Unimog 411 OM636 Motorprobleme

MaxMan23

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15. Mai 2020
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Hallo liebe Unimog Freunde. Erstmal allen ein frohes neues Jahr 2021 :-).

Ich restauriere seit letztem Sommer einen Unimog 411. Bevor ich den Mog zerlegt hatte, lief er Motor im Sommer recht gut, wobei ich ihn nur im Stand ca. 1 Stunde beobachten konnte.
Jetzt bin ich mit der Restauration soweit fortgeschritten, dass ich eine Probefahrt ohne Kabine machen wollte.

Ich hatte zuerst Probleme mit einer zu schwachen Batterie und er hat lange gebraucht bis er anspringt. Nach dem er dann läuft geht er mit der Standgas Einstellung wieder aus. Ich bin mir nicht sicher, dies könnte evtl. mit dem kalten Wetter zu tun haben. Ich habe die Einstellschraube etwas erhöht. Danach lief er dann erstmal, bis er plötzlich einfach ausgeht. Als Leihe vermute ich, dass noch Luft im System ist, durch den Einbau eines Tanks.

Mittlerweile habe ich auch eine 100 Ah Batterie verbaut.

Gestern habe ich dann einen erneuten Versuch gemacht. Der Unimog lässt sich schlecht starten und es kommt beim Anlassen viel schwarzer Rauch aus dem Krümmer (Abgasanlage fehlt noch). Wenn er dann gestartet ist, verschwindet der schwarze Rauch und er wird weiß.
Was mir noch aufgefallen ist, aus der Kurbelgehäuseentlüftung kommt auch viel weißer Rauch raus. Das deutet auf Kolbenringe hin, habe ich gelesen.

Weiterhin hat er dann auf einmal aus dem offenen Wasserausgleichsbehälter Wasser rausgedrückt (ich habe noch keinen Deckel dafür). Deutet das auf eine defekte Zylinderkopfdichtung hin, oder passiert das auch wenn der Motor warm ist und das Thermostat öffnet (er lief vorher bereits etwas länger)?

Ich bekomme von meinem Vater einen Kontakt zu einem pensionierten Landmaschinenmechaniker, der, so hoffe ich, mir bei der Fehleranalyse helfen kann. Ich bin zwar Maschinenbau Techniker, kenne mich aber mit Motoren nicht aus.

Ich denke erstmal sollten wir Kompression + Ventilspiele prüfen. Geht das auch irgendwie im kalten Zustand oder was sollten wir da beachten? Traue mich gerade nicht mehr den Motor zu starten wegen des herausgedrückten Wassers.
Werde auch noch mal die Medien überprüfen (sind alle neu) ob da was zu erkennen ist (Wasser im Öl)

Was würdet ihr mir noch empfehlen zu machen?


Gruß Oliver
 
Hallo Oliver,

ohne dein System genauer zu kennen, weiß ich, dass Wasser sich bei Erwärmung ausdehnt. Wenn also zu viel Wasser im Kühlsystem war, wurde es herausgedrückt. Desweiteren hat der Unimog kein offenes Kühlsystem. Ohne Deckel verdampft das Wasser bei 100°C. Mit Deckel steigt der Druck im System und das Wasser bleibt länger flüssig.

Nach vielen erfolglosen Startversuchen muss der nicht verbrannte Kraftstoff aus dem Motor ausgeblasen werden. Schwarzer Rauch ist die Folge.

Mein Rat an dieser Stelle wäre:

- ein Werkstatthandbuch zum Unimog 411
- ein gutes Buch über Verbrennungsmotoren

So sollte die Fehlersuche gelingen.

Gruß
Markus
 
Hallo Markus,

dass das Wasser sich ausdehnt ist klar. Es kam aber plötzlich ziemlich direkt nach dem ich den Motor ein weiteres Mal angelassen hatte. Das fand ich beunruhigend.

Selber traue ich mir es nicht zu am Motor größere Eingriffe zu machen, zumal mir auch Spezialwerkzeug fehlt. Werde als erstes Mal die Glühkerzen überprüfen, ob da was faul ist. Was mir auch Sorge macht ist der Rauch aus der Kurbelgehäuseentlüftung. Kann durch zu viel Kraftstoff oder ähnliches auch bei heilen Kolbenringen Rauch austreten?

Ich wende mich an euch, da es hier Spezialisten gibt, die viele Erfahrungen mit dem Motor haben. Vielleicht gibts da ja noch Erfahrungen, die ich unserem Mechaniker noch mitgeben kann.



Gruß Oliver
 
Hallo Oliver,

wieviel Wasser war den in dem Ausgleichsbehälter bevor du den Motor gestartet hast?
Wie warm wird er gewesen sein, bzw wielange lief er vorher?
Spritzte das Wasser regelrecht aus der Öffnung und wieviel Wasser kam heraus?

