federeinhängung am Motorblock etwas schräger oben verschraubt, damit mehr Zug drauf kam. Jetzt funktionierte es wieder tadellos. Nach dem Eis ging es weiter durch die herrliche kurvenreiche Landschaft. Nach einigen weiteren Kilometern war dann Zeit für eine zünftige Mittagspause. Auf der Sonnenterrasse von einem Berggasthof schlemmten wir und genossen den Blick auf unsere Mogs. Nach einem schönen Espresso ging es weiter in Richtung Königssee.
 

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Dort kamen wir am frühen Nachmittag an und stellten uns mit zu den anderen unzähligen Mogs und MBTracs auf die Wiese. Ich hatte das Gefühl, dass viele Mogbesitzer sich gegenseitig kannten und natürlich auch die dazugehörigen Mogs. Insofern war ich bzw. vielmehr mein Mog Frischfleisch und wurde sofort eingehend begutachtet.
Ich hielt mich als Besitzer unerkannt in der Nähe auf und lauschte. Stimmen kamen hoch wie „der hoat aba no nix g´arbert“, „neue Kotflügel hät a Si aba a no leistn kenna, bei dem was der ois gmacht hat“, „uuiii, der hoat sogar Ledersitz“, nur mein Spezl der Albert und der Luggi, der beim Kauf dabei war, sagten anerkennend. „Des hoast guat gmacht!“. Eine der Kleinigkeiten fiel dem Spezialisten Luggi natürlich auf. Ich hatte zum Schluss bei der Bremsenreinigungsaktion auch die Achssterne frisch lackiert, zumindest drei davon, den vierten hatte ich übersehen. Ich dachte ich hätte schon alle vier gemacht. Dem Ludwig ist der unterschiedliche Glanzgrad bzw. Farbton von vorn zu hinten aufgefallen. Hut ab!
Für mich war es das erste Unimogtreffen überhaupt. Also hab ich mich etwas umgesehen, was noch so da war. Natürlich hab ich mir als Erstes die anderen 406 angesehen, besonders die mit Frontkraftheber. Ich wollte meinen die nächsten Tage verbauen. Also hab ich ein paar Bilder geschossen, wie es aussehen bzw. verbaut werden muss, vor allem die Leitungsverlegung.
 

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Besonders beindruckt haben ich neben den martialischen 406er-Forstunimogs auch die alten kleinen, besonders die mit Patina. Die Frösche und 2010er hatte meine besondere Aufmerksamkeit. Interessanterweise sollten dies genau meine nächsten Unimogs werden.

Nach ein paar netten Unterhaltungen ging es ab ins Bierzelt. Im Gegensatz zu meinem Spezl, der sein Zelt Huckpack dabei hatte, musste ich mich zurückhalten. Ich wollte ja schließlich wieder zurückfahren. Aber zuerst wurde auf meinen Mog angestossen und gevespert. Dann noch ein Rundgang. Leider war dann schon erste Aufbruchsstimmung. Der eine oder andere verließ mehr oder weniger spektakulär die Wiese über den direkten Weg über einen kurzen Steilhang zur Straße.
 

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Ich fuhr nach dem Verabschieden erstmal zur Tankstelle, füllte auf und trat dann die Heimreise an. Diesmal stand das schnelle Heimkommen im Vordergrund, also wollte ich nach dem Genießen der ca. 40 Kilometern Passstraße und der zugehörigen Bergkulisse auf die Autobahn, auf die A8 in Richtung München.


Ich war schnell oben auf der Autobahn, nur da mußte ich mich erstmal zurecht finden. Ich kannte die Autobahn bisher als Autofahrer, Auffahren, Gas geben, Blinker setzen und auf die mittlere oder linke Spur wechseln. Jetzt fuhr ich auf einmal mit Vmax auf die Autobahn und es war nichts mehr mit Gas geben und Blinker setzen. Daran muss man sich erst mal gewöhnen. Genau so ungewöhnlich war die Sitzposition. Die ungewöhnliche Sitzposition fällt einem normal gar nicht so auf, wenn man nicht im Stadtverkehr oder der Autobahn unterwegs ist. Man sitz ziemlich weit oben, ziemlich weit vorn, hat dank offenen Verdeck eine geniale Rundumsicht. Ansonsten sitzt man bei einem Cabrio eher ziemlich tief und die Rundumsicht ist aufgrund der modernen Sicherheitsanforderungen durch die massiven A-Säulen und die flache Windschutzscheibe eher eingeschränkt. Ganz anders der Unimog. Also erstmal kurzes Eingewöhnen und Orientieren. Die rechte Fahrspur war die meine, na nicht ganz, eigentlich die der Lkws, die gerne dicht auffuhren. Im Vergleich zu einem Pkw auf die ich herunterschaute, fühlte ich mich wie ein König, aber im Vergleich zu den riesig wirkenden Lkws, die mir im Nacken saßen und mit einer Differenzgeschwindigkeit von 5-10 km/h an mir vorbeizogen, fühlte ich mich eher wie eine Ameise. Mein Mog fährt in der Ebene ca. 87 km/h. Dann dreht aber der Motor um die 2700 Umdrehungen. Das tut mir im Herzen weh, es hört sich an, als wenn jeder einzelne Kolben und Pleuel heulen und schreien würde, „tu´s nicht!“. So kann man zwar mit den langsamen Lkws mithalten, aber der Motor hält halt dann auch nicht lange. Also runter vom Gas, 80 km/h sind auch ok und lass die Lkw ruhig an Dir vorbei ziehen. Es hat eine Weile gedauert bis ich etwas entspannen konnte. Nur die Verkehrssituation wurde dann etwas angespannter, es war Stau. Stop an Go Verkehr mit dem Unimog. Das ist nicht gerade das, wofür er ausgelegt wurde. Es war gutes Oberschenkelmuskeltraining.
Neben mir fuhr seit einigen Minuten ein BMW immer auf gleicher Höhe, dessen Fahrer immer wieder zu mir rüber schaute und dann anfing zu gestikulieren. Ich verstand aber nichts, er lies seine Scheibe herunter und rief mir etwas zu. Dank OM352 verstand ich immer noch nichts. So ging es über einige Kommunikationsversuche weiter, bis kurz darauf der Verkehr fast zum Erliegen kam und der Motor war leiser war. Jetzt verstand ich ihn. Er wollte wissen, ob ich ihm den Unimog verkaufen würde. Er hätte großes Interesse. Ich schüttelte den Kopf, nein tut mir leid und dachte mir, Träume verkauft man nicht, man erfüllt Sie sich. Der Verkehr wurde immer zäher und ich beschloss dann herunter zu fahren von der Autobahn. Parallel lief eine schöne Landstraße. Da fühlte ich mich wohler. Zumindest die ersten Minuten, denn es zogen ziemlich dunkle Regenwolken auf und die ersten Tropfen liesen nicht lange auf sich warten :( .
 

