OM636 kein Ventiltrieb nach Überholung

RomanH

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14. Jan. 2016
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Schleswig-Holstein, Kreis Segeberg
Moin zusammen,

ich habe am Wochenende endlich meinen OM636 zum laufen gebracht.
Den Motor habe ich vorher komplett zerlegt und gereinigt.
Motorinstandsetzer hat den Block gebohrt und gehohnt, neue Kolben, Kurbelwelle geschliffen, Pleullager neu und eingepasst.
Kopf alle Ventile neu, Kopf geplant, Kipphebelwellen neu, Vorkammern neu.
Einspritzpumpe komplett überholt, Düseneinsätze neu, Leitungen sowieso..
Nockenwelle, Nockenwellenlager und Stößelstangen vermessen und ok.
Dichtungssatz von Reintz hat Instandsetzer bestellt.
3-Wege Thermostat von MogParts verbaut
Neue Wasserpumpe
Nachdem ich den Motor dann zusammengebaut hatte, Förderbeginn und Ventile eingestellt, Kühlflüssigkeit eingefüllt, hab ich den Motor zunächst ohne Glühkerzen per Hand durchgedreht. Dann mit Anlasser. Öldruckkontrolllampe ging nach kurzer Zeit aus. Die Öldruckanzeige ging auf 2 Bar. Dann erster Startversuch und der Motor war auf Schlag da. Kurz hell gequalmt, dann nur kurz leicht schwarz bei kurzen Gasstößen. Lief ohne Probleme auch im Stand. Öldruck zwischen 6 und 7 Bar im (leicht erhöhten?) Stand.
Bin nach ca 5 Minuten kurz ums Eck Kühlwasser holen und als ich zurück kam war der Motor aus.
Beim anschließenden Startversuch hörte ich ein rhythmisches “klacken“ im Bereich des Stirndeckels bzw Seitendeckels bei der ESP. Ventildeckel abgenommen und Lüfterrad mit Hand gedreht. Ventiltrieb ohne eine Regung. Stößelstangen haben kein übermäßiges Spiel (einige ohne einige lassen sich mit den Fingern drehen.
Sieht wohl so aus als wenn sich die Nockenwelle nicht mehr dreht. Was kann da passiert sein????
Motor ist noch im „Prüfstand“ eingebaut...
Als nächstes Stirnraddeckel ab? Kann da was abgeschert sein? Wird wohl ein kapitaler Schaden sein :-(
Und wer bis hier gelesen hat - sorry für den langen Text :-)

Viele Grüße
Roman
 
Hallo Roman,

da kann man nur spekulieren. Vielleicht hat sich das Pumpenwellenrad von der Pumpenwelle gelöst, weil die Mutter nicht richrig fest gezogen war und die Mutter klappert nun im Steuergehäuse.

Gruß
Markus
 
Moin Roman,
Du beschreibst nur grob, was gemacht worden ist. Inweit waren die einzelen Baugruppen zerlegt? War z.B. das Antriebszahnrad für die Nockenwelle von der Kurbelwelle ab? Eventuell wurde die Passfeder vergessen? Selbiges könnte an der Nockenwelle der Fall sein. Überprüf doch mal jetzt FB, wenn der nicht mehr stimmt haben sich die Wellen verdreht und das geht nur wenn die Passfeder fehlt.
Viel Erfolg
Thomas
 
Hallo Markus,
wenn dem so wäre, dann würde doch aber die Nockenwelle drehen und ich hätte Bewegung an den Kipphebeln - hmm

Hallo Thomas,
wollte mit dem Anfang nicht zu sehr ins Detail gehen damit es nicht zu lang wird und unwichtiges erwähnt wird.
Also - der Motor war komplett zerlegt zum überholen und auswaschen. Nockenwellenrad als auch Kurbelwellenrad waren ebenfalls demontiert. Beim Zusammenbau habe ich auf die Markierungen der Steuerzeiten geachtet und alles mit Drehmoment nach Whb angezogen.

Passfeder vergessen eher nicht - kann mich noch gut erinnern wie ich die Passfeder der Kurbelwelle nach mehreren Anläufen endlich drin hatte. Andererseits ist es das einzige erklärbare.
Wenn ich den Lüfter drehe, dreht die ESP übrigens mit. hört sich so an als wenn das Nockenwellenrad keine Verbindung zur Nockenwelle hat..

