Radvorgelege 411c vorne auf der Innenseite undicht

OPTI-MOG

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09. Jan. 2005
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Liebe Unimog-Freunde,

schon seit längerer Zeit beobachte ich eine Leckage am rechten vorderen Radvorgelege meines OPTIMOG, die sich ungünstigerweise nach einiger Zeit in der Bremstrommel wiederfindet, wenn ich sie nicht regelmäßig abwische. Da muss also was getan werden. Man hat ja sonst nichts zu tun. :evil:
 

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Liebe Unimog-Freunde,

also, dann bauen wir das Vorgelege mal ab.

Frisch drauf los, denn das Werkstatthandbuch ist diesbezüglich sehr wenig detailliert und die darin dargestellten beiden Bauformen der "neuen Achse" lassen sich nicht in allen Punkten zuordnen. Wo die Achsnummer zu finden sein soll ist auch nicht klar, und sie bleibt erst mal unentdeckt.

Der obere Achsschenkel lässt sich einfach herausnehmen. Dessen Lagertasse aber wehrt sich zunächst unerbittlich und bewegt sich keinen Millimeter. Erst nach Durchbohren des Tassenbodens und nach Einsatz eines improvisierten Abziehers gibt sie sich geschlagen.

Ein Kunststoffring geht dabei kaputt. Aber sonst sieht - bis auf den Dreck - alles ganz manierlich aus.

Unklar ist noch, ob die Tasse für die Demontage des Vorgeleges überhaupt ausgebaut werden musste. Das wird sich aber später noch feststellen lassen.
 

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Hi Christoph,

ich habe das gleiche Problem, der WeDi ins Vorgelege vorne links hat's offensichtlich hinter sich :-(
Praktischer wäre es du hättest eine alte Achse, dann hätte ich mehr von deiner Beschreibung ;-)

Jens
 
Hallo Jens,

wenn Du noch ein wenig Zeit hast, eine alte Achse steht bei mir demnächst auch auf dem Programm. :wink:
 
Liebe Unimog-Freunde,

nach Reinigung der Teile lässt sich die Situation am oberen Achsschenkel beurteilen.

Der Bolzen hat zwar einige ältere Rostnarben und die Lagertasse ein entsprechendes Tragbild. Aber die Teile sind noch rund, zylindrisch und das Lagerspiel beträgt nur 2/10 mm.

Der größte Verschleiß an der Lagertasse ist da, wo der O-Ring abdichtet. Letzterer hat sich etwas in das Metall eingearbeitet.

Wenn's keine neue Lagertasse mehr geben sollte, kann man notfalls die alte wieder verwenden. Das gebohrte Loch muss dann natürlich wieder verschlossen werden. O-Ring und Stützring werden jedenfalls erneuert.
 

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Liebe Unimog-Freunde,

nach dem Lösen und Entfernen der beiden Schrauben am unteren Achsschenkelbolzen lässt sich das Vorgelege mit Antriebswelle einfach von Hand herausziehen.

Ein Holzklotz zur Unterstützung empfiehtl sich dabei, da das Vorgelege mit allem drum und dran schätzungsweise 45 kg wiegt.

Die Antriebswelle sollte beim Durchgang des Keilprofils durch Gleitlager und Wellendichtung in die Mitte angehoben werden, so dass Letztere nicht beschädigt werden.
 

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...

Da nun die neuralgischen Stellen gut betrachtet werden können ist festzustellen, dass alle Wellendichtungen dicht waren. Die Laufspur der Dichtkante auf der Antriebswelle ist zwar etwa 1/10 mm tief, aber dennoch ist der Abweiser noch trocken gelaufen.

Es sieht eher danach aus, als ob die Leckage aus dem Flansch des zweiteiligen Vorgelegegehäuses käme.

Nun ist vor dem weiteren Zerlegen erst mal eine gründliche Reinigung angesagt.
 

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Liebe Unimog-Freunde,

tatsächlich waren der Ausgang von der Achse und der Eingang zum Vorgelege dicht.
 

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... nach dem Öffnen des Vorgeleges ist klar: Die Leckage kommt aus dem Flansch des zweiteiligen Vorgelegegehäuses, entlang einer einzigen Schraube. Die Dichtmasse wurde nicht ordentlich aufgetragen oder die Flanschfläche nicht gut gereinigt.

Weitere Spuren belegen, dass hier schon mal ein schlampiger Fachmann oder unwissender Laie dran war.

