Hallo Heinz
Die althergebrachte Methode über Drehmomentanzug wurde bei den neueren Motore schon in den 80ern auf Drehwinkelanzug umgestellt. Dabei werden die Schrauben bewusst etwas überdehnt, was zu einer geringen bleibenden Längung führt. Die Schrauben sind nur dann zu erneuern, wenn die zulässige Dehnung erreicht ist.
Bei der traditionellen Methode nach Drehmoment werden die Schrauben nur elastisch gespannt und gehen nach dem Lösen in ihre Ursprungslänge zurück. Sofern keine meschanischen oder oberflächlichen Beschädigungen (Fresser am Gewinde oder Anlagefläche) erkennbar ist, werden die Schrauben wiederverwendet.
Bei der Methode Drehwinkel werden alle Schrauben um den gleichen Weg und damit gleiche Kraft vorgespannt. Bei der Methode Drehmoment haben Gewindereibung, Verkippen des Werkzeugs beim Anziehen und vor allem "Steckenbleiben" oder mehrere Teilwege beim Anziehen unterschiedliche Vorspannung zur Folge. Korrekt muss zügig in einem Zug bis zum Abschalten des Drehmomentschlüssels durchgezogen werden, auch kurzes Stocken oder Ruckeln ergibt letztendlich einen Fehlanzug.
Man kann mit einem Kompromiss vorgehen wenn man beobatet, welche Schraube sich bei gleichem Drehmoment am weitesten dreht. Danach zieht man alle anderen Schrauben um den gleichen Weg an. Dazu muss man nur unter den Drehmomentschlüssel zusätzlich die Drehwinkelscala stecken und den jeweiligen Gesamtwinkel notieren.
Beim OM352/366 gibt es einen guten Vergleich, da dort für die alte und neue Methode Vorschriften bestehen.
Alte Vorgehensweise: 1.Stufe 60Nm, 2. Stufe 90Nm 3.Stufe 100bis 110Nm, der Gesamtanzug beträgt somit maximal 110Nm, ( Verwendung von neuen Schrauben erstmalig 120Nm). Ob eine Schraube klemmt oder der Schlüssel verkanten wird wird dabei nicht berücksichtigt, verfälscht aber das Ergebnis.
Bei der neuen Variante werden alle Schrauben zusätzlich ieinem 4.Durchgang um 90° angezogen. (Wobei ich auch eine Auge darauf werfe, ob alle vorher ungefähr den gleichen Weg beschrieben haben).
So ähnlich ist auch der Unterschied zwischen OM621 und 616. Dort ist eine Setzzeit von 10 min zwischen Drehmomentvoranzug und Drehwinkelanzug vorgeschrieben.
Zum Kühlsystem. Die Umstellung auf Dreiwege-Thermostat bzw Umbauanweisung hatte seinen berechtigten Grund. Beim L319 bzw 180D war dort beim OM636 ein Dreiwegethermostat verbaut. Die Leistung und somit die Wärmebelastung war mit bis zu 45PS auch 25% höher als beim Unimog. Warum das Thermostat beim Unimog so spät umgestellt wurde entzieht sich meinen Kenntnissen. Der Druck im Kühlsystem ist da ebenfalls höher, was die Dampfblasenbildung besser unterbindet.
Die Fahrzeuge erreichten beachtenswerte Laufleistungen. Deine Anmerkungen zum Murks sehe ich eher als Trozigkeit eines uneinsichtiigen Kindes. Wer was 5Jahrzehntelang ignoriert dürfte eigentlich klar sein.
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heinz401 schrieb:
Der Umbau auf den kleinen Kreislauf ist mir natürlich bekannt. Immerhin kam sie sehr, sehr spät. Aus technischer Sicht natürlich sinnvoll aber mit der Urvariante kam ich von 1993 (401) und ab 2005 bis 2022(411) auch zurecht. Einen ursächlichen Zusammenhang des geschilderten Effektes immer eskalierenend auf Zyl.3 sehe ich nicht. Auf grund meines vorbiblischen Alters brauche ich die Mogs in absehbarer Zeit nicht mehr und und denke daher mit der alten Lösung über die
Die eigentliche Ursache ist Überhitzung im Teillastbetrieb, wenn das Thermostat immer kurzzeitig schließt, lange Zeit bevor der Schaden äußerlich sichtbar erscheint. An den heißen Stellen beginnt die Blasenbildung, diese werden dann nicht gekühlt. Wenn die Dichtung aufgibt, ist die Ursache schon längst passé. Vor allem würde ich die Bereiche akribisch auf Kesselsteinbildung untersuchen.
Meine Vorgehensweise wäre gründliche Reinigung von Korrossions-und Kresselsteinbildung sowohl Motor wie auch Kühler, Kontrolle der Wasserpumpe, höherer Systemdruck durch entsprechendenen Kühlerverschluss und Umbau auf Dreiwegethermostat. Reiner hatte da eine schöne Eigenbaulösung, die äußerlich erst beim genauen Hinsehen erkennbar war, es muss nicht unbedingt Mog-Parts her.
Der 180D meines Alten Herrn wurde bei knapp 1/2 Mio Km verschrottet, ohne jede nennenswerte Reparatur. Ich habe 20 Jahre im Stapler-Service gearbeitet, wo in diversen Baureihen der OM636 verbaut wurde. Von keinem, ich wiederhole von keinem Fahrzeug oder Kunden ist mir ein solches Schadensbild bekannt. Industrieunternehmen , besonders wenn sie größere Stückzahlen betreiben, sind bei wiederkehrenden systemischen Schäden auch wenig tolerant, was deinen These eher nicht entsprechen dürfte.
Der OM636r wurde entgegen deinen Erkenntnissen von ENMASA (Epresa Nationales de Motores de Aviations SA /Mercedes Benz /Barcelona) bzw MEVOSA (Mercedes-Benz y Volkswagen SA, Victoria ) mit der alten Anlage aus Marienfelde bzw Stuttgart auch nach 1974 weiter in Fahrzeugen eingebaut.
Nur so nebenbei angemerkt, auch der OM366 musste mit den gleichen Restriktionen (des Oldsmobil/Opel-Blitz-Motors) bis zum Ende (2002) klarkommen, was bekannterweise auch noch heute sehr gut fuktioniert.