Unimog 2010, Vom Elsass zurück nach Deutschland

Heute Mittag war dann großer Abholtag bei Gelenkwellen Welte in Neu-Ulm.

Die auf dem Altteile-Foto zu sehende Gelenkwelle der linken Fahrzeugseite konnte nicht gerettet werden. War nicht nur stark eingelaufen, sondern hat auch einen nicht beseitigbaren Rundlaufschlag.
Auch ein Blick auf die Zapfen der Gelenkkörper lohnt sich - hätte Eindrücke in dieser Tiefe nicht erwartet, nachdem sich die Gelenke von Hand gar nicht schlecht drehen ließen. Da sieht man, wie leicht man sich hinsichtlich Güte von fettgefüllten Gelenkkörpern täuschen kann. D.h. vier Gelenkkörper gab es neu.
Auf die jeweils kurzen Wellenstummel wurden neue Verschleißringe (Lauffläche für Simmeringe der Vorgelege) aufgezogen. Die waren vorrätig, sonst hätte man aufschweißen / schleifen müssen.
Und an der ganz langen Welle wurde der Durchmesser rechts der Gelenkkörper aufgeschweißt und auf Nennmaß geschliffen.

Die so von der Fa. Welte überarbeiteten Doppelgelenkwellen machen einen sehr hochwertigen Eindruck. Jetzt können also die Vorgelege wieder montiert werden.
 

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norbi99 schrieb:
Hallo Winni
Endlich wieder mal jemand, der so eine Achse richtig aufarbeitet :)
Wenn du mir diese Dichtungen besorgen könntest wäre das super und ich würde einige abnehmen. Aber schauen wir doch mal, was da herauskommt. Auf jeden Fall danke fürs Fragen.
Gruss Norbert


Hallo Norbert
Ich habe mich bei Fa. Welte nach der Verfügbarkeit von Dichtungen erkundigt.
Die Firmenphilosophie sei aber so, dass sie auch mal komplette Gelenkkörper verkaufen bzw. natürlich Gelenkwellen instandsetzen. Aber Einzelteile oder Dichtungen werden nicht separat verkauft.
Diese behalten sie ihrem eigenen Instandsetzungsbedarf vor.
 
Habe die Doppelgelenkwellen heute zur Probe in die Achsschenkel gesteckt, dabei keine Probleme festgestellt. Danach noch den Haltering für den Simmering am zweiten Achsschenkel angebracht.

Etwas umfangreicher war dann die Montage der Vorgelege. Auch diese habe ich erstmal (mit den Papierdichtungen) probemontiert, da es festzustellen galt, ob sich durch den jeweils neuen Verschleißring am kurzen Wellenstumpf eine Änderung auf das Axialspiel der Welle im Gehäuse ergab.

Beim Vorgelege der linken Fahrzeugseite war dies nicht der Fall, sodass ich endmontieren konnte. Die Welle lässt sich ohne spürbares Axialspiel geschmeidig leicht drehen. Am rechten Vorgelege brachte die Probemontage ein anderes Ergebnis. Hier sind 0,45mm axiales Spiel vorhanden, das es nun durch eine Abstimmscheibe (0,4mm) zu reduzieren gilt. Einlegen werde ich diese Abstimmscheibe zwischen Zahnrad und dem Innenring des großen Kegelrollenlagers.

So habe ich das Spiel gemessen:
Vorgelege aufgelegt und mit Schraubzwingen befestigt. Dabei Doppelgelenkwelle frei hängend nach unten. So kommt sie durch ihr Eigengewicht im Kegelrollenlager zum anliegen. Dann mit Fühlerlehre Spiel an geeigneter Stelle zwischen Gelenkkörper und Vorgelegegehäuse gemessen.
Im nächsten Schritt die Doppelgelenkwelle angehoben bis sie am anderen Kegelrollenlager anliegt, auch hier wieder gemessen.
 

