UNIMOG 407 - Motor selbstständig hochgedreht - Öl verbrannt?

hendrik

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01. Juni 2010
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Hallo Leute. Bei meinem 407 ist am Wochenende folgendes passiert: Zwecks Aufräumarbeiten nach Sturmtief Frederike bin ich seit einigen Tagen mit dem Mog und Seilwinde im Wald unterwegs. Nach 30 Min Seilarbeit auf einem Waldweg habe ich den Mog in den Bestand gefahren. Dort stand er ca. 2 Stunden ohne Betrieb in leichter Schräglage am Hang. Ich habe den Mog danach ganz normal gestartet...sprang super an. Nach ca 2 min drehte der Motor selbstständig auf VOLLGAS und ließ sich nicht stoppen. Auf Gasregulierung reagierte der Motor nicht. Der Motor hat EXTREM geraucht, daher gehe ich davon aus, dass massiv Öl verbrannt wurde. Ich habe den Mog direkt auf eine gerade Ebene rollen lassen....Nach 1-2 Minuten war das Schauerspiel dann vorbei und der Motor reagierte wieder. FRAGE: Wie konnte das passieren? Vorschäden? Zufall? Schräglage zu extrem gewesen? Der Motor läuft wieder ganz normal....nagelt aber meiner Meinung nach deutlich lauter . Hat Jemand Erfahrung damit? Danke und Gruß Hendrik
 
Hallo Hendrik,
das Öl müsste dann noch im Ansaugrohr zu sehen sein. Ob über die Motorentlüftung oder durch die Schräglage aus dem Ölbadluftfilter angesaugt worden ist, lässt sich dann eventuell auch feststellen.
Da der Motor nach dem Verbrennen des überschüssigen Öl wieder normal läuft hast Du wohl Glück gehabt! Das schärfere Nageln würde ich auf Verbrennungsrückstände
zurückführen und sollte wieder verschwinden.

Deine Ergebnisse zu dem Ereignis interessieren mich sehr.
Gruß
Jochen
 
Hallo Hendrik
hallo Jochen,

ich kenne den 407 nicht im Detail, aber dass Öl aus dem Ölbadluftfilter in den Ansaugtrakt läuft während der Mog einfach nur schräg im Gelände geparkt wurde, kann ich mir nicht so richtig vorstellen. Dies kenne ich nur von sehr extremen Parkstellungen, die die meisten Mogler nicht freiwillig anfahren :wink:

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Ich kann mir da eher vorstellen, dass Öl, welches sich unter dem Ventildeckel gesammelt hatte nun durch die Neigung an den Ventilen entlang in den Brennraum gelangt ist. Und dies würde dann eher auf schlechte Ventilschaftabdichtungen, so es diese im 407 gibt, deuten
 
Hallo,
ich würde den Ölbadluftfilter ausschließen, da der
407 keinen hat. Die haben eine Filterpatrone hinter
dem fahrerseitigen Kotflügel.
Gruß
Jürgen
 
Hallo Jürgen,
hat der 407 generell Papierfilter? Oder vieleicht ein früher 407 noch Ölbadfilter?
Ich bin ja noch nur 421 erfahren und dort kann bei übervollem Ölbadfilter und schräger Parkstellung schon mal etwas Öl im Filtergewebe landen und dann mit dem Luftstrom mitgerissen werden. Das würde diese beschrienen Symptome erklären.
Andere Wege für Motoröl in den Brennraum (über Schaftdichtung z.B.) führen meiner Meinung auch zu anderen Symptomen.
Das verzögerte unkontrolierbare Hochrehen deutet auf angesaugtes Öl im Ansaugtrakt.
@Hendrik:
Eine Kaltstarteinrichtung wie in 406 (mit OM 352 Direkteinspritzer) wurde nicht aus Gewohnheit nachgerüstet?

Gruß
Jochen
 
Hallo Jochen,
da mein 407 aus der Vorserie stammt und einen
Papierfilter verbaut hat, gehe ich davon aus,das die
neueren das auch haben. Steht auch so in der BA.