Außerdem ist erstaunlich, wie viel Rost da drin ist.
 

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Liebe Unimog-Freunde,

die Leckage an der Schraube entlang und dann durch die mangelhaft abgedichtete Fuge nach außen kann man auch an den Spuren auf der gegenüber liegenden Oberfläche erkennen.

Ob die Wellendichtung am Eingang des Vorgeleges beim Zusammenbau wieder dicht sein wird, ist sehr zweifelhaft. Deshalb muss sie getauscht werden. Dazu sind aber das Zahnrad und die Lager von der Welle abzuziehen. - Eine ziemliche Herausforderung!
 

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Hallo Christoph

Diese Herausforderung wirst du schon meistern, so unbedarft bist du ja auch wieder nicht. :flex und evtl etwas fluchen gehört dazu, aber ist alles machbar.

Etwas erstaunt bin ich über den Zustand deiner Vorgelege - wie oft wurde da in den letzten Jahren das Oel gewechselt und wie sah dieses aus? Hatte auch schon Vorgelege offen, aber so sah keines aus...

Gruss Norbert
 
Hallo Norbert,

als ich den 411c vor 10 Jahren kaufte, war der Entlüftungsschlauch zur Halbachse abgegangen gewesen. Vermutlich schon lange zuvor. Und da muss Wasser ins Vorgelege gekommen sein. Beim ersten Ablassen des Öles war es wie Kakao. Erst nach vielfachen Wechseln wurde es langsam klarer.

Nun zum Abziehen des Zahnrades und des Lagers:
1. WD40-Kur ein Tag lang
2. Dreiarm-Abzieher fast kaputt gemacht
3. Tiefkühlkur -20°C zwei Tage lang im Gefrierschrank
4. Im Backofen für 1 Stunde bei 100°C
5. Tiefkühlkur -20°C ein Tag lang im Gefrierschrank
6. Dreiarm-Abzieher zieht mühelos ab

Und nun ist wieder gründliches Reinigen angesagt.
 

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Hallo Christoph,

schmunzelnd aber immer wieder überrascht folge ich deiner Beitragsfolge und erfreue mich immer mehr den sogenannten alten Achsen. :D

Zunächst stellt sich mir die Frage, ob die Stelle der Inkontinenz nicht auch ohne diese komplett Zerlegung von außen sicht bar gewesen wäre. Müsste es eigentlich weil Dein Mog ja auch einmal im Dreck spielen darf. Gerade dann sieht man doch recht deutlich wo es zuerst feucht wird. Bei der herausgefundenen Stelle hätte sogar eine Abdichtung ohne Zerlegung greifen können.

Das bei der neuen Achse das Achsschenkelgelenk geöffnet werden muss war das erste was mich wunderte, kann ich doch bei der alten Achse einfach das ganze Vorgelege mit acht schrauben vom Achsschenkel abschrauben.

Warum Du aber das Doppelkreuzgelenk komplett zerlegt hast ist mir noch immer schleierhaft. Gab es dort Anzeichen für übermäßigen Verschleiß?

Besonders aber überrascht mich jetzt das letzte Bild, was ist mit dem Zahnrad passiert?
Oder erkenne ich etwas auf Grund der Auflösung nicht richtig. :wink:
 
moin Jürgen,

über das Zahnrad bin ich auch gestolpert. ;)
Aber auf den zweiten Blick löst sich das Rätsel, da die Teile nicht fluchtend aufeinander liegen und ein Teil des Zahnrades im Schatten liegt. Es ist keinesfalls so zerbröselt, wie es aussieht. Das obere Kegelrollenlager führt lediglich zu einer Art optischer Täuschung!

mfG
Fabian
 
Hallo Fabian,

richtig erkannt. Die Teile sind alle in Ordnung. Bis auf die Dichtungen und Dichtflächen, die ich so nicht wieder zusammenbauen möchte, wenngleich sie bis zuletzt abdichteten.

Hallo Jürgen,

Du stellst wieder Fragen. :roll: :wink:

Also der Reihe nach:

1. ... ob die Stelle der Inkontinenz nicht auch ohne diese komplett Zerlegung von außen sicht bar gewesen wäre. >>> ja, das war schon mein Verdacht, aber ich wollte mir das Vorgelege sowieso schon länger mal kompett vorknöpfen und besonders mir die Dichtsysteme ansehen.