Ich werde nicht drum herum kommen mal den Steuerraddeckel abzunehmen und zu schauen ob sich da etwas verabschiedet hat, Hoffentlich kein kapitaler Schaden.

Viele Grüße
Roman
 
Hallo Roman,
die Einspritzpumpe wird aber über ein Zahnrad angetrieben was auf dem Nockenwellenrad sitzt. Wäre das lose oder Abgescherrt würde sich die Pumpe auch nicht mit drehen. Hast du den Deckel der Stößelkammer mal abgenommen?
 
Hallo "MOG" Freunde,

eigentlich gibt es nur zwei Möglichkeiten-
1. Der Keil, der in der Kurbelwelle sitz ist abgeschert od. nicht verbaut.
2. der Stift durch Zwischenrad und Nockenwellenrad zur Nockenwelle geht, greift nicht mehr in der Nockenwelle ein/ abgeschert.

& Hannes, Die ESP dreht sehr wohl, die Räder greifen ineinander.
Gruß
Wolfgang
 
Hallo Wolfgang

Das Kurbelwellenrad treibt das Nockenwellenrad an, und auf dem Nockenwellenrad sitzt das Rad welches die Einspritzpumpe antreibt. Ist das Kurbelwellenrad nicht in Bewegung durch fehlenden Halbmond oder was auch immer würde sich die Einspritzpumpe sicher nicht drehen. Beim 2. Punkt gebe ich dir in sofern Recht, wenn der Zapfen zwischen Nockenwellenrad und Nockenwelle nicht vorhanden ist, dass sich dann die Einspritzpumpe dreht, dann könnte sich die Schraube auch aufgrund der Drehrichtung losdrehen und das Nockenwellenrad mit aufgestecktem Antriebsrad für die Einspritzpumpe drehen. Der Stift der Nockenwellenrad und Antriebsrad für ESP verbindet geht aber nicht bis in die Nockenwelle durch.

Damit sollten wir den Übeltäter gefunden haben, auch wenn ich hier eine abgescherrte Nockenwelle liegen habe, wovon ich jetzt nicht ausgehe. Gebrochene Stirnräder hat es auch schon einige gegeben gehört hier aber auch nicht hin. Mich wundert viel mehr, das die Schraube fürs die beiden Räder nicht ganz herausgedreht hat, sodass diese immernoch eine Achse für die Räder bildet und die Kräft aufnimmt um die ESP zu drehen.

Erst gab es die Schrauben die Esp-Antriebsrad und Nockenwellenrad hielten mit Sicherungsblech, später nur noch mit Wellscheibe.
 
Hallo Hannes,
so sehe ich das auch.
Wie Roman schreibt: (wenn ich den Lüfter drehe, dreht die ESP übrigens mit. hört sich so an als wenn das Nockenwellenrad keine Verbindung zur Nockenwelle hat..)

Ein abgescherter Stift/ oder nicht tiefgenug sitzender, dass hatte wir schon mal.

Ich bin auf das Schadbild gespannt, wenn die Nockenwelle nicht mehr dreht und der Kurbeltrieb noch gedreht hat - dann befürchte ich ein
größeren Schaden wie Ventile/Kolben.

Gruß
Wolfgang
 
Hallo zusammen,
habe gerade den Stirnraddeckel demontiert. Ursache gefunden. Die Schraube vom Nockenwellenrad hat sich gelöst, der Zapfen der in die Nockenwelle greift ist dadurch Richtung Stirnraddeckel gewandert und hatte keinen Eingriff mehr in die Nockenwelle.
Also genau so wie ihr es beschrieben habt. Keine Ahnung wie das passieren konnte - vermutlich hab sie nicht richtig angezogen. Zumindest ist die Schraube nicht korrekt mit dem Sicherungsblech gesichert gewesen.
Jetzt ist die Frage welche Folgeschäden das verursacht hat. Als die Nockenwelle stehen geblieben ist waren folgende Ventile geschlossen (ich konnte die Stößelstangen drehen, kein übermäßiges Spiel wenn man das überhaupt so bewerten kann).
Bei Ventilfolge AE EA AE EA waren Nummer 2, 5,6 und 8 geschlossen.
Seitendeckel hab ich ab - keine offensichtlich krummen Stößelstangen zu erkennen. Steuerzeiten wieder eingestellt und Kurbelwelle mit der Hand durchgedreht - dreht frei. Ventilspiel noch nicht gemessen. Aber kein Ventil welches jetzt offensichtlich mehr Spiel hat. Feierabend für heute.
Wo soll ich euerer Meinung nach weitermachen? Können die Ventile / Stößelstangen / Kopf was abbekommen haben?
Soll ich eine Wellscheibe statt des Sicherungsbleches für die Sicherung des Nockenwellenrades nehmen? Muss eh neu bestellen...