Wie hat sich der Motor vor der Restauration verhalten, und wurde etwas am Motor und der Einepritzpumpe gemacht?
 
Hallo Oliver,
Beim schlechten Motorstart eventuell mit Startpilot etc. nachgeholfen?
Rauch und Weissrauch sind nach langem Motorstillstand in der ersten Zeit üblich, bis die Rückstände wieder verbrannt sind. Zum Wasserverlust wären Symptombeschreibungen wie von Jürgen u Markus schon angefordert, sinnvoll. Das der Motor nach kurzer Laufzeit wieder ausgeht wird an der Treibstoffversorgung liegen. Luft im System und/oder Filter verstopft bzw. nicht funktionierende Förderpumpenventile.


Gruß
Jochen
 
Hallo,

als erste muss mal ein Deckel her, mit funktionierendem Ventil. Dann die richtige Kühlwassermenge einstellen. Glühsystem und Kraftstoffversorgung prüfen.

Gut wäre es, den CO2 Gehalt im Kühlwasser zu prüfen, ob Verbrennungsgase das Wasser aus dem Kreislauf drücken.

Eine Kompressionsmessung wäre auch sinnvoll, um das starke Rauchen aus der Kurbelgehäuseentlüftung beurteilen zu können. Dazu sollte vorher das Ventilspiel überprüft werden.

Gruß
Markus
 
Zum Spezialwerkzeug:

Am Motor hält sich die Anzahl in Grenzen. Wenn die Laufgarnitur hin ist, müssen sowieso größere Maschinen her zum Hohnen der Laufbahnen, Vorbereiten von Übermaßkolben etc.

Gruß
Markus
 
Hallo zusammen,

kurz zur Historie. Ich hatte den Mog gebraucht gekauft und es war keine Einspritzpumpe verbaut. Diese habe ich dann nachträglich eingebaut und vor dem Zerlegen den Motor getestet. Ich habe neues Öl aufgefüllt, Ölfilter gegen neuen Umbausatz getaucht. Benzinfilter neu gemacht, Leitungen gereinigt und entlüftet. Er lief erstmal für mich soweit zufriedenstellend. Ich wollte die Einspritzpumpe bei Fahrten noch mal etwas verstellen, um eine Feineinstellung zu machen. Verändert habe ich dann nichts mehr. Nur den Motor ausgebaut und den Mog zerlegt.

Anbei noch 2 Videos aus dem Sommer:
https://youtu.be/RoMqe7qgdcU
https://youtu.be/Srh1d9CSyJY

Wegen dem Wasser, es kam kurz nach dem Starten ein Schwall aus dem Ausgleichsbehälter. Ich schätze es war etwa ein Liter. Kühlwasser war etwa 3/4 des Ausgleichsbehälters gefüllt. Die Temperaturanzeige war meine ich etwa bei 60-70° C. Der Motor lief vorher etwa 10 min. Immer in Etappen, bis er wieder aus ging. Ich habe mir wegen dem Ausgehen auch erstmal noch keine Gedanken gemacht, da ja evtl. noch Luft im System war.

Bevor das mit dem Wasser passiert ist, wollte ich mal etwas fahren, hatte gehofft die Luft geht dann evtl. etwas besser raus. Davon gibts ein ganz kurzes Video was meine Frau gefilmt hat
https://youtu.be/mJ3KmuP2rcM

Danach ist das mit dem Wasser passiert.

Startpilot habe ich keinen benutzt, da halte ich nichts von.


Gruß Oliver
 
Hallo Markus,

es gibt ja bereits für 15 € Tester für das CO2. Da das Wasser aber neu ist und der Motor seit dem Auffüllen vielleicht 20 min gelaufen ist, stelle ich mir die Frage, ob das bereits für eine aussagekräftige Messung reicht? Ist aber schon mal ein guter Ansatz.

Deckel werde ich mir auch noch besorgen. Die Frage ist aber, starte ich den Motor noch mal? Möchte vermeiden jetzt etwas zu verschlimmern :-)
 
Was ich morgen noch mal prüfen möchte, sind die Glühkerzen. Evtl. ist ja auch nur eine defekt. Das würde ja auch das schlechte anspringen erklären. Wobei er ja auch im lau waren Zustand schlecht angesprungen ist.
 
Was ist eigentlich mit einer Druckverlustprüfung. Wenn ich die Kerzen sowieso draußen habe, könnte ich da nicht versuchen Druckluft in den Zylinder zu geben und gucken ob es irgendwo Geräusche gibt. Also wie bei einer Prüfung mit dem Messgerät, nur das ich das nicht habe. Wäre zumindest mal ein schneller Ansatz was schlimmeres zu erkennen. Oder?