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Also hab ich kurz angehalten und versucht das Verdeck zu schliessen. Das war alleine und mit wenig Erfahrung nicht ganz so einfach, gelang aber auch dann irgendwann mal. So jetzt noch Aussteigen und die Scheibenwischer an der richtigen Position einhängen. Ich hatte leider das Gestänge ja nicht ganz in der korrekten Stellung verschraubt. Jetzt konnte es weiter gehen in Richtung Heimat, zuerst auf der Landstraße, dann wieder auf der Autobahn. Wenig später klarte der Himmel wieder auf. Meine erste Aktion war nach der Autobahnabfahrt, das Verdeck wieder aufzumachen. So kam ich offen wie am Morgen, 330 km weiter, 12 Stunden später und viele Erfahrungen und Erlebnisse reicher wieder zu Hause an. Bis auf die Kleinigkeit mit dem Gaspedal hat der Unimog seine Jungfernfahrt mit Bravour bestanden. Überglücklich gönnte ich mir daheim das eine oder andere Bier, jetzt durfte ich und schlief dann überglücklich ein :D . Mein jahrelanger Traum war in Erfüllung gegangen.

Viele Grüße
Euer Martin

P.S.: Jetzt werdet Ihr Euch vermutlich fragen, welche dritte UVG noch kommt. Das war doch eigentlich jetzt der krönende Abschluss. Eigentlich schon, aber dann doch wieder nicht. Ja, eine UVG kommt noch. Der Unimog war noch nicht ganz komplett und vor allem hatte ich noch nicht allen Beteiligten Danke gesagt. Die beste Art und Weise, dies in Bayern zu machen, ist ein Weißwurstfrühstück. Davon möchte ich Euch in der letzten UVG zu meiner Mogl-Restauration am Sonntag berichten. Am Montag, ganz zum Schluss gibt es noch ein Nachwort bzw. einen Erfahrungsbericht, auf Neudeutsch „lessons learned“, das ist aber keine UVG mehr.
 

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Servus Martin,

willst Du uns testen? Deine Fotos sind mir nicht plausibel. Bäume belaubt, Sonne hoch im Zenith, T-Shirts und kurze Lederhosen ... oder ist in Südbayern schon Sommer?
 
Hallo Christoph,

ja, Martin will Dich testen.
er möchte gerne wissen ob du alles liest oder nur Bilder schaust.
Du scheinst dann ja wohl ja zu letzerem Klientel zu gehören. :wink:
Eigentlich habe ich dich aber anders in Erinnerung. :D :D

Das Treffen am Königsee war in den letzten Jahren immer im August. Dazu passen die Bilder. Martin hat ja auch irgendwann 2010 mit seinen Aktivitäten begonnen.
Es ist hier also nicht alles LIVE, dafür aber um so interessanter.

Hallo Martin,
Du hast uns hier eine tolle Berichtsserie abgeliefert, dafür vielen Dank. Und Hut ab vor der Restauration und auch dem Mut hier alles so penibel ehrlich zu schreiben.
Ich kann verstehen, dass Du Dich jetzt wieder anderen Dingen mehr widmen willst, das geht auch voll Inordnung. Wäre ja noch schöner wenn wir Dir darein reden könnten oder dürften.
Aber ich gehe davon aus, dass Du doch das eine oder andere Mal wenn wiedermal alle Knochen vom Schuften schmerzen Gelegenheit und Muße findest hier rein zu schauen und zu SCHREIBEN in Deiner besonderen netten und kurzweiligen Art.