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Hallo Winni

Sieht schön aus, so neue Doppelgelenkwellen :D :party

Eigentlich kommen die Einstellscheiben unter die äussere Lagerschale im Vorgelegedeckel - diese Lagerschalen auszuziehen ist aber etwas tricki und bedingt meist das zurechschleifen vom Abzieher...

Gruss Norbert
 
Guten Morgen Norbert
Deine Info ist korrekt.
Bezüglich der Position der Ausgleichsscheibe dachte ich alternativ auch daran, diese unter den Außenring des großen Kegelrollenlagers zu legen, da ich auch an dieser Stelle kein zusätzliches Werkzeug benötige. Blechmaterial für beide Positionen habe ich vorsorglich disponiert. Rein technisch gesehen kann der Ausgleich m.E. an jeder der beschriebenen Stellen erfolgen.
 
Es geht voran. Die Schubrohrkugel ist befestigt und beide Achsschenkel sitzen an der Achse. Einige der zugehörigen Schrauben M14x1,5 und Kronenmuttern sind nicht mehr die besten. Muss also entsprechend Ersatz bestellen. Auch ein Blick auf die untere Befestigung der Federbeine hat sich gelohnt. Die waren schon etwas lose und die Schrauben an Kopf und Gewinde vergammelt.
 

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Alle Kronenmuttern an der Vorderachse sind nun mit Splinte gesichert.
Die beiden Hebelstoßdämpfer mit ihren Fangbändern sind auch wieder an ihrem Platz, ebenso die Spurstange. Und auch das Lenkgestänge ist befestigt. Der Querstabilisator hängt mal mit einer Schraube am Rahmen, morgen geht es weiter.

Für die Komplettierung des rechten Verlagerungsgetriebes habe ich aus 0,1mm dickem Blech die benötigten vier Ausgleichsscheiben ausgeschnitten. Das geht bei dieser Materialdicke ganz leicht mit einer Schere.
Mit diesen Ausgleichsscheiben wird das Verlagerungsgetriebe nochmals probemontiert, um das reduzierte Axialspiel des kurzen Wellenstumpfes im Gehäuse zu überprüfen.
 

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Der Probezusammenbau des rechten Vorgeleges unter Verwendung der Ausgleichsscheiben zur Reduzierung des Axialspiels verlief erfolgreich. Der Antrieb ließ sich geschmeidig drehen.

Beim finalen Zusammenbau bemerkte ich, dass ein kleines Missgeschick passiert war. Der 75mm - Simmering erlitt eine Beschädigung. Also nochmals zerlegt und den nötigen Ersatz bestellt.
 

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Die beiden Vorgelege sind nun final montiert. Sitzen auch beide schon an der Vorderachse, wobei sich das Vorgelege auf der Sperrenseite noch weigert, die letzten Zentimeter zurückzulegen.
 

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Hallo Winnie
Wenn das Vorgelege bzw die Steckachse nicht weiter geht steht sie Zahn auf Zahn vor der Sperre / Differenzial. Da geht es dann auch nicht mit Gewalt weiter. Es muss die Welle gegenüber dem Differenzial leicht gedreht werden und dabei leicht unter Druck halten. Dass Differenzial muss durch einschalten des Vorderrad abtriebs sowie blockieren der anderen Achsseite gegenmitdrehen gesichert werden. Dan flutscht nach einer kleinen Drehung die Achse in die Verzahnung und das Vorgelege an den Flansch.
 
Hallo Jürgen
Besten Dank für deinen detaillierten Tipp.
Durch schrittweises Weiterdrehen der Gegenseite klappte es bereits bei der Hinterachse. Bislang vorne aber nicht.

Gehe aber davon aus, dass es mit den von dir genannten Details auch hier zum Erfolg führt. Versuche es gleich morgen.

Wünsche dir einen schönen Abend.
 
Nach 10 Minuten heute früh fand auch die rechte Doppelgelenkwelle ihre Position im Differentialantrieb und ich konnte das Vorgelege mit dem Achsschenkel verschrauben.

