Einbau Schiebehülse / Gelenkwelle / Zapfwelle

birki

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05. Apr. 2008
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Hallo Zusammen,
nachdem ich nun das WHB mehrmals angeschaut habe, und mir auch die ein oder anderen Bilder unter die Lupe genommen habe, bin ich nun ganz durcheinander.

Meine Frage:
Spielt es eine Rolle wo sich beim Einbau das Schiebestück der Gelenkwelle vom Getriebeabgang zum Zapfwellen Bock befindet?
Müssen die Zapfen der Gelenkwelle genau auf Zahn passen.

Modell: U421.122 bzw. Unimog 411.119

Ein paar Bilder würden mir helfen :D

Gruß Patrick
 
Hallo Patrick,

Diese Frage hatte ich mir bei meinem 411.119 Baujahr 65 auch schon gestellt, da ich im Internet und in der Literatur beide Varianten gesehen habe. Ich habe bei mir die Schiebestücke jeweils an der Seite des Zapfwellenlagerbocks, weil die Gelenkwelle auch vor der Restauration so angebracht war. So viel Dreck wie da überall drauf war sah das auch so aus, als wenn diese auch noch nie auseinander gewesen wäre und das der Originalzustand ist. Außerdem habe ich noch einen separaten Zapfwellenlagerbock, an dem noch das Kreuzgelenk mit Schiebestück dran ist. Da war die Anordnung also früher auch mal so.

Was ich aber für viel wichtiger halte ist, dass die Pfeile auf Schiebestück und Welle aufeinander stehen.

Vielleicht ist es schon mal jemandem aufgefallen: Normalerweise sollten bei einer Doppelgelenkwelle die Gabelköpfe der Welle immer in einer Ebene liegen, damit sich der sogenannte Kardanfehler wieder ausgleicht. Dieser entsteht wenn die Rotationsachsen von Antriebswelle und Abtriebswelle bei EINEM Kreuzgelenk nicht parallel verlaufen, also wenn die Welle mit einem Kreuzgelenk geknickt wird. Wenn der Antrieb dann eine gleichförmige Rotation ist, dann eilt der Abtrieb bei einer Umdrehung abwechselnd 2 mal vor und 2 mal nach. Das nennt man dann den Kardanfehler und dieser Effekt ruft einen erhöhten Verschleiß hervor. Je größer der Winkel desto größer auch der Kardanfehler. Bei einer Doppelgelenkwelle mit ZWEI Kreuzgelenken gleicht sich dieser Kardanfehler genau dann wieder aus, wenn die Winkel der beiden Kreuzgelenke genau gleich und genau gegenüber sind, also wenn Antriebsachse und Abtriebsachse parallel sind und wenn die Gabelköpfe der Welle zwischen den Kreuzgelenken genau in einer Ebene liegen. In diesem Fall ist der Abtrieb genau gleich dem Antrieb und es tritt am Abtrieb kein Kardanfehler auf.

Bei sämtlichen Doppelgelenkwellen, die ich bereits gesehen habe ist dies auch so, dass die Gabelköpfe in einer Ebene liegen, um den Kardanfehler auszugleichen, was ja auch sinnvoll ist.

Außer beim Unimog, hier ist es genau anders. Die Gabelköpfe liegen, wenn die beiden Pfeile aufeinander liegen, nicht in einer Ebene, sondern sind um ca. 45° verdreht. Das ist zumindest bei sämtlichen Unimog Zapfwellen so, bei denen ich darauf geachtet habe, seitdem ich dies bei mir festgestellt habe.
Leider hat sich mir noch nicht erschlossen warum das so ist, aber es muss einen Grund haben, dass die Ingenieure damals die Zapfwelle an einem so durchdachten Gerät in dieser Form angeordnet haben. Sicherlich ist der Winkel der Zapfwelle nur sehr gering, weswegen der Kardanfehler wahrscheinlich verschwindend gering ist, trotzdem tritt er aber auf, obwohl er durch eine andere Anordnung hätte vermieden werden können.
Mich würde deswegen mal brennend interessieren warum man das so gemacht hat. Vielleicht weiß das hier ja jemand.