Grüße
Jürgen
 
Hallo Hendrik,

das Verhalten ist bekannt bei durchaus moderneren Motoren, bei denen der Ölabscheider in der Kurbelgehäuse-Entlüftung irgendwie nicht funktioniert/übergangen wird. Nachdem dein 407 sicherlich auch ne Kurbelgehäuseentlüftung in den Ansaugtrakt hat, kann da drin der Wurm stecken.
Eine Möglichkeit dabei ist, das irgendwo ein Deckel undicht ist und dadurch Falschluft gezogen wird (z.B. die Dichtung des Ventildeckels - oder dieser einfach schief aufgesetzt ist). Der Motor will "sein übliches blow-by" ziehen (also die Entlüftung) und kriegt auf einmal mehr. Weil er nun mehr kriegt - nimmt er auch mehr. Dadurch kann der Ölabscheider in dieser Luftleitung (je nach Ausführung mehr oder minder aufwändig und auffällig) irgendwann überfordert werden und das Motoröl wird drüberweg gezogen - Resultat: der Motor kriegt "Sprit". Und das recht unkontrolliert. Der Motor dreht dann hoch - und das nicht bis zu der üblichen Abregeldrehzahl, sondern üblicherweise bis zu der "mechanischen" Abregeldrehzahl - also bis es ihn zerlegt.

Wie lange vorher hattest Du mal den Ölstand kontrolliert? Und wie lange danach? War der Ölstand etwas gut hoch eingestellt?
Wenn er sich Motoröl gezogen hat, dann kannst Du von Glück reden, wenn der Motor keinen bleibenden Schaden erlitten hat.

Tip für die Zukunft, wenn sowas wieder passiert (zwar etwas brutal, aber weniger brutal als zu warten bis der Motor platz): großen Gang einlegen und das komplette Fahrzeug bis zum Stand runterbremsen und den Motor damit abwürgen (geht also nur bei einem Schaltgetriebe - Automatik hat Pech).

mfG
Axel
 
Servus miteinander.

Interessant wär, welche Drehzahl das "VOLLGAS" verursacht hat? Abregeldrehzahl von 3000 min-1 oder deutlich hörbar höher?
Hoffentlich kein bleibender Schaden.

@Axel
Dem Automaikfahrer bleibt noch das verschließen des Ansaugtraktes:-)

Beste Grüße,

Dominik
 
Hallo zusammen,

Abwürgen über die Kupplung kann bei extrem hohen Drehzahlen auch noch die Kupplung überhitzen. Dem Motor die Luft nehmen ist die beste Methode, mir ist aber selbstverständlich klar, daß das bei hohem Ansaugrohr und einer "Pilzkappe" unmöglich sein kann, wenn man nicht gleich einen großen Lumpen oder eine Jacke zur Hand hat, um die Öffnung zu verstopfen.
Christoph
 
Hallo zusammen,

großen Gang rein, Kupplung wuppen lassen... Feierabend.
Nichts was ich erlebt habe ist größerer Terror als ein durchgehender Motor.
Da kommt nur der tritt ins Leere bei defekter Bremse mit.

Die Haube aufmachen und am drehenden, schreienden Motor mit vollgaslaufendem Lüfter mit dem Lumpen, der garantiert nicht zur Hand ist, rumfuchteln halte ich für maximal zweite Wahl.

Und erzählt nicht wieder der OMxy hat so Bärenkräfte, dass es die Kupplung zerreißt.
Die macht das mit, keine Sorge.
 
christophlehmann schrieb:
Dem Motor die Luft nehmen ist die beste Methode, mir ist aber selbstverständlich klar, daß das bei hohem Ansaugrohr und einer "Pilzkappe" unmöglich sein kann, wenn man nicht gleich einen großen Lumpen oder eine Jacke zur Hand hat, um die Öffnung zu verstopfen.
Christoph
Das ist auch nur eine Methode, um die Drehzahl zu reduzieren. Aus kriegt man ihn damit nicht zuverlässig, v.A. wenn er Motoröl zieht und damit unkontrolliert verbrennt:
https://www.youtube.com/watch?v=UiEiHM_JXKs
Ich hab das selbst schon mal bei einem Einzylindermotor mit grad mal 900 Kubik Hubraum erlebt, dass er plötzlich mächtig Öl durch die Kurbelgehäuse-Entlüftung ansog weil der Ölstand im Sumpf deutlich zu hoch war. Ein Lappen lag direkt daneben, war auch schnell um den Luftfilter gewickelt. Bis der Motor von der Drehzahl irgendwie mal reagierte, war die gesamte Scheune zugenebelt, bis er dann endlich aus war dauerte es mehr als fünf Minuten. Da stand ich dann schon nicht mehr daneben, wäre ich in der Nähe des Schleppers geblieben hätt ich wohl daneben gelegen.

