Liebe Unimog-Freunde,
der Aufwand einer hydraulischen Leistungsprüfung einer Pumpe ist ja nicht unerheblich. Nun werden mir aber überwiegend solche zur Untersuchung gesandt, die schon leicht ersichtlich Schrott sind und bei denen man sich eine weitere und genauere Untersuchung sparen kann. Auch bin ich ungern Überbringer schlechter Nachrichten (in der Antike wurden solche Personen manchmal geköpft). :wink:
Um den unnötigen Pumpentourismus zu vermeiden biete ich hiermit eine einfache Anleitung zur groben Prüfung an. So kann jeder selbst feststellen, ob die Pumpe wenigstens noch halbwegs brauchbar ist und eine genauere Untersuchung mit gutem Ergebnis erwartet werden kann.
Die Anleitung ist als Video gestaltet
https://youtu.be/GISDsiZaE0c
und dies sind die Erläuterungen dazu:
Prüfobjekte - zur Veranschaulichung von zwei verschiedenen Prüfmethoden
1. Gerotorpumpe (Lenkhilfepumpe aus U406) ZF 7633 (Drehrichtung rechts) in schlechtem aber für Drücke bis 70 bar gerade noch brauchbarem Zustand
2. Innenzahnradpumpe (für Arbeitshydraulik aus U421) WESTINGHOUSE Lizenz ECKERLE (Drehrichtung links) vollkommen unbrauchbar
Prüfmethoden - dargestellt an einer noch brauchbaren und einer völlig defekten Pumpe
1. Handprüfung
2. Druckluftprüfung
1. Handprüfung
Saug- und Druckanschluss werden nacheinander mit Daumen oder Handfläche (je nach Größe des Anschlusses) dicht verschlossen und die Pumpenwelle in Drehrichtung bewegt. Dabei muss sich ein merklicher Unter- bzw. Überdruck feststellen lassen, der sich beim Wegnehmen der Hand hörbar wieder ausgleicht.
Bei der ersten Pumpe ist der Druckausgleich deutlich hörbar. Sie ist also noch nicht völlig verschlissen.
Bei der zweiten Pumpe tut sich diesbezüglich gar nichts. Sie kann somit eigentlich schon ausgemustert werden, zumal bei ihr während der Bewegung auch leicht ratternde Geräusche zu hören sind.
2. Druckluftprüfung
Am Druckminderventil der Druckluftversorgung wird ein Druck von ca. 5 bar eingestellt.
Über ein anschließendes Drosselventil (leicht geöffneter Kugelhahn oder dergleichen) wird bei betätigter Druckluftpistole ein geringer Luftstrom eingestellt, etwa so groß, dass man sich vorstellen könnte ihn aus dem eigenen Mund zu erzeugen.
Mit einer Gummitülle auf der Druckluftpistole drückt man dieselbe dicht auf den Druckanschluss der Pumpe. Diese wirkt dann als Motor in entgegengesetzter Drehrichtung.
Wenn man die Welle bzw. die Riemenscheibe mit der Hand anhält, hört man die Luft durch die Spalte im Inneren der Pumpe strömen. Je enger die Spalte sind, desto stärker und heller sind die Strömungsgeräusche und es bildet sich dabei ein Staudruck in der Größenordnung von 2 bar aus, wenn die Pumpe noch brauchbar ist – wie im Falle der ersten Pumpe.
Bei der zweiten Pumpe ist kaum ein Widerstand spürbar und sie dreht sich auch nicht, weil der Luftstrom ziemlich ungehindert durch die verschleißbedingt viel zu großen Spalte strömt.
Pumpen, die einen oder beide der vorgenannten Tests bestanden haben, können mit Aussicht auf ein gutes Ergebnis der hydraulischen Leistungsmessung unterzogen werden.