Bilder kann ich erst am Wochenende machen, da ich die Woche über nicht Zuhause bin, aber Du sollst sie noch bekommen.

Gruß Max
 
Bei einer Doppelgelenkwelle mit ZWEI Kreuzgelenken gleicht sich dieser Kardanfehler genau dann wieder aus, wenn die Winkel der beiden Kreuzgelenke genau gleich und genau gegenüber sind

Moin Max,

wenn sich die Welle (unter Last) verdreht, stimmt das Verhältnis nicht mehr. Das wird ein Grund sein.

Das werden aber niemals 45° sein. :?
 
Hallo Reiner,

Danke für den Hinweis. Wenn sich die Welle verdreht liegen die Gabelköpfe nicht mehr in einer Ebene und der Kardanfehler tritt wieder auf. Ich glaube aber nicht, dass sich die Zapfwelle unter Last so stark verdreht, dass dies durch die Anordnung der Kreuzgelenke ausgeglichen werden muss. Und wie du bereits sagtest schon gar nicht um 45°

Auf jeden Fall sind bei meinem Unimog beide Zapfwellen und auch die Zapfwellen bei anderen Unimogs um ca.45° verdreht. Ist das bei deinem auch so???

Wie schon gesagt, Bilder folgen.

Es muss einen anderen Grund haben.


Gruß Max
 
Moin Max,

meine Wellen wurden als 2 Teile geliefert.

Nach alter Väter Sitte habe ich sie zusammen geschoben "wie mans mal gelernt hat" :)

Im leicht erhöhten Standgas zum Antrieb einer Pumpe, sehe ich dort auch keine Probleme.

Davon, dass die Welle sich (unter Last) leicht verdreht, kannst Du aber ausgehen.
 
Hallo Reiner, hallo Max,
jetzt bin ich aber froh, dass dieses Thema doch nicht ganz "ohne" ist.

Max: Ja bei mir waren obwohl schon einige Vorbesitzer die Schiebestücke auch am Zapfwellenbock (vorne + hinten)
Max: freue mich schon auf die Bilder
Reiner: was bedeutet das nun für den Unimog => "wie mans mal gelernt hat" :)

Da ich nun alle Böcke + Wellen komplett gerichtet habe, möchte ich es natürlich jetzt auch noch richtig einbauen.

Viele Grüße
Patrick
 
Ich möchte meine Beiträge hier korrigieren, um Unklarheiten auszuschließen. Bei den von mir beschriebenen Gelenkwellen handelt es sich um Kardanwellen mit 2 einfachen Kreuzgelenken und keine Doppelgelenkwellen wie an der Vorderachse. Es muss also Kardanwelle und nicht Doppelgelenkwelle heißen. Ich habe mich da fachsprachlich nicht korrekt ausgedrückt und bitte um Nachsicht, da es mir gerade erst aufgefallen ist.


Gruß Max
 
Hallo Unimogler,

im Werkstatthandbuch habe ich folgendes zur Zapfwelle gefunden:

"Soll bei Demontage der Zapfwelle eine Trennung zwischen Keilprofil und Hülse erfolgen, so muß beim Zusammenstecken darauf geachtet werden, daß die Kreuzgelenke gleiche Stellung zu einander haben, d.h. die Markierung Pfeil auf Pfeil steht."

Das ist so wie es Reiner nach alter Väter Sitte gemacht hat und so habe ich es auch gelernt und so ist es auch normalerweise richtig.
Aber wenn die Kreuzgelenke gleiche Stellung zueinander haben, dann steht die Markierung nicht Pfeil auf Pfeil. Die Kreuzgelenke sind dann um ca. 45° zueinander verdreht, wenn die Markierung Pfeil auf Pfeil steht.

Das ganze stellt somit einen Widerspruch da.
Entweder Pfeil auf Pfeil oder Kreuzgelenke in gleicher Stellung. Beides geht nicht.