Die Bremsbacken und Radbremszylinder konnte ich auf beiden Seiten auch platzieren, sowie die Bremstrommel rechts aufschieben. Links geht die Bremstrommel trotz zurückstellen der Exzenter knapp nicht über die Bremsbacken. Die Ursache dafür ist mir noch unklar.
 

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Hallo Winni,
ein ganz leichtes verkannten bzw nicht parallels ansetzen der Bremstrommeln kann diesen Effekt ausmachen, weil
Deine Bremsbeläge und die Bremstrommel keine Fase in Aufschiebichtung haben.

Wie frei läuft die rechte Seite, bei der das aufsetzen der Bremstrommel funktioniert hat?
Lassen sich die Bremsbeläge bei der linken mit etwas Kraft unten noch etwas weiter zusammen drücken oder sind sie schon auf festem Anschlag? Wenn sie sich noch etwas zusammen drücken lassen kannst Du an der Innenseite der Bremsbeläge diese velleicht mit einem Spanngurt noch etwas enger zusammen ziehen und dann die Trommel ansetzen, danach den Spanngurt entfernen und die Trommel aufdrücken.
 
Hallo Jürgen
Vielen Dank für deine Anregungen. Die rechte Seite drehte bei völlig zurückgestellten Exzentern recht leicht.
Auf der linken Seite war wirklich alles auf Anschlag, aber es fehlte nur ein letzter Hauch, der nach anbringen einer kleinen Fase an den Belägen überwunden werden konnte. Die Trommel dreht nun mit etwas Schleifgeräusche, was ja durchaus ok ist.

Die Nabenschrauben mit Sicherungsblechen sind angebracht. Ebenso das Differentialgestänge, Bremsleitungen und -schläuche. Der U2010 steht nun wieder auf eigenen Beinen. Im nächsten Schritt gilt es nun noch die Bremsflüssigkeit einzufüllen und die Anlage zu entlüften. Und in die Achsen, Vorgelege und Getriebe ist noch Öl einzufüllen, bevor es dann zur Probefahrt gehen kann.
 

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Hallo Winnie
Winni59 schrieb:
Ebenso das Differentialgestänge,
du meinst sicher das Sperrengestänge. Man muss nicht irgendwelche undefinierte Fachbegriffe erfinden.
 
Hallo Helmut
Danke für deine Nachricht. Im Grunde stimme ich dir hier zu.
Einheitliche Begriffe zu verwenden, dient dem Verständnis und vermeidet Mißverständnisse. Die Frage ist jedoch, auf welcher Terminologie man aufsetzen soll.
Begriffe, die sich umgangssprachlich etabliert haben oder aus z.B. Werkstatthandbuch, Ersatzteilkatalog.
Bei letzterem wäre das betreffende Teil schlicht eine Zugstange.
 
Getriebe, Differentiale und Vorgelege sind mit Getriebeöl gefüllt. Am Montag dürfte die Bremsflüssigkeit verfügbar sein, sodass ich die Anlage auch befüllen und entlüften kann.

Den U2010 habe ich zudem aus dem Winterschlaf geweckt. Nach ca. 30 Sekunden vorglühen ist er bereitwillig gestartet und nach zwei Minuten war auch die anfängliche Rauchwolke verflogen.
 

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Die letzte Zeit habe ich mir auch immer wieder etwas Gedanken über Polster/Sitzbezüge für die erworbenen original Sitzgestelle gemacht. Ursprungsgedanke war ja, etwas mit Patina einzusetzen. Das meiste, was ich bisher zu Gesicht bekam, war aber eher in Richtung "ziemlich verschlissen" einzustufen. Somit habe ich heute doch auf Neuware zugegriffen. Von privat, originalverpackt und preislich ein angemessenes Stück unter den aktuellen Händlerpreisen.
 
Die Bremsflüssigkeit ist eingefüllt und die Anlage entlüftet. Der U2010 rollt und bremst also wieder.
 

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