Noch eine Frage: Kann Luft auch ein Anzeichen für ein schlechtes Anspringen sein? Klar, wenn kein Sprit kommt, dann kann er auch nicht zünden. Mir geht es um den Einspritzdruck. Wenn sich die Luft komprimiert vielleicht wird dann nicht richgtig eingespritzt. Nur weshalb kommt so viel schwarzer Rauch beim
Anlassen dann raus?
 
Hallo
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Hallo Oliver,

also ich finde das der Motor sich nicht ultra auffällig, aber auch nicht gesund anhört. Gleiche Akustik bot sich neulich bei einem Ventilschaden. Das Fahrgestell hat lange gestanden, davor war ein Klaus HK1 auf dem Fahrgestell ich glaube nicht das der Motor die letzten Jahre all zuviel Liebe gesehen hat, hauptsache er lief irgendwie.

Nimm doch mal den Kopf ab und schau nach dem Rechten.

Ich glaube ehrlich gesagt, dass der Motor verschlissen ist. So wie ich das restliche Fahrgestell kenne...

Und von Startpilot kann ich nur abraten! Kolbenringstegbrüche sind damit gebucht.

Das Fahrgestell hat ohne Einspritzpumpe den Besitzer gewechselt, bist du sicher das der FB überhaupt stimmt, bezüglich des Anspringens. Qualm aus dem Kurbelgehäuse wird vermutlich auch nicht mehr mit neuen Kolbenringen getan sein! Wenn du einen zuverlässigen Motor haben willst, musst du da dran. Prüfe Ventilspiel und Förderbeginn, Co2 Tester meinetwegen auch wobei es auch schon vorkam das der Tester nicht angeschlagen hat die Kopfdichtung aber trotzdem auf war.
 
Hallo Oliver,

ich höre da ein undichtes Ventil. Deshalb würde ich jedenfalls den Zylinderkopf näher in den Blick nehmen.


Zunächst also Ventilspiel prüfen und Druckverlustprüfung machen, oder auch nur - wie Du es schon angedacht hattest - Verbrennungsräume jeweils im OT mit Druck beaufschlagen (ca. 2,5 bar) und horchen (am Ansaugtrakt, Auspuff, an Kurbelgehäuseentlüftung oder Öffnung für den Ölpeilstab).
 
Hallo zusammen,

danke für eure Ratschläge. Ich werde die Sachen überprüfen und dann noch mal Bereichten. Wird aber ein paar Tage dauern, da ich ab morgen wieder arbeiten muss. Mal sehen was unser Bekannter noch dazu sagt.

Vielen Dank schon mal für dir Tipps.


Gruß Oliver
 
Guten Abend,

wir haben heute Kompression gemessen. Folgende Werte kamen bei raus: 20, 12, 20, 20 bar. Ein Zylinder hat auf jeden Fall zu wenig Druck. Ich werde morgen beginnen den Kopf runter zu nehmen und die Ölwanne auszubauen. Kann ich eigentlich den Motor vorne auffangen, ohne ihn auszubauen? Gibts da Ratschläge? Wie habt ihr es gemacht?


Gruß Oliver
 
Moin,
Ich denke mal auf dem Zylinder sind die Ventile schlecht, man hört es im Video auch patschen.

Nimm erstmal nur den Kopf runter und guck mal wie es so aussieht. Die Ventile vom Betreffenden Zylinder aus dem Kopf ausbauen, dann sieht man schon ob die schuld sind oder der untere Teil des Motors. Da kann man so erstmal die Laufflächen angucken ob da alles i.O. ist. Für mehr muss der Motor auseinander.

Die Ölwanne geht am besten ab wenn der Motor ausgebaut ist, einfach auf den Kopf stellen. Falls du die Kolben+Pleuel ausbauen willst: Die Pleuel passen eh nicht durch die Laufbahnen durch - Zylinder + Pleul müssen nach unten raus, dafür die Kurbelwelle aus dem Weg. So geht es zuminstest am bequemsten.
Wenn du die Pleuel zuerst löst, dann hochschiebst und dann den Kolbenbolzen ziehst könnte der Kolben allein auch nach oben raus gehen - Ich hab das so aber nie gemacht.

Du hast auch keine Hütte auf dem Fahrgestell, der langwierigste Teil des Motor ausbauens ist von selbst erledigt.

Gruß
Alex
 
Hallo zusammen,

ich bin soweit, dass ich die Pleuel lose habe. Mein Bekannter sagte, die Kolben sollen nach oben raus. Das passt ja scheinbar nicht :-). Gibt es dennoch einen Trick die Kolben nach oben raus zu bekommen? Leider sind die Kolbenbolzen bei mir noch zur Hälfte verdeckt, sodass ich die noch nicht ziehen kann...

@Alex: Leider habe ich deine Info dazu zu spät gelesen.

Alternativ, was macht eigentlich der untere Ring am Kolben? Dieser lässt sich so nicht austauschen, die restlichen schon.

Gruß Oliver