Beim OM636 würde die unterdruckgeregelte Einspritzpumpe die Fördermenge beim Lappen-Versuch sogar noch auf Volllastmenge steigern.

Zu deinem U407:
Wie ist der Motorenzustand? Wie viele Betriebsstunden hat er und wurde schon mal was am Motor gemacht?
Die Fragen zielen in Richtung des Zustandes der Kolbenringe.
Der vorherige Motorölstand wäre auch interessant, aber wird vermutlich nicht dokumentiert sein.

Käme man gut an den Motor heran, könnte man jetzt zur vorsorglichen Demontage von Ansaugkrümmer und Kurbelgehäuse-Entlüftung raten, um Ölspuren zu suchen. Kommt man wenigstens an einen Schlauch ran den man zur Seite schieben könnte, so dass man mit einem Endoskop etwas werden könnte?

Ansonsten würde ich das weiter beobachten und hoffen, dass es nicht wieder auftritt.

mfG
Fabian
 
Hallo Fabian,
die Sache mit der Unterdruckregelung machts kompliziert da hast du schon recht, ich hab aber einen 636 schon an der Drosselklappe von Vollgas raus ausgemacht. An der Drosselklappe ist es eben auch was anderes als vom Luftfilter aus, da wäre der Prozess des erstickens länger und die Drehzahl würde wahrscheinlich nach oben ausschlagen. Aber generell wenn ein Motor durch geht würde ich immer einem hohen Gang einlegen und Kupplung loslassen vielleicht noch Hand und Fusbremse vorher betätigen, auch wenn der Motor Rückwärts z.b. bei einer Seilwinde wieder angezogen wird.

Als ich den Anfangsbeitrag hab ich als erstes an Kolbenringe gedacht wegen dem schrägen ölpegel, wenn ich das mit der Kurbelwellengehäuseentlüftung so lese aber auch nicht unrealistisch, mich würde Wirklich mal interessieren was es letztendlich war und warum er jetzt härter nagelt.
 
Hallo Hannes,

wenn der Motor beim Om 636 rückwärts durch die Seilwind angzogen wird, kannst du ihn einfach an der ESP mit Null-Förderung abstellen. Auch dreht er nicht unendlich hoch, da die Unterdrucksteuerung erkennt, in welche Richtung die Venturidüse durchströmt wird. Beim Rückwärtslauf des OM 636 ist die Ölpumpe das Problem, die nicht fördert.

Gruß
Markus
 
Ja daran hab ich nicht gedacht, trotzdem würde ich bei hoch drehendem Motor einen hohen Gang einlegen und fertig. Ich hab mal gelesen, dass bei einem cat C 15 Motor der auch hoch gedreht hat und der Fahrer dann ebenfalls einem hohen Gang einlegte, dabei ist dann angeblich das Schwungrad angeflogen und hat ihm seinen Unterschenkel durch trennt??
 
Guten Abend an Alle. :party
Wahnsinn, vielen Dank für die ganzen Antworten. Da ich leider in der Woche viel Unterwegs bin und keine Zeit für die Werkstatt und den :mog4 habe, kann ich erst leider am Wochenende die ganzen Hinweise prüfen ! Ich habe jedoche gerade noch schnell die Motorhaube aufgemacht und 2-3 Fotos für euch erstellt.

Anbei vorab ein Bild vom Luftfilter:


Dann ein Bild vom Ansaugbereich am Motor:

Dort ist mir aufgefallen, dass frisches Öl auf dem Krümmer steht.....