Vielen Dank für euere Bemühungen :-)
Roman
 
Hallo Roman,

prüfe ob die Ventile noch abdichten -( Leckagen Prüfung Druckluft - nötigenfalls Zylinderkopf abbauen)
Wenn das Zwischenrad für eine Sicherungsscheibe ausgelegt ist, würde ich die auch verbauen.

Räder.jpg

Die untere ist für eine Wellscheibe

Gruß
Wolfgang
 
Hallo zusammen,

habe heute die Ventileinstellung nachgemessen und folgendes Bild erhalten:
In Klammern Ventilstand als die Nockenwelle stehen geblieben ist. Geschlossen heisst Stößelstange ließ sich mit Fingern leicht drehen -> Ventil entlastet
1. Zylinder
Auslass 0,30
Einlass 0,25 (geschlossen)

2. Zylinder
Einlass 0,20
Auslass 0,25

3. Zylinder
Auslass 0,20 (geschlossen)
Einlass 0,20 (geschlossen)

4. Zylinder
Einlass 0,15
Auslass 0,25 (geschlossen)

Ventilspiel entsprechend auf 0,25 eingestellt.
Dann - wie von Wolfgang empfohlen - Luft auf die Zylinder gegeben. Druckverlusttester habe ich nicht, daher Adapter aus alter Glühkerze gebaut. Druck ca 2,5Bar. Es war auf allen Zylindern (nacheinander...) ein gleichmäßiges Rauschen zu hören - als wenn man an einer Muschel horcht :-) Es strömte leicht Luft aber es war definitv nicht herauszubekommen wohin die geht. Weder aus der Ansaugbrücke, noch aus dem Abgaskrümmer, Kurbelgehäuseentlüftung.. Kühlwassereinlauf.. Ölpeilstab ..
Flammenprobe mit Feuerzeug -nix, mit der Hand zuhalten keine Veränderung, Finger vom Einweghandschuh drübergestülpt - keine Regung.
Wo geht die Luft hin? Drehe ich die Kurbelwelle ein Stück weiter, so das das entsprechende Ventil leicht öffnet, fliegt der Finger vom Handschuh gleich weg (Ansaugbrücke bzw Abgaskrümmer). Drehe ich weiter komme ich irgendwann in den Verdichtungstakt wo ich nur noch mit ""Gewalt"" weiterdrehen könnte - hab ich nicht versucht. Auf allen Zylindern das gleich Bild.
Zur Zeit sind Ventildeckel und Stirnraddeckel demontiert und ich habe das Gefühl als wenn dort die Strömungsgeräusche lauter sind - aber auch da kein Luftzug zu spüren.
Kompression hab ich noch nicht gemessen. Bin nicht sicher ob das geht wenn der Stirnraddeckel ab ist - nicht dass mir da das Motoröl rausläuft...

Viel schlauer bin ich nicht - außer das ich Hoffnung habe, das doch nicht soviel zerschossen ist (?)Andererseits ist der OM636 ja kein Freiläufer - oder irre ich?
Was tun? Doch Druckverlusttester organisieren? Kompression prüfen?

@ Wolfgang - Danke für das Bild mit den Nockenwellenrädern - ich habe das obere - also mit Sicherungsblech.

Viele Grüße
Roman
 
Hallo Roman,

ich denke das ein/zwei Kolben Berührung mit Ventilen hatte, ich würde den Z-Kopf abschrauben.

Ich habe mal eine Nockenwelle so hingedreht, wie Du geschrieben hast.

Nocke.jpg

Gruß
Wolfgang
 
Hallo zusammen,

endlich mal ein Update... in den letzten Tagen war es einfach zu kalt zum Schrauben in der unbeheizten Halle.

