Hallo,
ein kleines Update zu dem Thema Bremsen und Bremskraftverstärker, denn am Wochenende hatte ich u.a. diesen auseinander.
Hier ein Bilder während des Zerlegens:


Im Werkstatthandbuch waren für mein Bremssystem folgende Nummern aufgeführt, bzw auf der Wabco Seite dann auch folgender Rep Satz:
Wabco 4620070420
Wabco 4620070440
Leider ist auf meinem BKV nichts mehr zu erkennen. Es ist aber noch die geschraubte Variante. Laut Wabco haben beide den selben Reperatur-Satz Wabco 4620070032
Auch am ausgebauten BKV konnte ich bei meinem keine Nummer oder Typenschild mehr finden. Allerdings musste ich feststellen, dass es wohl nicht einer mit den angegeben Nummern zu sein scheint. Der Rep-Satz war definitiv anders. Bei dem Rep-Satz war ein O-Ring zu groß, wo bei mir ein Nutring verbaut war, war ein O-Ring im Rep-Satz. die Entlüftungsfilter waren anders usw. Es war auch ein großer Metallring dabei, der ungefähr zum vorderen Deckel passt. Bei mir ist der geschraubt nicht geklemmt.
Für alle, die auch danach suchen, hier noch die Zeichnung aus dem Rep-Satz Wabco 4620070032. Die mit Kreisen markierten Teile sind enthalten:
Beim Zerlegen habe ich im Innen sehr viel Dreck gefunden, der Lack an den Laufflächen war sich am ablösen, aber hauptsächlich waren die O-Ringe verschlissen. Die beiden Nutringe waren noch in okayem Zustand. Ich habe den BKV jetzt gereinigt, neu lackiert, verbaut, was gepasst hat und wieder zusammengebaut.
Hier mein Tipp für andere mit undichtem Bremskraftverstärker: Die O-Ringe waren wirklich wesentlich mehr verschlissen, als die Nutringe. Also besteht durchaus die Chance diese zu vermessen und einzeln zu bestellen, ohne den ganzen Rep-Satz kaufen zu müssen.
Ich habe anschließend den BKV wieder verbaut. Zunächst ohne Hauptbremszylinder. Dabei konnte ich die Freigängigkeit des HBZ prüfen, auch, dass er zumindest im Ruhezustand dicht war. Beim Treten des Fußpedals wurde so noch kein Druck im Bremskreis aufgebaut. Das halte ich aber für Plausibel, da ja kein Gegendruck aufgebaut wird.
Was mich jetzt wundert: Ich konnte den Hauptbremszylinder (HBZ) nicht nur einfach aufstecken. Er war voll gefüllt mit Bremsflüssigkeit und an die Leitungen angeschlossen. Aber ich musste ihn über die 3 Schrauben an den BKV herandrücken - dafür musste ich sogar längere nehmen, um genug Weg zu haben.
Das hat mich zu dem Zeitpunkt nur ein kleines bisschen verwundert, weil zunächst hat scheinbar alles funktioniert. Mit HBZ wurde beim Bremsen auch auf dem Druckluftkreis Druck aufgebaut. 0 Bar gelöst und Betriebsdruck bei Vollbremsung und auch etwas Bremswirkung an den Reifen.
Das Pedal hat sich jedoch immer noch weich angefühlt, weshalb ich probiert habe die Bremsen erneut zu entlüften. Aus der ersten Bremse kam etwas Flüssigkeit und dann nichts mehr. Auch an allen anderen keine Flüssigkeit. Auch die Backen haben sich nicht mehr bewegt. Als ich die Verschraubung am Abgang des HBZ gelöst habe, kam auch dort keine Flüssigkeit auch nicht mit Pumpen. Das Pedal lässt sich ohne Kraftaufwand zu Boden drücken - kommt aber wieder von alleine hoch. Wenn ich mit ein Austreiber in den vorderen Abgang drücke, kann ich etwas wegdrücken, was auch wieder zurück kommt. Sofern der HBZ ähnlich aufgebaut ist, wie der oben im Bild, dann sollte das ja nur das Bodenventil sein. Heißt aber auch: Der Bremskolben sitzt nicht voll ausgefahren bis fast gegen das Bodenventil. Der BKV baut keinen Druck mehr auf den Bremskreis auf. D.h. da fehlt irgendwo die Gegenkraft auf den ersten Kolben.
Mir gibt es jetzt zwei offensichtliche Möglichkeiten:
- Der HBZ ist intern undicht und baut keinen Druck auf. Aber wirklich garkeinen, weil er ja nicht mal ohne angeschlossene Leitung Flüssigkeit fördert. Vielleicht war er schon vorher etwas undicht und hat dann jetzt durch Zufall auf einmal vollständig den Geist aufgegeben.
Argumente dafür sind die vorherigen Bremsprobleme (auch wenn immer Flüssigkeit gefördert wurde) und dass sich das Bremspedal gleich anfühlt, wie die Kupplung als dort der Geberzylinder gehangen hat. Dagegen: Warum genau jetzt auf einmal?
- Der BKV klemmt. Die Druckstange liegt immer am Pedal an, also muss der primäre Kolben sich frei bewegen, rein- und rausgehen. Aber der sekundäre Kolben könnte in der ausgefahrenen Position klemmen.
Dafür spricht, dass ich den HBZ mit den Schrauben an den BKV herandrücken musste und das der BKV das Teil ist, an dem ich Änderungen vorgenommen habe. Dagegen spricht, dass es ja bis zu dem Entlüftungsversuch funktioniert hat. Außerdem wird nicht der Teil, der im BKV auf den HBZ drückt, nicht von der großen Feder zurück gedrückt?
Da habe ich also noch ein neues Rätsel. Ich gehe davon aus, dass ich den HBZ einfach nochmal abbauen muss, um dann zu sehen, ob sich der BKV frei bewegt. Wenn das der Fall ist, habe ich quasi "Glück" gehabt und mein überholter BKV funktioniert und es ist "nur" der HBZ.
Anscheinend sind die Pneumatikkreise jetzt auch so dicht wie nie. Laut Manometer baut das System bis zu 9 bar auf, regelt sich auf diesem Niveau ein und hält den Druck auch nach dem Abschalten. Das ist aber etwas zu viel. Schön zu wissen, dass alles dicht ist und der Kompressor gut fördert. Aber dann muss ich wohl den Druckregler nachjustieren.
Grüße
Sebastian