Gruß Max
 

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Hallo Reiner,
das hast du sehr gut erkannt :party :party :party .
Das versuche ich auch schon seit über drei Jahren herauszufinden, nur leider habe ich bis jetzt noch niemanden getroffen, der dafür eine sinnvolle Erklärung hat.

Gruß Max
 
Im Tabellenbuch steht für den 421er dieses.. Hatte beim Einbau auch die Problematik und habe entsprechend dem Tabellenbuch die Welle am schiebestück um 2 Zähne im Uhrzeigersinn verdreht zusammengesteckt.

lieben Gruß Jochen
 

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Moin Jochen,

2 Zähne entsprechen sicherlich keinem Versatz von 45°.

Weißt Du wieviel Grad es sind, bzw. wieviel Zähne es überhaupt gibt?
 
Moin Reiner,

Das müsste doch die Angabe in der 2.Spalte "Zähnezahl am Wellenstrang" sein, oder täuscht mich das?

Wenn das 19 Zähne insgesamt sind sollten 2 etwa 38Grad entsprechen.. (3 entspr. etwa 56Grad / nach eurer Theorie zu viel). ..Passt also ziemlich ;-)

lieben Gruß Jochen
 
Moin Jochen,

alles über 10° "passt" mir überhaupt nicht! :wink:

Ich gehe aber davon aus, dass Max es herausfinden wird. :)

Denkansatz:

Der Kardanfehler wird durch 2 parallel geführte Gelenke ausgeglichen.

Allerdings nur, wenn die Antriebs- und die Abtriebswelle parallel laufen.

Bauartbedingt ist das aber im Unimog nicht der Fall, da die beiden Wellen sowohl höhen- als auch seitenversetzt laufen.

Könnte das der Grund für die nicht parallel angeordneten Gelenke sein? :?
 
Hallo Reiner,

sowohl ein Höhenversatz als auch ein Seitenversatz können absolut parallel ausgeführt werden.
Die Begründung für die Konstruktions bedinkte divergenz der Wellen liegt wenn in der Neigung der Motorgetriebeeinheit in Bezug auf den Rahmen.

Aber einmal ein anderer Gedanke. Bei Mercedes wurde früher sehr viel Handarbeit gerade beim Markieren durchgeführt. Sind diese Markierungen vielleicht auch von Hand in die Teile gekratzt. Wenn dem so wäre könnte es sein, dass je nach Laune des Mitarbeiters damals unterschiedliche Zähne markiert wurden, Hauptsache gleich für ein Pärchen. Und wenn jetzt aber aus irgend einem Grund bei den betreffenden Mogs die Zapfwellen nachgerüstet wurden, ist es gut möglich dass nicht zwei Teile eines Pärchen auf einandertreffen.
 
Moin Jürgen

beim Mog laufen die Wellen gleichzeitig sowohl höhen- als auch seitenversetzt.

Zudem ändert sich der Winkel, im Betrieb/bei Fahrt, je nach Last und Bodenverhältnis.



Welchen Sinn macht denn eine Markierung nach dem Zufallsprinzip?

Dann wäre der Vermerk: Beim Zusammenbau auf Parallelität achten" sinnvoller gewesen.
 
Hallo Reiner,

ich sage ja nicht das es so ist, war nur ein Gedanke.

Was den gleichzeitigen Höhen und Seitenversatz anbelangt, ist dies kein Argument.
Wie oben geschrieben können dabei die Wellen nach wie vor parallel verlaufen.

Anders wie schon von mir angedeutet und Dir bestätigt wird aber die Parallelität durch andere Umstände nicht eingehalten.

Was das unterschiedliche individuelle Markieren anbelangt, habe ich dies bei den paar Weise zusammen gehörenden Teilen der Differenziale durchaus festgestellt.

Bei einer ungraden Zahl von Zähnen und der Vorschrift das die Gelenke gleich stehen sollen wäre allerdings keine Markierung notwendig. Diese Bedingung wäre nur in einer Konstellation erfüllt.