Ich habe mich entschlossen den Kopf runter zu nehmen. Ein erster Blick auf Kolben und Ventile ließ mich hoffen.

Aber seht selbst...

Hier sieht man das "Mitnehmerrad" der Nockenwelle im Stirnraddeckel
[album]7893[/album]

So präsentierte sich der Mitnehmer im Nockenwellenrad nachdem ich dieses abgenommen habe. Der Stift ist soweit rausgewandert, daß er keinen Eingriff in die Nockenwelle mehr hatte. Dadurch, das die Schraube sich ja gelöst hatte, ist das Nockenwellenrad evtl ebenfalls etwas in Richtung Stirnraddeckel gewandert. Zum Glück keine Feindberührug mit dem Stirnraddeckel.
[album]7894[/album]

Zum Vergleich - so soll es aussehen...
[album]7895[/album]

Zylinderkopf / Ventile nach Demontage des Kopfes:
[album]7896[/album]

Dichtheitstest mit Benzin ohne ersichtlichen Befund - kein Ventil lässt auf den ersten Blick den Kraftstoff durch.
Reihenfolge der Bilder nicht in Folge der Zylinder. Kommentare daher zu den Bildnamen erwünscht :-)
[album]7897[/album]
[album]7898[/album]
[album]7899[/album]
[album]7900[/album]

Befundung der Kolbenoberfläche - für mich sieht es nicht so aus als wenn hier ein Ventil Kontakt zu einem der Kolbenböden hatte:
[album]7902[/album]
[album]7903[/album]
[album]7901[/album]

Was mir allerdings viel mehr Sorgen bereitet, ist die Lauffläche der Zylinder. Was ist hier passiert??? Keine Lauffläche hat fühlbare Riefen - die Hohnfläche ist aber ja beschädigt. Ich habe die Kolben und Zylinder vor der Montage gründlichst gereinigt, geölt und die Kolben mit Kolbenspannband eingesetzt.
[album]7904[/album]
[album]7905[/album]
[album]7906[/album]
[album]7907[/album]
[album]7908[/album]
[album]7909[/album]
[album]7910[/album]

Bin schon sehr gespannt auf euere Beurteilung der Komponenten.
Ach ja - kann mir jemand die Teilenummer des Sicherungsbleches von der Nockenwellenschraube nennen? Ich habe leider nur die Teileliste Ausgabe "C" mit der Wellscheibe. Bei MogParts bin ich nicht fündig geworden.

Viele Grüße und einen schönen Restsonntag
Roman
 
Hallo Roman,
es scheint als hättest du Glück gehabt. Durch die getrennte Kraftübertragung von Stirnrand zur Nockenwelle scheint es als konnten die Kolben die Ventile einfach zu drücken und haben dabei die Nockenwelle gedreht ohne die Ventile Stösselstangen und co zu beschädigen? Oder konntest du eventuell Risse an den Kugelpfannen der Stösselstangen erkennen? Mit wievielen Umdrehungen lief der Motor bei auftreten dieses Problems?
 
Hallo Roman,
die Laufflächen sehen schon auffällig aus für eine so kurze Betriebsdauer. Womöglich hat der ausgefallene Ventiltrieb hier Schlimmeres verhindert. Das würde ich auf alle Fälle dem Motoreninstandsetzer zeigen. Letztes oder vorletztes Jahr war hier im Forum auch ein OM636, der nach Überholung deutliche Fressspuren hatte. Bin mir nicht sicher, wie das endete.
Grüße Norman
 
Hallo Roman,[
quote="Carl1969"]die Laufflächen sehen schon auffällig aus für eine so kurze Betriebsdauer.[/quote]

ich würde den Kolben (letztes Bild) ausbauen, dass sieht da so aus wie ein Kolbenringbruch.
Ich denke das die Kolbenringe richtigherum eingebaut wurden und die Maße (Rep.-Stufe) eingehalten wurden?
Wenn ich richtig sehe die Rep. St. "II" Kolben 75,92 - 75,94 und Zylinder 76,000 - 76,019?

Gruß
Wolfgang
 
Hallo Roman,

Der Artikel, welchen Norman anspricht, ist vermutlich dieser:
https://www.unimog-community.de/phpBB3/om-636-uberholter-motor-nach-probefahrt-defekt-t97124.html#p531811

Interessant: Der Author heißt ebenfalls Roman.

Grüße Tobias