2. Bei der herausgefundenen Stelle hätte sogar eine Abdichtung ohne Zerlegung greifen können. >>> ja, ich hätte "nur" außen aufmachen/abflanschen müssen. Das allerdings ging auch so schwer, dass mir das auf der Werkbank lieber und ergonomischer war.

3. Das bei der neuen Achse das Achsschenkelgelenk geöffnet werden muss ... >>> muss nicht, siehe 2., auch bei der neuen Achse sind es nur 8 Schrauben.

4. Warum Du aber das Doppelkreuzgelenk komplett zerlegt hast ist mir noch immer schleierhaft. Gab es dort Anzeichen für übermäßigen Verschleiß? >>> nein, kein Spiel feststellbar. Aber so verdreckt/verharzt, dass ich es so niemals zusammen möchte. Auch das wird komplett zerlegt, mit neuen O-Ringen versehen, geschmiert ... Außerdem war so das Handling auf der Werkbank einfacher.

5. Besonders aber überrascht mich jetzt das letzte Bild, was ist mit dem Zahnrad passiert? >>> Optische Täuschung, alles in Ordnung - glücklicherweise.
 
Liebe Unimog-Freunde,

nach Jürgens Vorschlag, sich die Arbeit etwas einfacher zu machen, habe ich heute ein Vorgelege "alte Achse" abgebaut. Zunächst den ganzen Achsschenkel, der sich so heftig gegen das Abbauen gewehrt hat wie das Vorgelegegehäuse der neuen Achse gegen seine Trennung. Dann musste noch das Vorgelege mit Doppelgelenk und Antriebswelle vom Achsschenkel befreit werden. Vom Aufwand her ist da zwischen alter und neuer Achse kein großer Unterschied.

Und in beiden Fällen soll nun die Gleitfläche für das Lager und den Wellendichtring aufgearbeitet werden, da sich die Dichtringe heftig darin "eingegraben" haben. Also abdrehen, Hülse aufschrumpfen und Oberfläche fein bearbeiten.

Im Foto: Alte Achse unten (schon undicht gewesen), neue Achse oben (noch dicht gewesen)
 

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Hallo Christoph,

ich freue mich immer über Deine Berichte, bin aber immer wieder erstaunt.
Du schaffst es immer wieder mit wenigen wort die Spannung hoch zu treiben. :D

Warum um alles in der Welt hast Du denn bei der alten Achse gleich den ganzen Achsschenkel abgebaut. :roll:
 
Hallo Jürgen,

im Falle der "alten Achse" war die Undichtheit am Wellendichtring der Achse, also zwischen Achse und Doppelgelenk. Um anschließend bequem auf der Werkbank reinigen, arbeiten und untersuchen zu können, haben wir die komplette Baugruppe auf einmal abgenommen (6 Schrauben rausdrehen und die Bremsleitung abnehmen). Und auch hier gibt es weitere defekte Teile (z. B. oberes Achsschenkelbolzenlager gebrochen ...), die eine komplette Überholung nahelegen.
 
Liebe Unimog-Freunde,

der weitere Verlauf der Angelegenheit führt uns ein wenig vom Eingangsthema weg. Denn nach anfänglich als gering eingeschätztem Mangel (minimale Leckage) weiten sich die Schadensbilder - besonders an der alten Achse - ziemlich aus.

Vor der Nacharbeit der Lager- und Dichtfläche an den Antriebswellen mussten die noch anwesenden Teile der Doppelgelenke gründlich gereinigt werden. Bei der Welle der alten Achse wurde zunächst Schwergängigkeit und rauer Lauf festgestellt. Nach Reinigung war die Bewegung leichtgängig mit Spiel und man fühlte "Sand im Getriebe".

Dann wurden aber erst mal die Flächen nachgearbeitet und auf die erforderliche Oberflächenqualität gebracht.

Schließlich bewahrheitete sich die Befürchtung, dass das Doppelgelenk der alten Achse auch hinüber ist. Das Spiel wurde nur vorher nicht bemerkt, weil die Lager fest mit Rost und Dreck gefüllt waren (... hat bis zum Ausbau einwandfrei funktioniert! :twisted: ) Die Schmierkanäle waren massiv und undurchdringlich mit Rost zugesetzt, Fett war nicht zu entdecken und viele Nadeln in kleine Stücke gebrochen.

Ob sich das Doppelgelenk instandsetzen lässt, ist noch unklar. Jedenfalls werden zur genaueren Untersuchung nun die Achsbolzen ausgepresst.
 

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