Und zuletzt ein Bild, wo ich kurz den Ansuagschlauch vom Luftfilter in Richtung Motor getrennt habe. Ich habe kurz mit dem Finger getastet. Am unteren Boden steht Öl. :fluch


Wie gehe ich am besten am Wochenende weiter vor ? Vielen Dank für eure Tips. :spitze Gruß Hendrik
 

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Anbei noch ein "zufälliges" Bild, als der Motor hochgedreht ist.... :? Hat mein kleiner Cousin als Schnappschuss aus 50 Meter erstellt...diese Jugend :roll:
 

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Hallo Hendrik, wie Fabian schon geschrieben hat, den Ölstand Prüfen.
Ich habe keine Ahnung von Om Motoren. Bei meinem John Deere Trecker hatte ich mal das Problem das der Ölstand immer anstieg. Es lag an einer Defekten Vorförderpumpen-Membrane. Hat der 407 so etwas?
Das Foto sieht Furchterregend aus.Meine höchste Anerkennung bekommt der, der es schafft in so einer Situation das Ansaugrohr zu verschließen.
VG ULI
 
Moin moin,

das sieht nach "astreinem" Motoröl aus, was sich da im Luftfilter befindet. Astrein jedoch nicht im Sinne von neuwertig, sondern von gut gebrauchtem, tiefschwarz.
Das gehört da nicht hin und wird die Ursache für das Hochdrehen sein. Das Foto deines Cousins zeigt mir, dass das kein "kurzes und kleines" Ding war. Schön, wenn ein Steuerkettenmotor sowas überlebt, ich habe spontanes Mitleid mit dem Kettenspanner. Leider ist seine Überprüfung beim Unimog auch kein Kinderspiel.
Und wenn ich an die Steuerkette denke, ist die Lösung für das veränderte Leerlaufgeräusch nicht mehr fern. Entweder der Kettenspanner (ist das hier ein Gleitklotz?) hat unter der hohen Drehzahl gelitten, oder die Steuerkette hat sich gelängt, dadurch haben sich die Steuerzeiten samt des Einspritzzeitpunktes in einem gewissen Bereich verstellt.

Die Viertakt-Motoren die ich bisher durchgehen sehen hab hatten in der Regel einen zu hohen Ölstand im Motor. Die Zweitakter erst recht. Das kann, wie oben schon gesagt, durch eine defekte Membran der Kraftstoff-Vorförderpumpe geschehen, sofern die Pumpe direkt von der Nockenwelle angetrieben wird und damit den Kraftstoff in den Ölhaushalt durchlassen kann. Eine defekte Einspritzpumpe mit Kreislaufschmierung durchs Motoröl kommt für denselben Spaß infrage.

Bei der in den Ansaugtrakt geführten Kurbelgehäuseentlüftung hat man systembedingt immer einen leichten Ölfilm zwischen Motor und der Mündung der Entlüftung. Der verbindet sich mit dem Staub aus der Ansaugluft zu einer schmierigen zähen Masse. Das sieht bei dir jedoch absolut nicht danach aus, sondern nach direkt aus dem Motor stammendem Öl. Auch dass im Luftfiltertopf des Papierfilters Öl steht ist nicht in Ordnung.

Du solltest jetzt als allererstes den Ölstand kontrollieren und einen Ölwechsel machen. Das Motoröl in einer Wanne auffangen und auf Auffälligkeiten achten. Dann gucken ob das Motoröl nach Diesel riecht sowie mittels eines Löschblattes, auf dem du einzelne Öltropfen aufgibst, auf Kraftstoffanteile untersuchen. Bildet sich um den schwarzen Fleck ein heller "feuchter" Ring, so ist es Kraftstoff oder Wasser.
Das ganze ist keine zu 100% sichere Diagnosemöglichkeit, aber sie gibt schonmal eine recht verlässliche "Wald- und Wiesen-Diagnose".

Möglich wäre natürlich auch, dass der Motor mit der Zeit immer mehr Öl im Luftfilter gesammelt hat und irgendwann das Öl mitgerissen hat, als die Menge stimmte und durch die Schräglage die Strömungsverhältnisse dort so passten, dass das gut mit ging. Dass die akute Ursache nicht an einem aktuell viel zu hohen Motorölstand liegt, sondern er eben den Luftfiltertopf leer geschlürft hat.
Dann müsstest du auf die Ursachensuche gehen, warum er soviel Öl im Luftfilter sammeln konnte.

mfg
Fabian
 
Hallo Zusammen,

noch eine Möglichkeit, einen Motor schnell abzustellen ist, mit einem CO2-Feuerlöscher auf den Ansaugstutzen zu halten.

Als ich meinen Mog wieder in Betrieb genommen habe, hatte ich vorsichtshalber auch einen 5kg-CO2-Löscher nebendran stehen. Mit dem Schneerohr kommt man dann auch ohne Probleme an hochgelegene Ansaugungen.

Viele Grüße
Tobias